Botschaft eines Superhelden

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»Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus.«

Dieses Zitat stammt nicht aus einer Superheldenverfilmung. Es stammt aus der Bibel, aus Matthäus 12,20

Mir hilft diese Stelle bei meinem Glauben. Ich kann mir vorstellen, dass einige, wenn sie das Wort Bibel hören, vor den Bildschirmen aufstöhnen.

Andere lesen meine Worte vielleicht nicht zu Ende.

Das wäre wirklich schade. Weil in diesem Bibelzitat viel steckt, über das es sich lohnt nachzudenken. Ein geknicktes Rohr geht an einem Ufer in der Masse kräftiger Schilfrohre unter. Ein glimmender Docht ist ein Vorzeichen dafür, dass Licht bald durch Dunkelheit verdrängt wird. Hoffnung ist gewöhnlich in beiden Fällen nicht angesagt.

Menschen, denen es wie diesem Rohr und dem Docht geht, finden sich oft am Rand unserer Gesellschaft wieder. Wenn dort überhaupt noch Platz für sie ist.

Und dann kommt diese Zusage, dass da jemand ist, der das geknickte Rohr nicht zerbricht und den glimmenden Docht nicht auslöscht.

Das bedeutet für mich, dass es selbst in den dunkelsten Stunden Hoffnung gibt, die einem verwundeten Herzen wieder Nahrung geben kann.

Zweifler und Atheisten machen hier – soweit meine Einschätzung – oft dicht. Ihr Verstand wehrt sich gegen den Glauben an einen Superhelden namens Gott.

Ich glaube auch nicht, dass sich bei all dem Leid auf dieser Welt der Himmel öffnet, eine Hand herunterfährt und den Schmerz aus unseren Leben tilgt.

Aber wenn ich beginne, darüber nachzudenken, welche Botschaft in diesem Vers steckt, fällt mir was auf: Das ist genau die Art von Hoffnung, die jeder einzelne von uns, die aber auch unsere Gesellschaft gebrauchen kann. Damit möchte ich jeden ansprechen, auch jene, die eine Existenz Gottes ablehnen oder von Zweifeln zersetzt sind.

Jeder sollte entscheiden dürfen, ob er glauben möchte oder nicht. Und das ist gut so.

Auch Menschen, für die Gott eine Illusion darstellt, können dieser Bibelstelle was abgewinnen. Wer würde abstreiten, dass eine Art Urvertrauen in die Welt für die positive Entwicklung eines Menschen bedeutsam ist? Und ist es nicht vorbildlich, auf die Menschen zu schauen, für die es auf dieser Welt keinen Platz zu geben scheint? Menschen, die in Vergessenheit geraten oder von der Norm abweichen?

Der Atheist bemerkt jetzt vielleicht, dass Metaphern wie die des geknickten Rohres und des glimmenden Dochtes einen Wert besitzen, die für Menschen und ihr Zusammenleben wichtig sind.

Das wird umso deutlicher, je mehr man sich politisch in der Welt umsieht. Da zeigt sich mehr als einen Monat vor Ostern, wie wichtig es sein kann, eher auf Botschaften der Liebe zu schauen als über den Wahrheitsgehalt von vermeintlichen Wundern zu diskutieren.

Blickten wir auf das, was uns verbindet, als auf die Dinge, die uns trennen, würden wir seltener über Details streiten.

Trennende Aspekte stärken auf der Gegenseite aus Macht und Egomanie bestehende Systeme, die unsere Welt bedrohen.

Wenn ich die Botschaft der Bibel nach meinem laienhaften Verständnis zusammenfassen würde, und ich nur zwei Worte dafür zur Verfügung hätte, würde ich wohl die Worte Liebe und Gemeinschaft verwenden. Diese Begriffe versteht jeder, nahezu jedem Menschen ist klar, dass diese Wörter einen Wert darstellen, der uns Menschen im Zusammensein trägt.

Und das wirklich Tröstliche ist, dass so manche geknickte Rohre sich wieder aufrichten und so manche glimmenden Dochte Kerzen wieder zu strahlendem Licht verhelfen.

Es kommt vor, dass sie zu Multiplikatoren von Nächstenliebe avancieren.

Wenn das passiert, dann wird aus dem Symbol eines Superhelden eine Glaubenserfahrung, die über uns selbst hinausgeht.

Als erlebte Wirklchkeit.

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