Die Sommerlektüre eines Kollegen

#autorenwahnsinn #sommerlochedition Tag 6

Liebe LeserInnen,

der Patchwork-Programmierer und Autor Martin Danesch gab mir schon des Öfteren gute Buchtipps, also fragte ich ihn nach seiner Sommerlektüre.

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Was soll ich sagen? … Seine Antwort hat erneut meine Neugier geweckt:

In diesem Sommer las er »Vielleicht morgen« von Guillaume Musso.

Martin ist von dem Buch begeistert:

»… Eigentlich müsste Matthew Shapiro, erfolgreicher Philosophieprofessor in Harvard, glücklich sein. Er ist es aber nicht, seit der Tod seiner Frau ihn und die gemeinsame Tochter einsam zurückließ. Auch die junge Sommelière Emma Lovenstein hat sich mit ihrer Anstellung im Sterne-Restaurant »Imperator« beruflich ihren Traum erfüllt. Doch der Schmerz über die Trennung von ihrem Liebhaber François, der nach Jahren des Hinhaltens doch bei Frau und Kindern blieb, sitzt tief. Alles ändert sich, als Matthew auf dem Flohmarkt einen gebrauchten Laptop mit der Signatur »Emma L.« kauft.

Eine echte Wahnsinns-Geschichte! Ich möchte nicht mehr verraten, denn die sollte sich jeder selbst geben. Durch ein kleines Fantasyschnipsel bringt es Musso fertig, dass man mit der Geschichte nicht aufhören will. Es ist nämlich a) nichts vorhersehbar und b) kommt ständig tatsächlich alles anders, als man es erwartet. Spannender, genialer Plot, wenig Figuren, packende Erzählweise, die einen durch eingestreute Details immer am Geschehen hält. Atemraubend.«

Schreibt und lest schön!

Euer Sebastian

“Solange wir leben, müssen wir uns entscheiden.”

59|Wenn euch in Auschwitz Grausames widerfahren wäre, würdet ihr darüber nachdenken, dass die SS-Männer einen göttlichen Funken in sich tragen?

Vielleicht bejahen die einen unter euch die Frage ebenso vehement, wie andere sie verneinen. Ich kann mir in beiden Fällen vorstellen, dass ihr danach zurückrudert, weil sich die Antwort auf eine Welt jenseits unserer Vorstellungskraft bezieht. So ging es jedenfalls mir.

Die Brutalität in den Konzentrationslagern war so menschenverachtend, dass es in unserer heutigen Zeit schwerfällt, sich in so ein Schreckenszenario hineindenken zu können.

Letzte Woche Donnerstag, am 30.03.2017, besuchte ich im Gemeindezentrum der Christuskirche in Siegen eine Lesung von Manfred Lütz, der sein Buch »Solange wir leben, müssen wir uns entscheiden« präsentierte, für das er den Auschwitz-Überlebenden Jehuda Bacon interviewt hatte.

Die Ausführungen Bacons waren gleichermaßen voller Erschütterung und Hoffnung.

Erschütternd angesichts des Holocausts, der etwa sechs Millionen Juden das Leben kostete — so vielen Menschen, wie Hessen heute Einwohner hat.

Voller Hoffnung, weil Jehuda Bacon stets das Gute im Menschen sehen konnte. Diese Hoffnung drang beim Lesen jeder Seite zu mir durch.

Den Grundstein dafür hatte Jacob Wurzel, ein Lehrer, gelegt, der seinen Schülern etwas mit auf den Weg gab, bevor er deportiert wurde:

»›Kinder, in jedem ist ein Funke Gottes und mit der Zeit wird er zur Flamme und dann werdet ihr ganz von Gott erfüllt sein.‹ Er sagte, es sei unsere Arbeit, diesen Funken zur Flamme zu bilden, um ihn dann Gott zurückzugeben, und das machte auf uns alle einen ungeheuren Eindruck und sickerte später langsam in uns ein.«

Diesen göttlichen Funken sah Bacon z. B. in einem  SS-Mann, der in Auschwitz Juden verprügelt hatte, und einmal Jehuda und einigen anderen Kindern Salamistücke überreichte, um sie dann fortzuschicken:

»Und da sage ich wieder: In jedem Menschen ist dieser göttliche Funke, auch in einem solchen Verbrecher. Plötzlich ist er da gewesen!«

Der ungebildete SS-Mann war der einzige, der beim Frankfurter SS-Prozess seine Schuld eingestand.

»In Auschwitz ist mir klar geworden, dass Bildung häufig nur eine dünne Schicht auf der Seele ist. In Grenzsituationen bleibt nur die Herzensbildung übrig«, resümierte Jehuda Bacon.

Ich möchte diesen Gedanken dahingehend ergänzen, dass Geld und Macht in unserer Gesellschaft ebenfalls eine dünne Schicht sind, die den Kern unserer Seele verdecken, ja sie sogar wie Säure allmählich zersetzen können, wenn wir mit gierigen Händen immerzu nach den Sternen greifen wollen und dabei unsere Mitmenschen vergessen.

 

Jehuda Bacon ist ein renommierter Künstler, dessen Werke in bedeutenden Galerien ausgestellt wurden.

Seine Bemerkung über die Ausübung von Kunst fand ich aufschlussreich:

»… Denn jeder Künstler und jeder Mensch betet, wenn er etwas von ganzem Herzen macht. Jeder Künstler betet durch seine Kunst, auch wenn er es nicht weiß.«

 

Man könnte meinen, bei einem Gespräch des Christen Manfred Lütz und des Juden Jehuda Bacon könnte während des Schreibens eines Buches eine gewisse Spannung entstehen. Wenn eine solche existieren würde, äußert sie sich eher wohlwollend.

Manfred Lütz: »Vieles, was Sie sagen, ist sehr nah am Christlichen, stimmt das?«

»Ich denke, das ist immer fast dasselbe. Das eine ist, Jesus mit den Augen eines Christen gesehen, das andere ist, Jesus mit den Augen eines Juden gesehen. Für mich ist klar, wir Juden und wir Christen, wir sind eben so geboren. Aber von wem sind wir geboren? Vom selben Gott! Die Probleme gibt es nur, weil wir alle Menschen sind.«

Ich denke, viele Gläubige, die sich in theologischen Feinheiten verrennen, statt auf Gemeinsamkeiten zu schauen, könnten sich an dieser schlichten Weisheit ein Beispiel nehmen.

Auf die Frage, ob man im Leid Sinn erleben kann, antwortet Jehuda:

»Das Leiden kann sinnvoll sein, wenn es einen so tief ergriffen hat, dass es bis zu den Wurzeln des Seins geht. Und da kann man ein viel tieferes Verständnis bekommen für den anderen, für den Mitmenschen. Auf diese Weise bringt das Leiden wie ein Katalysator etwas hervor, was man im gewöhnlichen Leben vielleicht erst am Ende des Lebens erreichen kann. Und wenn man es so tief erlebt, dann kann es einen transzendenten Sinn bekommen.«

Leiden wird schließlich jeder von uns, und ich bin der Meinung, dass es nicht schadet, vom mehrfach instandgesetzten, aber witterungsbeständigen Schiff unserer Gesundheit auf das Meer zu schauen, in dem wir uns fortbewegen.

Wenn wir die Beschaffenheit, und mit ihr den Wellengang, so wie etwaige Eisberge kennen, wird es uns leichter fallen, letzten Endes im Hafen unseres Daseins einzulaufen.

Ich könnte noch stundenlang über Passagen von »Solange wir leben, müssen wir uns entscheiden« sinnieren.

Die Lesung wirkt noch nach vier Tagen in dem Maße, dass ich seit Langem in einer Nacht voller Leidenschaft am Laptop sitze und schreibe.

Seit der Lesung habe ich Teile des Buchs erneut gelesen und vertieft.

In seinem Werk stellt Manfred Lütz die Frage nach dem Sinn des Lebens, worauf Jehuda entgegnet, dass es einen Sinn des Lebens gäbe, aber in dem Moment, wo wir versuchen würden, ihn in Worte zu fassen, sei er nicht mehr da.

Ich denke, dass man dem Sinn des Lebens nahe kommen kann, wenn man das Buch liest, aber nur unter der Voraussetzung, dass man die Erkenntnisse in sein Herz lässt.

Sieben Worte

Gespannt war ich, nachdem ich um Feedback zu diesem Buch gebeten wurde. Zumal der Autor des Romans der Programmierer der Schreibsoftware Patchwork ist, die ich nutze. Können Programmierer mehr als Einsen und Nullen schreiben?, fragte ich mich.

Wenn ich Bücher lese, wünsche ich mir, dass in meinem Kopf Bilder entstehen, die mich mit den Protagonisten mitzittern und -freuen lassen.
In den vorausgegangenen Rezensionen auf amazon wurde schon einiges gesagt, was ich so unterschreiben würde.
Margot hat in ihrer früheren Beziehung Grausames erlebt. In diesem Zusammenhang beeindruckt mich die Authentizität, mit der Martin Danesch das Gefühlsleben darlegt, das die Protagonisten Margot und Bernhard erleben.
Sowohl die inneren Konflikte der Hauptfiguren als auch die äußeren Konflikte wurden glaubwürdig beschrieben.
Die Charaktere sind vielschichtig und tiefgründig, wie die von realen Menschen. Einzig der Charakter des Bösewichts ist mir etwas zu eindimensional geraten. Da fehlen mir ein paar Grautöne zu dem schwarz gezeichneten Bild von Margots Exmann.
Warum ich dennoch fünf Sterne gebe?
Weil mich die Geschichte mitgerissen hat, weil sie mich hat mitfühlen lassen, als wären Margot und Bernhard vor meinen Augen zum Leben erweckte Menschen.
Stilistisch haben mir die wunderschönen Metaphern gefallen, sowie die flüssig zu lesende Schreibweise.
Absolut empfehlenswert!

 

 

www.amazon.de/dp/B06XRNN29D

 

 

“Wenn jemand eine Reise tut”

Liebe Leute,

ich danke dem Verlag “Edition Freiberg”, welcher meine Kurzgeschichte “Der letzte Aufstieg” in seine Anthologie “Wenn jemand eine Reise tut” aufgenommen hat. Anbei zeige ich Ihnen Bilder des 408-seitigen Buches inklusive ISBN sowie eine Leseprobe meiner Geschichte “Der letzte Aufstieg”.
Der Begriff Reise wird in der Anthologie weitläufig ausgelegt. Es kann sich dabei um eine Weltreise, eine Reise zu sich selbst, oder – wie in meiner Geschichte – um eine Reise von Verzweiflung zu Hoffnung handeln.
Meine Kurzgeschichte “Der letzte Aufstieg” ist ebenfalls in meinem Taschenbuch “Sammlung: 5 Kurzgeschichten zur spannenden Unterhaltung & zum Nachdenken” enthalten, das Sie bei Interesse gemäß den Angaben auf meiner Webseite erstehen können.

Ihr Sebastian Domke

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Ich und die Menschen

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

gestern beendete ich das Lesen des Romans „Ich und die Menschen” von Matt Haig. Über diesen Roman möchte ich an dieser Stelle berichten.

Andrew Martin, ein Mathematikprofessor, hat die Riemannsche Vermutung bewiesen (wonach alle Primzahlen bestimmbar sind).
Die Außerirdischen wollen unbedingt vermeiden, dass sich unter den Menschen diese Erkenntnis verbreitet, denn sie wollen nicht, dass sich die Erdenbewohner zu schnell weiterentwickeln.
Also schicken sie eine der Ihren auf die Erde. Alle Beweise der Riemmanschen Vermutung sollen vernichtet werden.
Der Professor stirbt, als der Alien seinen Körper übernimmt. Der Gehirnscan des Mathematikgenies war nicht vollständig, als das passierte.
So besitzt der Außerirdische viele Lücken, überhaupt muss er sich vieles Wissen erst aneignen. Er weiß z. B. noch nicht, was Liebe, Musik und Gedichte für einen Sinn haben und geht davon aus, dass die Menschen gemeingefährlich sind, da sie ihren eigenen Planteten zerstören und ihnen lediglich Krieg, Macht und Geld von Bedeutung sind.
Neben der Arbeit des Professors an dem Beweis sollen auch alle Menschen, die davon erfahren haben, ausgeschaltet werden.
Nach und nach lernt der Außerirdische, welche inneren Kämpfe das Menschsein ausmacht, und er lernt es, differenziert über die menschliche Existenz zu denken.

Eines der Ratschläge, die der Alien dem  Sohn des Professors gibt, ist:

„Jede neue Technologie auf der Erde ist in fünf Jahren lächerlich überholt. Halte dich an Dinge, die auch in fünf Jahren nicht lächerlich sein werden. Liebe, ein gutes Gedicht. Ein Lied. Der Himmel.”
Das Buch ist mit Herz, Humor und Charme geschrieben, der Autor versteht es, dabei zugleich witzig zu sein und ernsthafte Gedanken über unser Dasein an den Leser zu transportieren.

Beeindruckt hat mich auch der Werdegang des Autors.
Matt Haig litt früher unter Panikstörungen, er schaffte es nicht einmal hinauszugehen, um die Einkäufe zu erledigen.
Dann bemerkte er, dass das Lesen von Büchern das Einzige war, das ihm helfen konnte, zur Ruhe zu kommen.  Irgendwann kam er auf die Idee, zu schreiben. Auf diesem Weg stellte er fest, wie gut das Schreiben für seine Psyche war und wie es ihm half, im Leben besser zurechtzukommen.
So wurde er Schriftsteller.

Das Buch ist absolut empfehlenswert!

Der Traumhändler

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

an dieser Stelle möchte ich Ihnen vom Buch “Der Traumhändler” des brasilianischen Schriftstellers Augusto Cury erzählen.
Das Buch beginnt damit, dass ein verzweifelter Mensch sich das Leben nehmen möchte. Er sitzt auf einem Dachsims und möchte in die Tiefe springen. Die Polizei ist verzweifelt, da sich der gebrochene Mann auf keine Verhandlungen einlassen möchte.
Dann kommt ein Mann in zerlumpter Kleidung durch die Menge geeilt und steigt zu dem Gefährdeten aufs Dach. Culio, der Mann, der sich das Leben nehmen möchte, sagt dem ärmlich gekleideten Fremden, er wolle sterben. Er bittet den Mann, zu verschwinden. Dieser verblüfft Culio damit, dass er ein Butterbrot auspackt und die Worte an ihn richtet: „Störe mich bitte nicht bei meiner Mittagspause.“ Anschließend konfrontiert der mysteriöse Mann Culio mit tiefsinnigen Fragen, die ihn letzten Endes von seinem Vorhaben, zu springen, abbringen.
Culio folgt daraufhin dem Mann, der von sich behauptet, dass er ein Traumhändler sei. Er begreift, dass der Traumhändler ihm eben ein Komma verkauft hat, nachdem er seinem Leben einen Punkt setzten wollte.
Der Traumhändler, der in der Natur oder unter Brücken nächtigt erregt überall dort, wo er hingeht, Aufsehen. Er spricht zu den Menschen auf Beerdigungen, einer Modenschau, ja sogar vor den Vertretern eines großen Konzerns. Dabei provoziert er die Anwesenden mit Aussagen, die diese zum Nachdenken und Umdenken über das Leben und die Gesellschaft bewegen.
Der Traumhändler, in der Geschichte auch als Meister bezeichnet, behandelt seine Mitmenschen mit Respekt, dabei lädt er Ausgegrenzte wie Kranke, Diebe, Hochstapler und andere Randgestalten der Gesellschaft ein, ihm zu folgen. Seinen Anhängern vermittelt er, anderen Menschen ohne Vorurteile und mit Wertschätzung zu begegnen.

Es kommt zu einer Überraschung, als die Identität des Traumhändlers bekannt wird.

Der Traumhändler erinnert mich bei seinem Umgang mit Außenseitern und dem Hinterfragen von gesellschaftlichen Systemen an Jesus – und er zeigt, dass Menschen mit großen Macken (über die wir uns Tag für Tag lustig machen) oft was Besonderes in sich tragen, das Vielen von uns verborgen geblieben ist.
Auch wenn dieses Buch einige Bezüge zu Jesus und seiner Geschichte aufweist, ist es dennoch ein Buch, dem Atheisten und Andersgläubige ebenfalls etwas abgewinnen können, stecken doch tiefsinnige Auseinandersetzungen über unser Leben in Bezug auf unsere Gesellschaft und uns selbst darin.

Dieser Beitrag bezieht sich auf das gekürzte Hörbuch, gesprochen von Christian Schüler.
Die gelungene Lesung durch die angenehme Stimme des Sprechers ließen mich den Roman als einen Hörgenuss erleben, den ich gerne weiterempfehle.