Die Katze

Liebe LeserInnen,58|

seht ihr die Lücke unterhalb des Zauns? Entspannt hatte ich mit Füllfederhalter und Tintenfass, zweieinhalb Meter entfernt, an einem Tisch im Garten gesessen und meinen Roman weitergeschrieben.

Anschließend diktierte ich den Text der Szene in eine Spracherkennungssoftware. Soweit so gut.

Aus meiner Romanszene sprach ich eine Zeile mit Dialog auf und sagte: »Hey Biker!«

In dem Moment schoss eine braun getigerte Katze durch die Lücke im Zaun auf mich zu, starrte mich an und rannte davon.

Für mich wird die Katze für immer »Biker« heißen!

Die lustigsten Geschichten schreibt manchmal das Leben selbst.

Lest, schreibt und träumt schön!

Euer Sebastian

Blutmond

Liebe LeserInnen,

mit Freunden genoss ich gestern von einer Bank aus den Sonnenuntergang, dann suchten wir die Drachenfeldwiese auf, um den Blutmond zu bestaunen. Mehr als hundert Siegener kamen auf die gleiche Idee, viele von ihnen ausgestattet mit Teleskopen, Ferngläsern und hochauflösenden Kameras.

Mehr als eine halbe Stunde sondierten wir den Himmel. Unser ärgster Gegner war eine Wolkenwand, die uns zweifeln und hoffen ließ.

Kinder spielten nach der Abenddämmerung mit Hunden, Pärchen ließen sich auf Decken nieder und aus den Gruppen war ein angeregtes und andächtiges Murmeln zu hören.

Ich kann es nicht mit Sicherheit wissen, aber ich würde eine Suppe aus meinem Lieblingscafé (Die Suppen sind dort phänomenal gut) darauf wetten, dass sich auf der Wiese an dem Abend niemand gestritten hat.

Unter den achtsamen Besuchern machte sich eine leichte Unruhe breit, wenngleich niemand seine Beobachtungsplätze verließ. Der Mond blieb verborgen.

Es reichte mir. Ich musste meine Superkräfte einsetzen. Also ging ich einige Schritte vorwärts, konzentrierte mich, streckte meinen Arm aus und rief: »Wolken, weichet!«

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Eine Frau bedachte mich mit aufmerksamem Blick und sagte: »Schön wär´s.«

Es war offensichtlich: Sie zweifelte an meinem Geisteszustand. Natürlich wusste ich es besser. Meine Arbeit war getan. Ich durfte mich des Lebens freuen und alle Viere von mir strecken, um auf die Mondfinsternis zu warten. Es war nur eine Frage der Zeit.

(Für alle, die sich Sorgen machen: Ich glaube nicht, telekinetische Fähigkeiten zu besitzen. Ich weiß, dass ich über sie verfüge. Gerade konzentriere ich mich darauf, dass die Ketchupflasche nicht vom Tisch fällt, und tatsächlich: Sie steht immer noch da. Das ist passive Telekinese ;-)).

58|

Meine Einwirken auf die störenden Wolken ließ nur wenige Minuten auf sich warten.

Der Blutmond erschien, und mit ihm der Mars, der rechts unterhalb rot funkelte.

Leider waren die Wolken nicht unser einziger Feind. Immer wieder fuhren Autos eine Straße in der Nähe entlang, und ihre Lampen unterbrachen einige Male unsere Freude an dem Naturspektakel.

Leider waren unsere Handykameras nicht scharf genug, um das Schauspiel einzufangen. In meiner Erinnerung nimmt diese Nacht jedenfalls einen besonderen Platz ein.

Eine Sache noch: War es bei »Interstellar« nicht so, dass Energiewesen aus der Zukunft mit den Menschen Kontakt aufnahmen?

33|Der Film »Interstellar« war bei uns in der Nacht Gesprächsthema, sodass ich zu Hause zu diesem Filmsoundtrack einschlief. Morgens checkte ich die Fotos auf meinem Handy und entdeckte dieses Foto:

Manch einer könnte meinen, es sei etwas unscharf. Aber wenn man genau hinsieht, ist zu erkennen, dass meine Konturen in Energie gehüllt sind. Eine Verschmelzung meiner Person aus der Zukunft mit mir in der Gegenwart?

(Für den Fall, dass sich jemand Sorgen macht: Das Ich der Zukunft hat mir schon oft geholfen. Wir schreiben uns regelmäßig Briefe;-) Und: Keine Sorge: Die nächste totale Mondfinsternis mit mindestens 100 Minuten Dauer wird uns erst am 26. Juni 2029 verzaubern. Bis ein Energiewesen mich wieder vor der Linse verschwimmen lässt, wird es also noch ein wenig dauern. Vielleicht passiert das dann auch nicht mehr, weil ich mit Sport und Bewegung etwas an meiner Schärfe arbeiten möchte ;-))

Schreibt, träumt und lest schön!

Euer Sebastian

Abenddämmerung

Liebe LeserInnen,

ich wünsche euch zwischen den Marschbewegungen unserer schnellebigen Zeit Momente der Ruhe, zum Innehalten. Zu diesem Anlass teile ich meine Gedanken bei der gestrigen Abenddämmerung mit euch – von einem meiner Lieblingsplätze:

58|Sanftes Rauschen der Blätter im Wind. Vögel zwitschern, zwei davon verabschieden sich melodisch vom heutigen Tag. Ermutigendes Grillenzirpen. Am Horizont dreht sich stark und mächtig ein Windrad. Der Himmel schimmert golden und ich vermag meinen Blick nicht vom Windrad zu lösen. Manchmal fühle ich mich kraftlos, aber vielleicht verfüge ich über ähnliche Stärke, wie die Rotorblätter es präsentieren. Wenn die Berge umhüllt von Nebelschwaden sind, ist die Sicht zu dem Energiespender nur verschleiert, ähnlich, wie ich mitunter meine Kraftquelle nicht wahrnehme. Aber zu wissen, dass sie da ist, schenkt mir Hoffnung. Der Singsang der Vögel geschieht nun im Einklang eines Chors. Einzigartig schön und einheitlich beschwingend lausche ich einer Komposition, die nie dagewesen ist und nie wiederkehren wird. Dieser Moment ist pures Glück, in ihm steckt jener göttliche Funken, der sich offenbart, wenn man im Natürlichen das Besondere sieht. Der Horizont könnte auch Beginn eines Ozeans sein. Unten blau und darüber gelb-golden leuchtend die Himmelslinie. Ich fühle mich wie ein Wanderer am Rande der Welt, vor einem Universum, das noch niemand entdeckt hat. Ich habe das Gefühl zu verschmelzen, eins zu werden mit dem großen Ganzen, das mich umgibt, und von dem ich nur ein winziges Teilchen bin. Hin und wieder denke ich: Das große Glück ist so weit entfernt, dabei ist es is so nah, dass ich oft darüber gestolpert bin, ohne es zu bemerken.

Träumt, lest und schreibt schön!

Euer Sebastian

Neue Welten

Liebe LeserInnen,

gestern fühlte ich mich inspiriert:

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In einem prophetischen Whatsapp-Beitrag las ich, dass Träger eines mit S beginnenden Vornamens eines Tages Urban-Poledance-Weltmeister werden.

Am sonnigen Freitagmorgen trainierte ich an einer Ersatzhaltestelle. Man sieht hier nur einen Teil des Körpers (meine Moves bleiben geheim;-)).

Zugegeben: Ich hatte mich umgesehen, um mich zu vergewissern, dass mich niemand bemerkt.

Nachmittags in einem Café schrieb ich über idyllische Erinnerungen meines Protagonisten (Figuren und Handlung sind frei erfunden) und abends bei einem Glas Wein im Garten wusste ich, dass ich lieber ein unbekannter Autor als Urban-Poledancer-Weltmeister bin: Die heilsamen Fantasiewelten, die sich beim Schreiben erschließen und die Entschleunigung dabei möchte ich nicht mehr missen.

Hier ein Teil der im Café entstandenen Szene:

Während Häuserblocks an den getönten Fenstern des Busses vorbeirauschen, offenbaren sich mir bittersüße Erinnerungen: Jeanette und ich streiften durch hohes grünes Gras, um Butterblumen zu sammeln. Das Gras wog sacht im Wind, Vögel sangen und Grillen zirpten. Den Korb mit Löwenzähnen zwischen uns, saßen wir still am Bachufer und beobachteten, wie der Himmel sich färbte. Wenn Janina uns dabei beobachtete, lächelte sie und schwieg. Manchmal waren wir in lauen Sommernächten dort und gaben einigen der zahllosen silbernen Sterne über uns freche und witzige Namen. Selbst im Übergang zwischen Sommer und Herbst zelteten und übernachteten wir mitunter auf unserem Grundstück. Am nächsten Morgen frühstückten wir genießerisch und erfreuten uns an den Tautropfen, die wie Juwele an Grashalmen aufblitzten. Idyllischer hätte unser Familienleben nicht sein können.

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Ich denke, dass die meisten Autoren, die ihr Glück vom Verkauf eines Buches abhängig machen, kein vergnügliches Autorenleben vor sich haben. Mit dem Schreiben Türen zum Verborgenen zu öffnen, ist der größte Lohn, den man kriegen kann.

Schreiben und Lesen sind Tätigkeiten, die die Welt um uns herum vergrößern. Vielleicht sind es die unsichtbaren Welten in unserem Denken und Fühlen, die zum Gleichgewicht unseres Daseins beitragen. Sicher, es gibt bereits viel Leid auf unserem Planeten, aber wie viel größer wäre es ohne Storys, die uns Atempausen und Ablenkungen verschaffen – von einer Realität, die kalt und berechnend und grau und gnadenlos sein kann?

Bei einem meiner Spaziergänge kam mir ein Aphorismus in den Sinn:

»Worte sind bunte Vitamine fürs Herz, Zaubersprüche, die die Zeit verlangsamen und Eintrittskarten für Welten neuer Möglichkeiten.«

Träumt, lest und schreibt schön!

Euer Sebastian

Schrittzähler und Nachthimmelromantik

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Liebe Träumer,

wenn mich der Ehrgeiz packt, kann es passieren, dass ich in der Nacht spazieren gehe, um ein Tagesziel von 6000 Schritten zu erreichen. So ist es heute gewesen. Als ich feststellte, dass mir nur noch wenige Schritte fehlten, wäre ich fast mit nacktem Oberkörper losgelaufen. Mister Vernunft erklärte mir, dass Hemd und Jacke einer Erkältung vorbeugen könnten. Dieses Mal gab ich ihm recht. Am Himmel entdecke ich gerade eine Wolke in der Form eines Herzens, im Licht des Mondscheins. Der romantischste Gruß des Nachthimmels, den ich je bekommen habe. Der eine oder andere fragt sich vielleicht, wie ich das in der Gegenwart schreiben kann. Verrückt wie ich bin, habe ich den Text aufdiktiert, während ich umherlief und mit meinen Augen den Himmel sondierte.

Träumt, lest und schreibt schön!

Euer Sebastian

Der verrückteste Schriftsteller der Welt

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Liebe Welt,

weißt du eigentlich, dass ich der verrückteste Schriftsteller der Welt bin?

Neuerdings gehe ich auf dem Friedhof spazieren und diktiere Romanszenen mit einer Spracherkennungssoftware auf. Wenn Besucher des Friedhofs meinen Weg kreuzen, schweige ich natürlich, weil ich sie beim Gedenken nicht stören möchte.

Meistens ist auf dem Friedhof kaum jemand unterwegs, ich muss nicht auf Straßenverkehr achten, tue was für meine Fitness, Vögel begleiten mich mit einem Konzert, ich fühle mich inspiriert und entspannt. Ich schade niemandem, trotzdem kratze ich mir gerade am Kopf, weil es schon irgendwie abgefahren ist, einen Roman bei Friedhofsspaziergängern zu verfassen.

Naja, nicht umsonst habe ich ein Sonnenwirbel!

Hier ein Auszug aus der jüngsten Szene, die bei einem meiner Spaziergänge reifte:

Ich hebe einen flachen Stein auf und lasse ihn über die ruhige Oberfläche des Bächleins flitschen. Jeanette war vier Jahre alt, als ich ihr das beibrachte. Ich kann mich noch gut an ihre staunenden Augen erinnern. An jenem Tag hielt mich meine Tochter für einen Zauberer, der grenzenlose Macht besaß. Der Bachlauf liegt versteckt hinter Brennnesseln und Rosmarinsträuchern, hinter meinem altem Zuhause. Einem kleinen Landhaus, in dem Möbel aus Eichenholz und rustikalen Querbalken für so eine heimelige Atmosphäre sorgten, dass sich die Härchen auf den Unterarmen aufrichteten, wenn ich von der Arbeit nach Hause kam.

Hier an unserem kleinen Bächlein saßen wir oft zusammen und erzählten uns Geschichten, bis sich der Himmel färbte und die Bäume um uns herum in abendrotes Licht tauchte. Ich sitze auf dem gleichen Baumstamm, den ich vor Jahren in eine Bank verwandelt hatte. Hier verschmolzen wir zu einer Einheit, und jeder von uns hätte darauf gewettet, dass es nichts gab, was uns trennen könnte.

Ich fahre mir mit der Hand durchs Gesicht. Trotz der Rasur finde ich stoppelige Stellen. Immerhin habe ich mich nicht geschnitten, was ich bei Ferdinands billigen Einwegrasierer erwartet hätte. Schwerfällig erhebe ich mich, laufe auf den Hang zu, der das Haus von diesem idyllischen Ort trennt, schiebe Sträucher zu Seite, bis ich die Einfahrt erreicht habe.

Als ich vor der Haustür stehe, halte ich den Atem an. Ich denke darüber nach, mir irgendwelche Wörter zurechtzulegen, aber was sollte das bringen? Manchmal ist es besser, einfach zu machen. Ich streiche mir durchs Haar, als könne ich mit dieser Bewegung verhindern, das Elend in mir auszustrahlen, zu dem ich geworden bin.

Träumt, lest und schreibt schön!

Euer Sebastian

Hey Siegen!

Liebe LeserInnen,

heute wurde ich bei einem Tempo von 100 Km/h geblitzt, als ich im Bobbycar zum Kreishaus Siegens düste (Wenn ihr genau hinseht, ist oben links die erreichte Geschwindigkeit zu erkennen).

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Dort fand nämlich die 200-Jahres-Feier des Kreises Siegen-Wittgenstein statt.

Landrat Andreas Müller fasste die Bandbreite dieser Region anlässlich des Jubiläums präzise zusammen (http://www.siegen-wittgenstein.de/200-Jahre):

»Bei uns kann man tagsüber am Rothaarsteig wandern und abends ins Apollo-Theater gehen oder die Philharmonie Südwestfalen hören. Man kann Natur genießen und am gleichen Tag noch Shoppen gehen. Man hat absolute Stille in einer traumhaft schönen Landschaft, in der man lange laufen kann, ohne jemanden zu begegnen, und man hat das Leben in der Universitätsstadt Siegen, die im Moment immer jünger und urbaner wird. Wir haben Tradition und Innovation, HighTech und Handwerk, den Alten Flecken und die für ihre moderne Architektur preisgekrönte Autobahnkirche in Wilnsdorf … Diese Vielfalt – sozusagen: Das Beste aus zwei Welten – ist unsere besondere Stärke. Und genau diese vielfältigen Seiten der Region möchten wir mit den Aktionen und Projekten rund um den Kreisgeburtstag deutlich sichtbar machen.«

41|Dieses Foto habe ich von der Dachterasse aufgenommen, und es lässt erahnen, dass Siegen eine weitaus hübschere Stadt ist, als oft behauptet wird.

Als Künstler war für mich der musikalische Beitrag zu dieser Veranstalung von besonderem Interesse.

Vier Musiker präsentierten Songs über Siegen-Wittgenstein. Sie gingen aus einem Wettbewerb hervor, der in Zusammenarbeit mit Radio Siegen ausgerichtet wurde.

Mich persönlch hat der Auftritt des Rappers Haboobrap angesprochen (www.haboobrap.de), der in seiner Darbietung »Hey Siegen« den Charme des Siegerlandes greifbar macht.

Sehr zu empfehlen ist sein You-Tube-Video, in dem das ansprechende Siegufer zu sehen ist.

https://youtu.be/Pe15_1Q2JzU

Noch ein paar abschließende Worte zu den Vorurteilen über die Sigerländer Region:

Seit ich 2000 nach Siegen kam, hörte ich immer wieder, das in Siegen nichts los sei, und dass es eine hässliche Stadt sei.

Dass das nicht so ist, hat der Landrat bereits vortrefflich erklärt. Songs wie »Hey Siegen« tragen etwas dazu bei, dass sich in den Köpfen von Besuchern und Siegerländern etwas ändern kann.

Ein besonders Highlight an baulichen Veränderungen ist das Siegufer mit seinen Stufen an der Sieg, auf denen Menschen unterschiedlicher Kulturen friedlich verweilen. Kinder spielen am Wasser, Erwachsene sind manchmal in Gepräche vertieft, aber das Siegufer ist auch ein schöner Ort, um in sich selbst zu ruhen und das Wasser zu beobachten.

Wasser ist eine Elementengrenze, zu der sich Menschen auf natürliche Weise hingezogen fühlen.

Und es ist genial, dem mitten in Siegen nachgehen zu können.

Es gibt so viele Erzählungen über Sejerländer Sturköppe. Jeder hier kennt den Ausdruck »Zum Lachen geht der Siegerländer in den Keller«. Aber hey, das passiert in anderen Gegenden ebenso.

Wenn man auf ein Blatt Papier einen Punkt setzt, sieht man nur diesen Punkt, ohne zu bemerken, dass ein Großteil der Fläche weiß ist.

Und so ist es auch mit dem Siegerland.

Etwas zu meckern wird es immer geben, aber lasst uns an dem erfreuen, was hier gut ist. Und davon gibt es jede Menge:-)

Hey Siegen, schön dass es dich gibt!

 

 

Achtsamkeit

Heute Mittag fühlte ich mich, als hätte ich ein Haus kaufen wollen und mich dann doch für eine Architektursoftware entschieden. Mit der Besonderheit, dass die Architektursoftware teurer als das Haus war.

Nein, liebe Leserinnen und Leser, ich bin nicht in die Immobilienbranche gewechselt.

Ich habe mich heute Morgen auf den Weg gemacht, einen Gutschein einzulösen und in einer kleinen Buchhandlung ein Buch zu kaufen.

Ursprünglich wollte ich nicht mehr als die 10 Euro des Gutscheins einsetzen.

Auf dem Weg zum Geschäft schob ich einige Gedanken wie Möbelstücke im Kopf hin und her. Fiktionale Literatur füllt in ausreichender Menge mein Bücherregal, also beschloss ich meinen Fokus auf Sachbücher zu lenken.

Ich verbrachte eine Stunde damit, in Werken über Achtsamkeitsmeditationen (ein Buch zu diesem Thema habe ich zu Hause angelesen) und diversen anderen Büchern zu psychologischen Themen zu stöbern. Zu den Sparten habe ich noch genug Lesestoff, dachte ich, und sah mich weiter um.

Ein freundlicher Mitarbeiter fragte mich, ob er mir behilflich sein könne. Ich kann mir vorstellen, dass er irritiert war, nachdem er mich gedankenverloren beim Durchblättern von Büchern beobachtet hatte.

An sich kein ungewöhnlicher Vorgang. Wäre da nicht die Tatsache, dass ich die gleichen Bücher ratlos immer wieder in die Hände genommen hatte.

Unverhofft geriet mir das Buch des Trägers für den Nobelpreis für Wirtschaft zwischen die Finger. Darin las ich etwa 15 Minuten. Es war ein Wälzer mit mindestens 500 Seiten und kostete genau 10 Euro.

Ich erinnere mich noch an eine Passage, in der vom Unterschied von Kosten und Verlust berichtet wurde.

Variante 1: Ein Los kostet 5 Euro und man erhält die Chance auf einen Gewinn.

Variante 2: Das Los ist kostenlos, dafür muss man 5 Euro zahlen, wenn man kein Losglück hat.

Beide Möglichkeiten laufen bei einer Losniete auf exakt das Gleiche hinaus, aber psychologisch ist Variante 2 die schlechtere Wahl. Verluste bewerten wir negativer als Kosten. Ein Umstand, den die Werbeindustrie nutzt.

Auf mich wirkte dieses Beispiel erhellend, aber Zeit aufzuwenden, um ein Mammutbuch über Wirtschaftspsychologie zu lesen, waren mir die 10 Euro doch nicht wert.

Einige Minuten später schaute ich auf Aufstelltischen nach, überflog diverse Büchertitel und blieb bei einem Büchlein hängen.

Der Buchhändler hatte sich vielleicht schon ausgemalt, im Freundeskreis von einem verrückten Kunden zu erzählen, der in dem Geschäft stundenlang mehr km gelaufen war als alle Mitarbeiter zusammen bei der jährlichen Inventur.

Nein, diesen Gefallen habe ich ihm nicht getan.

Ich kaufte also folgendes Exemplar:

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»Jeden Tag ein Gedanke« ist ein nahezu unbeschriebenes Buch, für das ich nach Einlösen des Gutscheins noch fünf Euro oben drauf legte. Das Buch verfügte über Platz genug, fünf Jahre lang jeden Tag einen Gedanken einzutragen.

Ich dachte mir: In all den vielen Büchern wimmelt es von interessanten Informationen, aber da wir ohnehin mit Neuigkeiten überhäuft werden, schadet es nicht, wenn ich auf die eigene Wahrnehmung lausche. Beobachtungen und Schlussfolgerungen besitzen einen Wert — und wenn dieser nur für Gott und mich persönlich existiert. Es wäre interessant, einige Jahre meine wichtigsten Erkenntnisse zu notieren, um später mit einer Rückschau die Veränderungen von Schwerpunkten des Innenlebens zu registrieren.

Der Verkäufer hatte sich an der Kasse seriös verhalten, ich hatte den Eindruck, dass es ihn einige Mühe gekostet haben könnte, sich ein Grinsen zu verkneifen.

Seit ich das Buch in meinem Rucksack mit mir trug, tarierte ich die Gedanken aus. Während der Busfahrt überlegte ich, was der für mich bedeutendste Gedanke des heutigen Tages war. Dabei horchte ich in meine Gedankenwelt hinein. Ich hatte in meinem Kopf die Innenbeleuchtung eingeschaltet.

So ein Mist. Jetzt habe ich doch Geld für ein Buch über Achtsamkeit ausgegeben;-)

Mein neuer Arbeitskittel …

Mein neuer Arbeitskittel ist heute gekommen (Der Pullover stammt aus einer limitierten Teezily-Kampagne.) … Das Kleingedruckte möchte ich an dieser Stelle nicht verschweigen:

»Ich bin Autor und lebe in einer Fantasiewelt mit unrealistischen Erwartungen. Danke für das Verständnis.«44|

So wie Postboten jeden Tag als solche gekennzeichnet zuverlässig die Post in unsere Briefkästen befördern, so bin ich von nun an als Autor erkennbar, ein Zusteller bin ich in gewisser Weise ja, und ich hoffe, dass Sie meine Geschichten und meinen künftigen Roman auch in Zukunft lesen werden, und auf ihrem Briefkasten kein fett umrandeter Aufkleber »Bitte keine Romane und Kurzgeschichten einwerfen« pappt.

So wie manche aufgeregten Besteller auf den Briefträger zulaufen, um Auskunft zu bekommen, ob das ersehnte Paket gekommen ist, so dürfen Sie mich gerne über den Haufen rennen und mich fragen, ob ich eines meiner Werke dabei habe.

Mir wird gerade bewusst, dass das mit der verrückten Fantasiewelt und den unrealistischen Erwartungen sehr gut zu mir passt. 🙂

Und noch was wird mir klar.

Selbstironie befreit, und wenn man über sich selber schmunzeln kann, lebt es sich um einiges leichter.
Um es mit den Worten des Kabarettisten und Schauspielers Joachim Teege zu sagen:
“Selbstironie ist die Kunst, sich so durch den Kakao zu ziehen, dass er noch schmeckt.”
 

Das schaffe ich aus dem Stand …

Heute stieß ich auf einen interessanten Artikel von Richard Norden, in dem dieser darauf aufmerksam machte, dass es viel gesünder und effektiver sei, im Stehen als im Sitzen zu arbeiten.

Als gelernter Bürokaufmann streifte ich in der Berufsschule mal das Thema »Ergonomie am Arbeitsplatz«, damals lag das Hauptaugenmerk jedoch noch darauf, welche Voraussetzungen der Bürostuhl erfüllen und welche Höhe der Tisch haben musste, damit Mitarbeiter produktiv in ihrem Betrieb arbeiten konnten.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie mein damaliger Chef gerne darauf hingewiesen hatte, dass es durchaus Sinn machte, den Drucker ein stückweit entfernt vom Schreibtisch zu platzieren, damit man am Tag oft genug von seinem komfortablen Stuhl aufstehen musste – mit dem Ergebnis, das man nicht so schnell verspannt und träge war wie nach acht Stunden ununterbrochener sitzender Tätigkeit.

Mein erster Gedanke nach dem Vorschlag von Herr Norden, Texte im Stehen zu schreiben, war: Das ist ja total verrückt!

Der zweite Gedanke war:

OK, ich bin als Autor ja auch ein wenig verrückt, dann kann ich es ja mal austesten.

Als ich mich in meinem Arbeitszimmer umsah, kam mir eine Idee: Da stand eine Kommode, auf der einige Pullover lagen. Kurzerhand befreite ich die Oberfläche und stellte zu meiner Zufriedenheit fest, dass die Höhe des Schranks optimal auf meine 1,95 m Körpergröße abgestimmt war.

Während ich diese Zeilen verfasse, stehe ich kerzengerade, als ob das Möbelstück eigens dafür gebaut worden war, dass ich in aufrechter Position Blogartikel, Kurzgeschichten und Romane ausarbeite.

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Ich sehe im Geiste das anerkennende Nicken meines früheren Vorgesetzten vor mir, das dieser aufsetzen würde, erzählte ich ihm von meiner zum Stehpult umfunktionierten Kommode.

Spätestens nachdem ich ihm mitteilte, dass mein Drucker von meiner Stelle nur eine Armbreite entfernt läge, würde sich auf seiner Stirn eine steile Furche bilden, und seine zustimmende Kopfbewegung würde einem vorwurfsvollen Blick weichen, der mich ernsthaft überlegen ließe, den Drucker lieber im Keller aufzustellen. Aber vielleicht würde er sagen: »Immerhin, so arbeiten Sie gesünder und erfolgreicher als zuvor.«

Ich glaube, er könnte damit recht haben; die Zeit vor meiner Kommode kommt mir außerdem weitaus spannender vor, als früher meine Wache vor dem Kasernentor, bei der meine Abwechslungen darin bestanden, diverse Truppenausweise zu kontrollieren, oder im Geiste das Lied »Vor der Kaserne, vor dem großen Tor, steht eine Laterne …« zu summen, und mich dabei immer wieder zu vergewissern, dass die Laterne immer noch ihren Platz einnimmt.

Ebenso befremdlich, wie, dass Wachsoldaten zur Erholung einen Stuhl zur Verfügung gestellt bekommen, erscheint es, dass Schüler ihre Klausuren in Zukunft stehend, und Verwaltungsangestellte ihre Geschäftsbriefe auf einer Kanzel schreiben.

Aber es gab schon verrücktere Ideen, die heute zur Selbstverständlichkeit geworden sind.

Wer hätte etwa vor 100 Jahren wohl gedacht, dass man innerhalb eines Sekundenbruchteils mit Menschen auf der ganzen Welt kommunizieren kann? Und, dass dies sogar für den Otto-Normal-Verbraucher umsetzbar ist?

In unserem Zeitalter des technischen Fortschritts haben wir uns alle gemütlich vor den Flachbildschirmen niedergelassen und dabei vergessen, dass unser Körper eben kein Computer ist, der sich passiv dank automatischer Updates neuen Begebenheiten anpasst.

Die Updates für unseren Körper können wir nur selber vornehmen, sie setzen u. a. Bewegung voraus.

Wer z. B. meine Beiträge zum Thema Selbsthilfe gelesen hat, der weiß, dass ich nicht moralisierend den Zeigefinger erheben, sondern nur Möglichkeiten vorstellen möchte, aus denen sich jeder so bedienen kann, wie er es mag.

Wer sich z. B. ausreichend sportlich betätigt und somit einen Ausgleich zum vielen Sitzen auf der Arbeit hat, der ist von den ungesunden Folgen des Bürostuhls sicherlich nicht sonderlich stark betroffen.

Ich habe darüber nachgedacht, dass ich noch einen oben drauf setzen könnte, in dem ich ein Laufband aufstelle und während des Laufens arbeite.

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass das zu viel des Guten wäre. In Momenten der Besinnung auf neue Ideen für meine Geschichten könnte ich zu laufen vergessen, mit der möglichen Konsequenz, dass mich das Band von den Füßen reißt und ich mir die Stirn auf meiner Tastatur blutig schlage.

Für Schriftsteller ist das Arbeiten im Stehen jedenfalls eine tolle Idee – sowie für den einen oder anderen, der eingefahrene Gleise verlassen möchte.