Der Appell des DALEI LAMA

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Liebe LeserInnen,

im Wechsel lese ich in verschiedenen Büchern. Eines davon ist »Der Appell des DALAI LAMA an die Welt«, in dem der Fernsehjournalist Franz Alt den Buddhisten interviewt.

Ich bin Christ, glaube aber wie der DALEI LAMA, dass Weltreligionen für viel Leid verantwortlich sind, insbesondere dann, wenn sie radikal gelebt werden. Und ich finde es spannend, die Perspektive des DALEI LAMA kennenzulernen.

»Die Hauptursache für Kriege und Gewalt sind unsere negativen Emotionen. Diesen geben wir zu viel Raum und unserem Verstand und unserem Mitgefühl zu wenig. Ich schlage vor: Mehr zuhören, mehr nachdenken, mehr meditieren. Mit Mahatma Gandhi meine ich: ›Wir müssen selbst die Veränderung sein, die wir in der Welt zu sehen wünschen.‹«[DALEI LAMA, Franz Alt, »Der Appell des DALEI LAMA für eine säkulare Ethik und Frieden«, S. 11, 13. Auflage, Benvento Publishing].

Eine wertvolle Botschaft, wie ich finde. Wir glauben oft, etwas zu verändern, indem wir den Finger auf andere richten, dabei könnten wir viel mehr erreichen, wenn jeder von uns zuerst auf sich zeigen würde. Oft sind es die kleinen Veränderungen in uns, die Besonderes bewegen. Sie mögen von anderen kaum bemerkt werden, was aber nicht die Bedeutung unserer kleinen Schneebälle schmälert. Unser Herz würde es uns danken.

Oftmals lenken anklagende Äußerungen über andere von eigenen Problemen ab und verursachen Streit und sogar Kriege.

Ich stehe voll und ganz hinter der Aussage des Religionsführeres, dass wir nur Frieden »… mit uns, zwischen uns und um uns herum …« finden, wenn wir selbst zum inneren Frieden gelangen [S.11].

Das Buch umfasst weniger als 60 Seiten und schenkt seinen Lesern erfrischende Perspektiven.

Obwohl ich Christ bin, habe ich keine Angst vor anderen Glaubensrichtungen. Viele Werte aus dem Buch ähneln christlichen Werten, an denen ich mich orientiere.

Ich bin einer von Milliarden und kann nicht wissen, ob meine Überzeugungen die richtigen sind. Schon allein deswegen halte ich meinen Geist offen und begegne anderen Meinungen mit Respekt, sofern sie nicht die Würde von Menschen angreifen.

In einem früheren Blogbeitrag ging ich der Frage nach, ob ein Autor die Welt verändern kann. Einige Schlussfolgererungen ähneln diesem Beitrag (http://tintenkuenstler.de/kann-ein-autor-die-welt-veraendern/).

Schreibt, träumt, und lest schön!

Euer Sebastian

Ein verdammt guter Grund zu lesen

58|Liebe LeserInnen,

immer mal wieder lese ich in »Story«, einem Buch übers Drehbuch schreiben. Für mich ist es als Romanautor interessant, weil ich von Filmszenen und -charakteren Spannendes lernen kann. Heute bin ich auf einen verdammt guten Grund gestoßen, Romane zu lesen.

Robert McKee sagt: »Eine Figur ist ein Kunstwerk, eine Metapher für die menschliche Natur. Wir sprechen von Figuren, als seien sie echt, doch sie sind der Wirklichkeit überlegen. Ihre Eigenschaften werden als klare und erkennbare entworfen; unsere Mitmenschen hingegen sind schwer zu verstehen, um nicht zu sagen rätselhaft. Wir kennen Figuren besser als unsere Freunde, denn eine Figur ist ewig und unveränderlich, während echte Menschen sich ändern – wenn wir glauben, wir verstünden sie, verstehen wir sie nicht. In der Tat glaube ich, ich kenne Rick Blain in Casablanca besser als mich selbst. Rick ist immer Rick. Ich bin ein bißchen komisch.« (McKee, Robert, STORY, die Prinzipien des Drehbuchschreibens, S. 403)

Das Verhalten von Freunden und Fremden zu deuten, um deren Persönlichkeit zu verstehen, misslingt uns öfter, als wir wahrhaben wollen. Selbst dann, wenn wir diese Menschen gut kennen. Menschen sind vielschichtig, so komplex, dass sie sich mitunter selbst nicht verstehen. Wenn wir Romane lesen oder Filme schauen, bieten wir unserem Kopf beim Tauchen in andere Welten Urlaub, umgeben von Charakteren, die wir begreifen. Das gibt Sicherheit.

Was kann man aus dem Kontrast fiktionaler und realer Figuren lernen?

Ich denke, nicht zu schnell Urteile zu fällen und Richter zu spielen, wäre ein guter Anfang.

Andere zu bewerten, egal ob es Prominente, Familienmitglieder oder Freunde sind, geschieht in unserer Gesellschaft viel zu schnell.

Kaum einer ist in seinem Wesen so klar wie der Schurke oder Held in einem Buch. In der Wirklichkeit sind wir viel facettenreicher.

Wenn wir Geschichten als Wohlfühloase nutzen und an unsere Mitmenschen nicht die gleichen Erwartungen wie an die Helden von Erzählungen richten würden, gebe es weitaus mehr Toleranz, Mitgefühl und Frieden im Miteinander.

Schreibt, lest und träumt schön!

Euer Sebastian

Neue Szene …

Liebe Leserfeundinnen und Lesefreunde,

In meiner Sammlung befindet sich ein Buch, das ich mal bis zur Hälfte gelesen habe und dann nicht wieder angerührt habe? Warum? Ehrlich gesagt kann ich das nicht sagen. Es ist ein herausragendes Buch. Vielleicht hat jedes Buch seine Zeit, und die Zeit dieses Werks ist noch nicht gekommen, aber ich verspürte den Wunsch, eine Perle herauszupicken und euch zu schenken. Es handelt sich um »Nachtzug nach Lissabon« von Pascal Mercier. Ich möchte euch einen Gedanken, einen Samen schicken, der in jedem, der Interesse hat, weiterwachsen kann. Gefällt er euch nicht? Nun, dann dürft ihr ihn entsorgen.

Nach ungefähr 17 Versuchen, per Zufall auf eine besondere Perle zu stoßen, fand ich etwas Besonderes, das mich ansprach, und das ich mit euch teilen möchte:

»… Ist nicht jeder Anblick eines Anderen und jeder Blickwechsel doch wie die gespenstisch kurze Begegnung von Blicken zwischen Reisenden, die aneinander vorbeigleiten, betäubt von der unmenschlichen Geschwindigkeit und der Faust des Luftdrucks, die alles zum Erzittern und Klirren bringt? … Ist es nicht in Wahrheit so, dass nicht die Menschen sich begegnen, sondern die Schatten, die ihre Vorstellungen werfen?«(«Nachtzug nach Lissabon«, S. 116)

Das waren die Worte von Prado, eines portugiesischen Schriftstellers, einer imaginären Figur aus »Nachtzug nach Lissabon«.

Was ist die Quintessenz? Ich werde über die Worte in den nächsten Tagen nachdenken und einen Spiegel mitnehmen, wenn ich spazieren gehe. Warum? Weil ich mich vergewissern möchte, dass mein Schatten59| nicht alleine läuft und ich ihn begleite. Ich möchte mehr sein als einen Schatten sein, wenn ich die Prüfungen dieses Lebens angehe. Hm, vielleicht könnte ich jetzt mit dem Verkauf von Spiegeln im Webshop satte Gewinne einfahren. Aber nein, das Erkennen des Ichs, des eigenen Wesens kann, so glaube ich, kann man nicht durch den Kauf eines Accessoirs bewerkstelligen.

Bis bald!

Schreibt und lest schön!

Euer Sebastian