Neue Szene …

Liebe Leserfeundinnen und Lesefreunde,

In meiner Sammlung befindet sich ein Buch, das ich mal bis zur Hälfte gelesen habe und dann nicht wieder angerührt habe? Warum? Ehrlich gesagt kann ich das nicht sagen. Es ist ein herausragendes Buch. Vielleicht hat jedes Buch seine Zeit, und die Zeit dieses Werks ist noch nicht gekommen, aber ich verspürte den Wunsch, eine Perle herauszupicken und euch zu schenken. Es handelt sich um »Nachtzug nach Lissabon« von Pascal Mercier. Ich möchte euch einen Gedanken, einen Samen schicken, der in jedem, der Interesse hat, weiterwachsen kann. Gefällt er euch nicht? Nun, dann dürft ihr ihn entsorgen.

Nach ungefähr 17 Versuchen, per Zufall auf eine besondere Perle zu stoßen, fand ich etwas Besonderes, das mich ansprach, und das ich mit euch teilen möchte:

»… Ist nicht jeder Anblick eines Anderen und jeder Blickwechsel doch wie die gespenstisch kurze Begegnung von Blicken zwischen Reisenden, die aneinander vorbeigleiten, betäubt von der unmenschlichen Geschwindigkeit und der Faust des Luftdrucks, die alles zum Erzittern und Klirren bringt? … Ist es nicht in Wahrheit so, dass nicht die Menschen sich begegnen, sondern die Schatten, die ihre Vorstellungen werfen?«(«Nachtzug nach Lissabon«, S. 116)

Das waren die Worte von Prado, eines portugiesischen Schriftstellers, einer imaginären Figur aus »Nachtzug nach Lissabon«.

Was ist die Quintessenz? Ich werde über die Worte in den nächsten Tagen nachdenken und einen Spiegel mitnehmen, wenn ich spazieren gehe. Warum? Weil ich mich vergewissern möchte, dass mein Schatten59| nicht alleine läuft und ich ihn begleite. Ich möchte mehr sein als einen Schatten sein, wenn ich die Prüfungen dieses Lebens angehe. Hm, vielleicht könnte ich jetzt mit dem Verkauf von Spiegeln im Webshop satte Gewinne einfahren. Aber nein, das Erkennen des Ichs, des eigenen Wesens kann, so glaube ich, kann man nicht durch den Kauf eines Accessoirs bewerkstelligen.

Bis bald!

Schreibt und lest schön!

Euer Sebastian