Schwäche

Liebe LeserInnen,

ein spannender Romananfang Stephen Kings inspirierte mich zu einer Schreibübung:

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»Ich war nie das, was man eine Heulsuse nennt. Meine Ex-Frau gab meinen »nicht vorhandenen emotionalen Gradienten« als Hauptgrund dafür an, dass sie mich verließ (als ob der Kerl, den sie bei den Anonymen Alkoholikern kennengelernt hatte, ganz nebensächlich wäre).« («Der Anschlag«, Stephen King, Wilhelm Heyne Verlag, München, S. 9).

Ich finde diesen Anfang aus Kings Roman genial. Gleich zu Beginn erfahre ich, dass die Hauptfigur unter der Schwäche leidet, schwer Gefühle zeigen zu können.

Wie Jake sich auf den ersten Seiten über seine Schwäche reflektiert, macht ihn für mich sehr sympathisch. Ich fühle seine Verletzung, verlassen worden zu sein und möchte mehr über ihn wissen. Wird es ihm sogar möglich, sich besser zu öffnen, oder wird er jemanden finden, der ihn so annimmt, wie er ist? Diese Figur zieht mich in den Bann. Wäre er einfach nur ein Typ, den seiner Frau sitzen gelassen hat und als aalglatter Charakter durch die Handlung stolpert, fände ich ihn langweilig und unnahbar.

Als ich das Buch aufgeschlagen und die ersten Seiten verschlungen hatte, fragte ich mich: Was ist meine größte Schwäche? Wie würde eine Erzählung verlaufen, in der ich mit Problemen der Außenwelt konfrontiert werde, um am Ende festzustellen, dass ich die Schwierigkeiten nur löse, wenn ich meine Archillisverse bezwinge?

Womöglich würde ich mich mehr trauen als in der Wirklichkeit, aber ich käme auf so manche überraschende Idee, in Lebensbereichen Fortschritte zu erzielen. Und wenn ich Wege im Kopfkino erkennen würde, gelänge es mir leichter, sie in der Realität zu zementieren.

Wagt ihr euch, eure Geschichte zu Papier zu bringen? Möglich, dass wir selbst der Protagonist sind, der unseren Makel überwindet.

Wenn ihr mehr Abstand braucht, versucht euch doch an einem Märchen oder einer Fantasy-Story mit euch als Prota. Diese Übung ist etwas sehr Persönliches, aber ich finde: Da jeder von uns der Mensch ist, der als Einziger ohne Unterlass mit sich sein Leben verbringt, dürfen wir uns das wert sein und die Story für uns selbst schreiben.

Schreibt, träumt und lest schön!

Euer Sebastian

Blutmond

Liebe LeserInnen,

mit Freunden genoss ich gestern von einer Bank aus den Sonnenuntergang, dann suchten wir die Drachenfeldwiese auf, um den Blutmond zu bestaunen. Mehr als hundert Siegener kamen auf die gleiche Idee, viele von ihnen ausgestattet mit Teleskopen, Ferngläsern und hochauflösenden Kameras.

Mehr als eine halbe Stunde sondierten wir den Himmel. Unser ärgster Gegner war eine Wolkenwand, die uns zweifeln und hoffen ließ.

Kinder spielten nach der Abenddämmerung mit Hunden, Pärchen ließen sich auf Decken nieder und aus den Gruppen war ein angeregtes und andächtiges Murmeln zu hören.

Ich kann es nicht mit Sicherheit wissen, aber ich würde eine Suppe aus meinem Lieblingscafé (Die Suppen sind dort phänomenal gut) darauf wetten, dass sich auf der Wiese an dem Abend niemand gestritten hat.

Unter den achtsamen Besuchern machte sich eine leichte Unruhe breit, wenngleich niemand seine Beobachtungsplätze verließ. Der Mond blieb verborgen.

Es reichte mir. Ich musste meine Superkräfte einsetzen. Also ging ich einige Schritte vorwärts, konzentrierte mich, streckte meinen Arm aus und rief: »Wolken, weichet!«

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Eine Frau bedachte mich mit aufmerksamem Blick und sagte: »Schön wär´s.«

Es war offensichtlich: Sie zweifelte an meinem Geisteszustand. Natürlich wusste ich es besser. Meine Arbeit war getan. Ich durfte mich des Lebens freuen und alle Viere von mir strecken, um auf die Mondfinsternis zu warten. Es war nur eine Frage der Zeit.

(Für alle, die sich Sorgen machen: Ich glaube nicht, telekinetische Fähigkeiten zu besitzen. Ich weiß, dass ich über sie verfüge. Gerade konzentriere ich mich darauf, dass die Ketchupflasche nicht vom Tisch fällt, und tatsächlich: Sie steht immer noch da. Das ist passive Telekinese ;-)).

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Meine Einwirken auf die störenden Wolken ließ nur wenige Minuten auf sich warten.

Der Blutmond erschien, und mit ihm der Mars, der rechts unterhalb rot funkelte.

Leider waren die Wolken nicht unser einziger Feind. Immer wieder fuhren Autos eine Straße in der Nähe entlang, und ihre Lampen unterbrachen einige Male unsere Freude an dem Naturspektakel.

Leider waren unsere Handykameras nicht scharf genug, um das Schauspiel einzufangen. In meiner Erinnerung nimmt diese Nacht jedenfalls einen besonderen Platz ein.

Eine Sache noch: War es bei »Interstellar« nicht so, dass Energiewesen aus der Zukunft mit den Menschen Kontakt aufnahmen?

33|Der Film »Interstellar« war bei uns in der Nacht Gesprächsthema, sodass ich zu Hause zu diesem Filmsoundtrack einschlief. Morgens checkte ich die Fotos auf meinem Handy und entdeckte dieses Foto:

Manch einer könnte meinen, es sei etwas unscharf. Aber wenn man genau hinsieht, ist zu erkennen, dass meine Konturen in Energie gehüllt sind. Eine Verschmelzung meiner Person aus der Zukunft mit mir in der Gegenwart?

(Für den Fall, dass sich jemand Sorgen macht: Das Ich der Zukunft hat mir schon oft geholfen. Wir schreiben uns regelmäßig Briefe;-) Und: Keine Sorge: Die nächste totale Mondfinsternis mit mindestens 100 Minuten Dauer wird uns erst am 26. Juni 2029 verzaubern. Bis ein Energiewesen mich wieder vor der Linse verschwimmen lässt, wird es also noch ein wenig dauern. Vielleicht passiert das dann auch nicht mehr, weil ich mit Sport und Bewegung etwas an meiner Schärfe arbeiten möchte ;-))

Schreibt, träumt und lest schön!

Euer Sebastian

Der Appell des DALEI LAMA

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Liebe LeserInnen,

im Wechsel lese ich in verschiedenen Büchern. Eines davon ist »Der Appell des DALAI LAMA an die Welt«, in dem der Fernsehjournalist Franz Alt den Buddhisten interviewt.

Ich bin Christ, glaube aber wie der DALEI LAMA, dass Weltreligionen für viel Leid verantwortlich sind, insbesondere dann, wenn sie radikal gelebt werden. Und ich finde es spannend, die Perspektive des DALEI LAMA kennenzulernen.

»Die Hauptursache für Kriege und Gewalt sind unsere negativen Emotionen. Diesen geben wir zu viel Raum und unserem Verstand und unserem Mitgefühl zu wenig. Ich schlage vor: Mehr zuhören, mehr nachdenken, mehr meditieren. Mit Mahatma Gandhi meine ich: ›Wir müssen selbst die Veränderung sein, die wir in der Welt zu sehen wünschen.‹«[DALEI LAMA, Franz Alt, »Der Appell des DALEI LAMA für eine säkulare Ethik und Frieden«, S. 11, 13. Auflage, Benvento Publishing].

Eine wertvolle Botschaft, wie ich finde. Wir glauben oft, etwas zu verändern, indem wir den Finger auf andere richten, dabei könnten wir viel mehr erreichen, wenn jeder von uns zuerst auf sich zeigen würde. Oft sind es die kleinen Veränderungen in uns, die Besonderes bewegen. Sie mögen von anderen kaum bemerkt werden, was aber nicht die Bedeutung unserer kleinen Schneebälle schmälert. Unser Herz würde es uns danken.

Oftmals lenken anklagende Äußerungen über andere von eigenen Problemen ab und verursachen Streit und sogar Kriege.

Ich stehe voll und ganz hinter der Aussage des Religionsführeres, dass wir nur Frieden »… mit uns, zwischen uns und um uns herum …« finden, wenn wir selbst zum inneren Frieden gelangen [S.11].

Das Buch umfasst weniger als 60 Seiten und schenkt seinen Lesern erfrischende Perspektiven.

Obwohl ich Christ bin, habe ich keine Angst vor anderen Glaubensrichtungen. Viele Werte aus dem Buch ähneln christlichen Werten, an denen ich mich orientiere.

Ich bin einer von Milliarden und kann nicht wissen, ob meine Überzeugungen die richtigen sind. Schon allein deswegen halte ich meinen Geist offen und begegne anderen Meinungen mit Respekt, sofern sie nicht die Würde von Menschen angreifen.

In einem früheren Blogbeitrag ging ich der Frage nach, ob ein Autor die Welt verändern kann. Einige Schlussfolgererungen ähneln diesem Beitrag (http://tintenkuenstler.de/kann-ein-autor-die-welt-veraendern/).

Schreibt, träumt, und lest schön!

Euer Sebastian

Kompass

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Liebe LeserInnen,

manchmal lass ich mich von Mutmachkarten inspirieren «Total aus dem Häuschen, Gute-Laune-Karten für jeden Tag« – Amazon-Link). Vor einigen Tagen zog ich eine mit dem Spruch:

»Es ist egal, wohin du gehst. Hauptsache, die Richtung stimmt.«

Ich erinnere mich noch gut an jenen Tag der zehnten Klasse, an dem die Klassenlehrerin uns eine ungewöhnliche Aufgabe auftrug:

Wir mussten aufschreiben, was wir in fünf Jahren erreichen wollten. Öffnen durften wir den Brief erst, ihr ahnt es schon, fünf Jahre später. Ich weiß, dass es Menschen gibt, die es lieben, sich konkrete Ziele zu setzen. Ziele verleihen ihnen Kraft und Motivation.

Nun gibt es noch einen anderen Menschenschlag: Jene kreativen Geister, die wissen, für welche Werte sie leben und was sie mit Leidenschaft füllt, ohne dabei klare Ziele zu formulieren.

Was meinen damaligen Brief an mein späteres Ich angeht, hatte sich einiges erfüllt. Ich machte Abitur und begann eine kaufmännische Ausbildung. Erst viel später fand ich heraus, dass es gar nicht meine eigenen Wünsche waren, die in dem Brief standen.

Schließlich beendete ein Zusammenbruch meine Pläne. Der Zusammenbruch hatte zwar nichts mit meinen gesteckten Zielen zu tun, aber das Beispiel zeigt ganz gut, dass es im Leben oft anders kommt, als man denkt.

Was das Schreiben angeht, hatte ich vor langer Zeit kleine Essays für eine Zeitschrift geschrieben, in der Menschen mit seelischen Erkrankungen zu Wort kommen. Wie so mancher weiß, bin ich selbst Betroffener.

Damals wimmelte es in meinen Texten von Fehlern, sowohl grammatikalischer als auch stilistischer Art. Ich hatte niemals geplant oder mir zugetraut, anderen bei der Überarbeitung und Korrektur von Romanen und Geschichten zu helfen, und doch mache ich das heute von Zeit zu Zeit.

Neben einem geheimen Glücksprojekt und meinem Roman lauern in meiner Schublade Ideen, die mir früher nie entsprungen wären.

Der Weg ist für mich das Ziel, das Schreiben selbst der Sinn, drum lass ich mich fröhlich treiben und verurteile mich nicht, wenn Projekte zum Erliegen kommen und neue dazu stoßen.

All das, was wir schippernd aus dem Fluss des Lebens fischen, ist vergänglich. Was wir aber am längsten genießen können, ist die Reise selbst. Weil Ziele so vergänglich sind, genieße ich meinen Weg und halte das fest, was am längsten währt: Achtsame Momentaufnahmen einer mystischen Erkundung, bei der mein Herz der Kompass ist.

Schreibt, träumt und lest schön!

Euer Sebastian



Schlossparkinterview

Liebe LeserInnen,

gestern hat mich der Journalist Peter Heuchemer, Referent des SOUL LALA – Projekts, in Siegen besucht.

Wir kehrten in meinem Lieblingscafé ein, redeten über den Alltag, unsere Gesellschaft, und darüber, wie wir die Welt sehen.

Später schlenderten wir durch den Schlosspark, wo er mich interviewte.

Peter Heuchemer befragte mich über meine seelische Erkrankung, über das, was mich heute stärkt, und die spannendste Frage für mich war, was ich jungen Menschen in psychischen Krisen raten würde.

Aber ich will nicht zu viel verraten.

Sobald das Interview auf www.soullala42|.de online ist, teile ich es gerne mit euch.

Es lohnt sich, vielleicht auch deswegen, weil sich noch viele Vorurteile über psychische Erkrankungen im Umlauf befinden.

Natürlich ist es schwer, Menschen in Krisen zu verstehen – wenn man sich nicht in die Leidtragenden hineinversetzen kann. SOUL LALA trägt dazu bei, dass das besser klappt.

Ich bin dankbar für das Interesse an meinen Erfahrungen und Gedanken.

Als Betroffener einer seelischen Erkrankung liegt es mir am Herzen, Vorurteile abzubauen, Empathie zu wecken und aufzuklären.

Ich möchte aus sauren Früchten Limonade machen, und somit meine Erlebnisse in etwas Positives für andere verwandeln.

Ein großen Dank an Peter Heuchemer für das spannende Interview und den wundervollen Nachmittag!

Schreibt, lest und träumt schön!

Euer Sebastian

Mit Buckelwalen geträumt

58|Liebe LeserInnen,

gut geschlafen? Plagen euch manchmal Gedanken, die euch beim Einschlafen hindern?

Habt ihr Haustiere? Beruhigen sie euch mit ihren Schlafgeräuschen? Eine Freundin sagte mir gestern, dass das Schnurren von Katzen sehr beruhigend sei und beim Einschlafen helfe.

Es gibt einen Audible-Podcast namens »Träumende Tiere«, für den eine Biologin und Fernsehjournalistin die Geräusche schlafender Tiere aufgezeichnet hat. Sie erzählt erst davon, was an den Tieren so faszinierend ist, und im zweiten Teil darf man ihnen dabei zuhören, wie sie die Traumwelt erobern.

Gestern lauschte ich dem Atem von Buckelwalen. Es dauerte keine zwei Minuten, und ich war eingeschlafen. In dem Podcast glänzen auch Labradore, Kängurus und Lippenbären mit träumenden Auftritten.

Der Schlaf ist unsere bedeutendste Quelle, Energiereserven aufzufüllen.

Was hilft euch beim Einschlafen?

Schreibt, lest und träumt schön!

Euer Sebastian

Reframing

58|
Liebe LeserInnen,
 
»Reframing« ist ein Begriff aus der Psychologie, der mich zu einem Gedicht inspiriert hat, dass ich euch als Geleit mitgeben möchte:
 
 
 
 
 
Düstere Wolken lassen es über dir regnen,
verdunkeln all das,
was du siehst.
 
Etwas Unsichbares presst dich
in eine Welt
aus Dunkelheit.
 
Du breitest deine Arme aus
und ertastest einen Rahmen,
der die Größe
deiner Welt
bestimmt.
 
Gebeugt von der
immer enger werdenden
Begrenzung
drückst du dich ihr
mit Kampfeswillen
entgegen
und plötzlich
veränderst du etwas,,
siehst Vogelschwärme
und klaren Himmel,
dort,
wo eine schwarze Umrandung
das Antlitz der Sonne
verborgen hatte.
 
Je weiter du den Rahmen nach außen schiebst,
desto vielfältiger und bunter
leuchtet dein Leben
und das,
was du darin
siehst,
denkst und
fühlst.
 
Dankbarkeit.
 
©Sebastian Domke 2018
 
Beim Reframing geht es darum, Erinnerungen an Erlebnisse zwar nicht zu verändern, aber dafür anders zu bewerten.
Ich nenne jetzt mal ein unverfängliches Beispiel:
Im letzten Sommer funktionierte plötzlich mein Notebock nicht mehr. Alle Texte, an denen ich arbeitete, waren darauf gespeichert.
Ich hätte mich stunden-, tage- oder eine Woche darüber aufregen können.
Stattdessen erkannte ich die Chance, das Schreiben mit der Hand wiederzuentdecken, so entstand unter dem Kirschbaum im Garten, angelehnt an den Baumstamm, eine Szene von »Mondscheintanz«, meinem Romanprojekt.
Mein Kopf wurde freier und ich besann mich auf das Wesentliche.
Eine durchweg positive Erfahrung.
Aber nur, weil ich meinen Rahmen mit den Blick auf positive Bewertungen eines negativen Ereignisses erweitert habe.
Natürlich gelingt mir das nicht immer, und ich weiß, dass es schlimme Ereignisse gibt, die man erstmal überhaupt nicht beschönigen kann. Oft genug war ich selbst in negativen Gedankenspiralen gefangen, um das zu wissen.
Aber allein die Möglichkeit, nach postiven Aspekten Ausschau zu halten, kann helfen, etwas zu verändern. Und ich habe das Gefühl, dass Reframing erlernbar ist (auf mich warten noch unzählige Stunden auf der Übungsmatte).
 
Lest, schreibt und träumt schön!
 
Euer Sebastian

Interview mit Autorin Claudia Gogolin

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Liebe Leserinnen und Leser,

heute möchte ich euch einen besonderen Interviewgast vorstellen: Claudia Gogolin.

Sie ist Quatschkopf, liebenswerte Chaotin und verwandelt Betonwüsten in flauschige Löwenzahndecken. Ihr innigster Wunsch ist es Farbe in unsere graue Welt zu sprühen. Da ist es nicht verwunderlich, dass sie zu ihren Kindergeschichten eigene Zeichnungen anfertigt. Sie ist nicht nur Fantasy- und Kinderbuchautorin, seit einem Jahr ist sie mir Schreibbuddy und gute Freundin zugleich.

Ich hatte die Ehre, sie bei Korrekturen ihres neuesten Buches »Lana Minzeblatt – Die kleine Zottelelfe aus dem Kräutergarten« zu unterstützen.

Nun ist es allerhöchste Zeit, dass ich sie mit euch bekannt mache:

Liebe Claudia, wann bist du auf die Idee gekommen Geschichten zu schreiben?

Hey Butterblumenkönig! Erst mal danke, dass ich hier sein darf. Ich hoffe, du bist mir jetzt nicht böse, dass ich deinen Undercovernamen verraten habe. Was es mit dem Namen auf sich hat, darfst du gerne ein anderes Mal den Lesern erklären. Nun stelle ich dir zuerst eine Gegenfrage. Wann hast du begonnen zu atmen?

Jeder Mensch wird mit einer Gabe geboren. Manch einer kann super tanzen oder singen. Ich kann nicht singen und tanzen, also, das lassen wir mal lieber. Dafür kann ich Geschichten erzählen. Ich schenke der Welt aufgeschriebene Träume. Träume, die in andere Welten entführen, zum Nachdenken anregen oder ein Lächeln schenken. Es gibt viele Geschichten, die erzählt werden möchten. Große, kleine, laute, leise Geschichten, die zu Tränen rühren und welche, die Mut machen.

Worum ging es in deiner ersten Erzählung?

Dein Ernst? Oh Gott, das ist schon so lange her. Meine erste richtige Geschichte war eine Horrorgeschichte, in der eine Hand aus dem Klo kroch und den Professor in die Tiefe ziehen wollte (Kreisch, bei dem Gedanken liege ich immer noch auf den Boden und krümm mich vor lachen.) Wäre bestimmt witzig, diese wieder rauszukramen und neu zu verarbeiten.

Wie würdest du einem Lesemuffel Bücher schmackhaft machen?

In dem ich Erdbeerduft reinsprühe. Nee im Ernst, ich denke, man muss den Menschen etwas Wertvolles schenken. Für mich bedeutet das Zeit und Reisen. Das Leben wird immer schneller und teurer. Was gäbe es da Besseres, als eine spannende Reise in fremde Welten? Zudem wollen die Leser animiert werden. Sie möchten aktiv in den Abenteuern mitwirken. Zumindest glaube ich das. Ich baue gern Leseraktivitäten in meine Bücher ein.

Was sind deine drei Lieblingsbücher?

Oh das wird schwer. Ich habe einige Lieblingsbücher. Ich muss mich wirklich auf Drei beschränken?

Na dann, spitzt die Ohren.

1. »Werde verrückt« von Veit Lindau

2. »Wie Monde so silbern« (ich liebe diesen Fantasy)

3. »Entfessle deine Kreativität« von Pam Grout

4. »Wer hat mir auf den Kopf gekackt« (oh gemacht muss das heißen ha, ha)

Was ist für dich die wichtigste Botschaft, die du als Autorin in die Welt tragen möchtest?

Muss es immer eine Botschaft sein? Darf man nicht einfach unterhalten und kleine Auszeiten schenken? Hey, nehmt das Leben nicht so ernst! Seid glücklich und freut euch!

Welches Buch würdest du dem Präsidenten der Vereinigten Staaten zum Lesen vor die Nase setzen? Begründe bitte deine Antwort.

Das ist eine sehr gute Frage. Aber auch eine gemeine. Als Person der Öffentlichkeit sollte man eigentlich nicht über Politik reden. Wer weiß, nachher stehen bei einer falschen Antwort Männer in schwarzen Anzügen vor der Tür. Das könnte gefährlich werden. Auf der anderen Seite, was ist das Leben ohne Risiko? Genau, grau und fad.

Hier kommt meine Antwort. Ich würde dem Präsidenten der Vereinigten Staaten den »Dalai Lama« zum Lesen geben.

Wenn du in einer Stadt leben würdest, in der das Schreiben verboten wäre, es kein Papier und keine Stifte geben würde, sondern nur ein Stück Kreide in deiner Hosentasche und eine Mauer mit Platz für 100 Wörter: Was würdest du auf die Backsteine schreiben?

Wenn das Schreiben verboten wäre, könnten die Bewohner die Nachricht dann überhaupt lesen? Ich glaube, ich würde Löwenzähne auf die Mauer zeichnen und nur ein einziges Wort schreiben. Dieses lautet: Träumt!

Als Symbol, dass alles möglich ist. Man darf nur nicht aufgeben.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Kindergeschichten zu schreiben?

Das hat sich einfach so ergeben. Mit Liebesromanen kann ich nicht wirklich was anfangen und ich bin selbst ein Kindskopf. Da liegt es doch sehr nahe, irgendwann eine Kindergeschichte zu schreiben. Außerdem sind die Kinder von heute die Erwachsenen von morgen. Es ist unsere Pflicht, ihnen Träume und Geschichten zu schenken. Sie brauchen diese, um sich zu entfalten und zu erblühen. Schließlich wollen wir in der Zukunft keine stumpfsinnige Masse. Sondern leuchtende, kreative und glückliche Menschen. Kinder brauchen Geschichten für die Seele. Sie vermitteln ihnen Nähe und Geborgenheit. Sie schenken ihnen Zeit. Ein viel zu selten gewordenes Gut in dem heutigen stressüberladenen Alltag.

Fass bitte mit wenigen Sätzen zusammen, worum es in deinem Kinderbuch »Lana Minzeblatt und die kleine Zottelelfe aus dem Kräutergarten« geht.

Es geht um Freundschaft, Familie und Mut. Es geht darum, sich sein eigenes Bild zu machen, ohne sich der Versuchung von Vorurteilen hinzugeben.

»Lana Minzeblatt« ist ein besonderes Abenteuer – direkt vor unserer Haustür.

An welchem Buchprojekt arbeitest du zur Zeit?

An ganz, ganz vielen. Die Überarbeitung von Lucy. Und einem Fantasyroman, Kinderbücher dürfen natürlich auch nicht auf der Strecke bleiben. Und ich arbeite mit einem lieben Freund an einem Geheimprojekt über das Glücklichsein.

Worin besteht das Geheimnis deiner Kreativität?

Ich versuche, jeden Tag als etwas Besonderes zu sehen und die Welt bunt zu färben. Dazu gehört es, Neues auszuprobieren, in die Natur zu gehen und in Pfützen zu springen.

Hauptsache nicht langweilig. Und ja nicht in ein Schema der Allgemeinheit pressen lassen.

Wie würdest du einen schreibfaulen Partyhengst davon überzeugen, eine kleine Geschichte zu verfassen?

Ich würde ihm eine Sprachapp aufnötigen und sagen: »Sprich!« Nein, quatsch. Man müsste ihm einen Anreiz bieten. Vielleicht würde ich ihn eine Geschichte über eine mega Party erzählen lassen, mit dem Anreiz, diese danach Wirklichkeit werden zu lassen. Mit einer Bedingung. Die Geschichte darf alles sein, nur nicht langweilig. Ich würde ihn anhalten, mit geschlossenen Augen »Sex on the beach« zu trinken und zu beschreiben, wie es sich auf der Zunge anfühlt. Welche Bilder er bei dem Namen sieht. Wie der Drink riecht und und und. Beim Schreiben ist es wichtig, alle Sinne einzusetzen. Möchtest du über Monster schreiben, musst du die Angst spüren. Schreibst du über einen Geheimagenten, zieh dich an wie einer und laufe durch die Stadt. Bist du ein Superheld, springe aus dem Flugzeug. Versteht ihr, was ich meine? Man kann nur über das schreiben, was man fühlt und nachvollziehen kann.

Welche Frage wünschst du dir sehnlichst in einem Interview gestellt zu bekommen?

Ach das ist einfach. »Möchtest du zu einer Wohnzimmerlesung zu mir kommen?«

Klar möchte ich das;)

Vielen Dank für das inspirierende und spannende Interview!

Ich habe zu danken. Zum Abschluss habe ich noch eine kleine Aufgabe für euch. Nehmt ein Blatt Papier. Es sollte ein besonderes sein. Vielleicht aus Leinen oder ein handgeschöpftes. Dann schreibt einen Brief an euch selbst. Egal, wie. Schreibt zum Beispiel, was ihr fühlt. Wofür ihr dankbar seid. Oder was ihr euch wünscht. Schreibt etwas Tolles über euch. Das ist wirklich wichtig. Der Brief muss positiv sein. Schreibt, was ihr an euch mögt und liebt. Worauf ihr stolz seid. Und dann gebt ihn einer euch vertrauten Person. Diese soll ihn genau ein Jahr später an euch abschicken.

Ihr werdet erstaunt sein, wenn ihr ihn wieder in der Hand halten werdet. Es ist ein tolles Gefühl. Es ist ein kleines Stück vom Glück.

30|Wenn ihr Interesse habt, eure Kinder oder die eurer Freunde mit Lana zu infizieren, könnt ihr das Buch über den CHERRYTEA VERLAG oder AMAZON beziehen.

Von jedem Buchverkauf werden 1,50 Euro für krebskranke Kinder gespendet.

In “Lana Minzeblatt – Die kleine Zottelelfe aus dem Kräutergarten” fehlt es nicht an Überraschungen. Es gibt Mitmachaufgaben, und alle Kinder, die Limonade lieben, kommen auf ihre Kosten. Denn Claudia hat das Buch mit etwas Besonderem abgerundet: Mit dem Rezept »Lanas Kräuterlimonade für Zottelelfenpower«.

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Auffällig sind in dem Buch neben der berührenden Geschichte die liebenswürdigen Zeichnungen der Illustratorin Katharina Sato.

Claudia ist auch begabt darin zu zeichnen und hat für das Buch zwei Bilder angefertigt, die ich euch gerne zeigen möchte:

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Schreibt, lest und träumt schön! (Und wenn ihr euch in einen Kräutergarten träumt, wisst ihr, was ihr zu tun habt, nachdem ihr wachgeworden seid ;-))

Euer Sebastian

Ein verdammt guter Grund zu lesen

58|Liebe LeserInnen,

immer mal wieder lese ich in »Story«, einem Buch übers Drehbuch schreiben. Für mich ist es als Romanautor interessant, weil ich von Filmszenen und -charakteren Spannendes lernen kann. Heute bin ich auf einen verdammt guten Grund gestoßen, Romane zu lesen.

Robert McKee sagt: »Eine Figur ist ein Kunstwerk, eine Metapher für die menschliche Natur. Wir sprechen von Figuren, als seien sie echt, doch sie sind der Wirklichkeit überlegen. Ihre Eigenschaften werden als klare und erkennbare entworfen; unsere Mitmenschen hingegen sind schwer zu verstehen, um nicht zu sagen rätselhaft. Wir kennen Figuren besser als unsere Freunde, denn eine Figur ist ewig und unveränderlich, während echte Menschen sich ändern – wenn wir glauben, wir verstünden sie, verstehen wir sie nicht. In der Tat glaube ich, ich kenne Rick Blain in Casablanca besser als mich selbst. Rick ist immer Rick. Ich bin ein bißchen komisch.« (McKee, Robert, STORY, die Prinzipien des Drehbuchschreibens, S. 403)

Das Verhalten von Freunden und Fremden zu deuten, um deren Persönlichkeit zu verstehen, misslingt uns öfter, als wir wahrhaben wollen. Selbst dann, wenn wir diese Menschen gut kennen. Menschen sind vielschichtig, so komplex, dass sie sich mitunter selbst nicht verstehen. Wenn wir Romane lesen oder Filme schauen, bieten wir unserem Kopf beim Tauchen in andere Welten Urlaub, umgeben von Charakteren, die wir begreifen. Das gibt Sicherheit.

Was kann man aus dem Kontrast fiktionaler und realer Figuren lernen?

Ich denke, nicht zu schnell Urteile zu fällen und Richter zu spielen, wäre ein guter Anfang.

Andere zu bewerten, egal ob es Prominente, Familienmitglieder oder Freunde sind, geschieht in unserer Gesellschaft viel zu schnell.

Kaum einer ist in seinem Wesen so klar wie der Schurke oder Held in einem Buch. In der Wirklichkeit sind wir viel facettenreicher.

Wenn wir Geschichten als Wohlfühloase nutzen und an unsere Mitmenschen nicht die gleichen Erwartungen wie an die Helden von Erzählungen richten würden, gebe es weitaus mehr Toleranz, Mitgefühl und Frieden im Miteinander.

Schreibt, lest und träumt schön!

Euer Sebastian

Der Baum in mir

58|Liebe LeserInnen,

viele gute Gedanken kommen mir bei Spaziergängen:

Wenn ich schwach bin, bin ich schwach. Wenn ich stark bin, bin ich stark. Ich darf so sein, wie ich gerade bin. Das macht mich glücklich.

Ein weiser Mann sagte mal zu mir: »Ich habe den Eindruck, dass das Schreiben wie ein Baum in Ihnen gewachsen ist, der immer weitere Äste schlägt, und Sie selbst dann stabilisiert, wenn tragende Säulen wegbrechen.« Es ist lange her, dass ich diese Worte hörte. Aber erst jetzt wird mir deren Bedeutung und Ausmaß bewusst. Oft habe ich das Gefühl, dass mir das Schreiben geholfen hat, mich selbst besser anzunehmen. In mir pulsiert das Gefühl, dass ich erst am Anfang stehe. Bezaubernde Textschätze liegen vor mir und warten darauf, gehoben zu werden. Um diese Erfahrung zu machen, muss man nicht viele Bücher lesen. Füller und Briefpapier reichen.

Lest, schreibt und träumt schön!

Euer Sebastian