Schmetterlingsphilosophie

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Liebe LeserInnen,

ein Schneeballtext beginnt mit einem Satz, bestehend aus einem Wort. Jeder Satz wird um ein Wort länger, bis er acht Wörter umfasst. Danach wird der Schneeball wieder kleiner, es folgt ein Satz mit sieben Wörtern, einer mit sechs, bis zum letzten Satz, der wieder ein Wort lang ist. Grammatik spielt dabei keine Rolle. Auch Zeilenumbrüche sind nicht erforderlich.

Ich wünsche euch einen wunderbaren Sonntag und schenke euch meinen ersten Schneeball:

Sonntag. Resümee ziehen. Seele baumeln lassen. Kopf leeren, sorgfältig auffüllen. Vorfreude, weitere Fortschritte zu machen. Als Autor, als Mensch, als Weltverbesserer. Was gibt es Neues zu entdecken, Welt? Ich will meine Komfortzone verlassen und mich entfalten. Der Kokon ist nicht Gefängnis, sondern Kraftraum. Ich baue Muskeln auf, durchdringe Wand. Kräftige Flügelschläge tragen mich empor. Den Kokon behüte ich. Für kraftraubende Gefahren. Als Rückzugsort. Schmetterlingsphilosophie.

Wollt ihr es auch mal versuchen?

Träumt, lest und schreibt schön!

Euer Sebastian

Handschrift

Liebe LeserInnen,

zur Zeit bin ich von einer Spracherkennungssoftware begeistert; das Aufsprechen gelingt überraschend gut. Aber, selbst wenn in ein paar Jahren ein Programm auf dem Markt käme, das meine Gedanken ausliest, würde es sich allenfalls um eine Ergänzung zum Schreiben mit der Hand handeln.

Denn: Wenn ich zu lange nicht mit der Hand schreibe, sehne ich mich nach meinem Füllfederhalter und der sinnlichen Erfahrung, zu hören, wie die Feder berhuigend über das Papier gleitet. Manchmal benutze ich Tinte, die nach Schokolade riecht, für einen Schriftsteller, der die Sinne der Leser ansprechen und abnehmen möchte, ist das nicht die schlechteste Quelle der Inspiration.7

Wenn ich mit der Feder Gedanken und Gefühle fließend aufs Papier zaubere, wird meine Seele zu einem kraftspendenden Bach, der sachte vor sich hin plätschert. So zu schreiben, ist Achtsamkeit und entschleunigende Meditation.

58|Träumt, lest und schreibt schön!

Euer Sebastian

SOUL LALA – Es ist normal, verschieden zu sein.

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Liebe Leserinnen und Leser,

»Wie geht es eurer Seele, was hält sie fit und was lässt sie in Krisen fallen?«

Dieser Frage geht das Projekt SOUL LALA nach, um sie mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu diskutieren. (www.soullala.de)

Ziel von SOUL LALA ist es, gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit psychsichen Behinderungen voranzutreiben sowie Vorurteile und Barrieren abzubauen.

Das Motto: »Es ist normal, verschieden zu sein.«

Ich selbst bin zweimal akut an Schizophrenie erkrankt und habe in den letzten zwanzig Jahren gelernt, mit den Begleiterscheinungen dieser Erkrankung zu leben. Dank vielfältiger, wertvoller Erfahrungen eignete ich mir Strategien an, mit denen es mir gelungen ist, mich zurück ins Leben zu kämpfen.

Vor Krisen kann ich nie sicher sein, aber ich verstehe immer besser, mit ihnen umzugehen.

Das Schwierige an psychischen Erkrankungen ist, dass man sie oft nicht so leicht erkennt wie z. B. ein gebrochenes Bein an einem Gips. Unsichtbare Einschränkungen sind schwer greifbar, und viele Menschen laden diese Unsicherheit mit Vorurteilen auf.

Wir Menschen sind komplexe, vielschichtige Wesen. Jeder Mensch besitzt kranke und gesunde Anteile, in Fachkreisen wird diese Perspektive als Salutogenese, als Entstehung und Erhaltung von Gesundheit, oder Pathogenese (Entstehung und Entwicklung von Krankheit) bezeichnet.

Es ist leicht, vorschnell zu urteilen und mit dem Finger auf Menschen zu zeigen, bei denen etwas diagnostiziert wurde. Man sollte sich mal Gedanken darüber machen, welchem Zweck Diagnosen dienen. Sie helfen, Symptome einzuorden, um mit angemessenen Therapien und Medikamenten zu helfen, im Grunde sind sie ein Hilfsmittel der Mediziner, Krankenkassen und der Pharmaindustrie, aber sie sind eben kein Code, an dem man bemerkt, wer sich dahinter verbirgt.

Jedem Menschen mit einem gewissen Maß an Lebenserfahrung könnte man einen Diagnoseschlüssel verpassen, wenn man nur lange genug stochert. Nur sind Menschen, die sich öffentlich bzw. in ihrem Umfeld zu ihren Schwächen bekennen, erst mal auf dem Präsentierteller und somit angreifbar.

Je mehr Menschen zu ihren Einschränkungen stehen, desto aufgeschlossener wird sich die Gesellschaft verhalten.

Schwächen degradieren Menschen nicht, sie werten sie auf, denn oft sind es die Schwächen, die Menschen sympathisch machen. Als Autor weiß ich das nur zu gut. Schon mal ein Buch mit einem Helden gelesen, der frei von Makeln ist? Ich würde mich nicht wundern, wenn ihr es weggelegt habt.

Weil es nun mal meine Passion ist, Texte zu erschaffen und mit Lesern zu teilen, kämpfe ich gegen Vorurteile und Schubladendenken und für Empathie.

Drum beteilige ich mich an dem Projekt SOUL LALA, für das ich bisher zwei Beiträge veröffentlicht habe:

https://soullala.de/die-freude-ueber-das-wirken-des-sonnenwirbels-in-meinem-kopf/

https://soullala.de/eine-liebesbeziehung-der-besonderen-art/

Ich wünsche euch einen entspannten Sonntag!

Schreibt, lest und träumt schön!

Euer Sebastian

Die Sache mit den Socken

Liebe Träumer,

Der Film »Forrester – Gefunden« über den zurückgezogenen Schriftsteller Forrester, der einen begabten Jugendlichen fördert, wirkt auf mich inspirierend. Auf die Frage seines Schützlings, warum Forrester die Socken links rum trage, antwortet der Autor: »Weil Socken eine Fehlkonstruktion sind. Die Nähte sind innen. Das drückt auf die Zehen …«

Das veranlasste mich, sie auch mal andersherum zu tragen. Ohne die Aussage hätte ich den Unterschied kaum gespürt, aber ich jetzt fühlen sich meine Socken auf der Haut ein wenig bequemer an.

Ein Gedanke beschäftigt mich:

Warum bin ich nicht schon selbst zu dieser verblüffende Erkenntnis gelangt?

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Der Film ist u. a. mit Sean Connery hervorragend besetzt und nicht nur für Schreibbegeisterte interessant.

Die Story erinnert ein wenig an »Good will hunting«, einen Film mit Robin Williams und Matt Damon, der mich ähnlich begeistert.

Und jetzt frage ich euch: Seit ihr bereit für die Revolution und die Sockennähte außen zu tragen?

Ich verdenke euch nicht, falls ihr zögert. Vielleicht sehen wir uns ja eines Tages in der Stadt und zwinkern uns zu, wenn ein hochgerutschtes Hosenbein den Blik auf die Nähte freigibt 😉

Träumt, lest und schreibt schön!

Euer Sebastian

Himmelswunder

Liebe Welt,

heute berichte ich dir von einem Wunder:

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Der Liegestuhlnachmittag im Garten besitzt einen Schönheitsfehler. In rein musikalischer Form.

Trübe Wolken steigen in mir auf. Das rhythmische In-die-Hände-Klatschen eines Nachbarn dringt an meine Ohren. Im Takt zu Schlagermusik, die ihn, wie es scheint, in eine andere Welt gebeamt hat.

Die Beats erschweren mir die Verbindung zur Natur.

Ich versuche mich im Lesen einer Biografie, nach weiteren Minuten Ballermann-Musik entfleucht meinem Mund ein missmutiger Seufzer, und ich stopfe mir Stöpsel ins Ohr, um der Ich-find-Schlager-toll-Luftraumbeschallung Einhalt zu gebieten. Mit dem neuen Album von DJ Paul Kalkbrenner.

Der klare Himmel schenkt mir das Gefühl der Unendlichkeit.

Tief atme ich dreimal durch und entspanne mich. Die sanften Technobeats übertünchen nicht nur den Krach des Typen von nebenan, sie verbreiten in mir sogar eine chillige Stimmung.

Es gelingt mir, Zugang zu Lektüre zu finden.

Geschafft, auf ins Leseabenteuer.

Überfallartig landen Tropfen auf meiner Stirn. Fassungslos starre ich in den Himmel, verenge die Augen, aber ich vermag keine Gebilde von weißen Dinosauriern, Meerjungfrauen oder Piratenschiffen zu erkennen.

Die winzigen Kleckse in der Himmeldecke erinnern eher an Schaumkronen als an eine Wolkenbruchgefahr.

Ein weiterer Schwall des kühlen Nasses plätschert auf mein Gesicht.

Ich erstarre. Das ist unmöglich. Mein Blick wandert noch mal zum Himmel. Nichts zu sehen von regenfähigen Wolken. Um eine Erklärung ringend widme ich mich den Fenstern. Geschlossen. Das war definitiv kein Nachbar.

So langsam fühle ich mich, als sei ich Entdecker eines unerklärlichen Himmelswunders. Der Regen, der aus dem Nichts über mich kommt.

Misstrauisch lass ich meinen Blick die Häuserwand hochgleiten.

Ich entdecke den Übeltäter:

Eine Amsel, die sich in der Regenrinne austobt wie ein Kind in einem Planschbecken und ihr Federkleid schüttelt, jedes Mal Wasser in meine Richtung befördernd.

Also doch ein Wunder des Himmels. Netter Zaubertrick, lieber Gott!

Wenn ich mir allerdings die Wandziegel näher betrachte, habe ich verdammt viel Glück gehabt, denn die Vogelkacke, die daran heftet, hätte auch mich treffen können.

Lest, schreibt und träumt schön!

Euer Sebastian

Wohlfühlgedichte

Liebe Welt,

die Lesemuffel unter euch dürfen meinem youtube-Video folgen, wenn sie mögen:
https://www.youtube.com/watch?v=n1yc3oZybUo&t=8s

Anstrengend. Strukturiert. Ordentlich. Zusammenhängend. Überlegt.

Das verbindet ihr vielleicht mit dem Lesen und Schreiben, wie ihr es aus der Schulzeit kennt.

Gemeinsam mit der befreundeten Autorin Claudia Gogolin führte ich eine Schreibübung durch, mit der wir euch zeigen werden, dass Schreiben auch aufregend und lustig sein kann.

Wir haben uns fünf Wohlfühlwörter aufgeschrieben, die wir mögen. Dazu bildeten wir passende Reime.

Dabei war es egal, ob es sich um Haupwörter, Verben und Adjektive handelte.

Anschließend bastelten wir aus den Reimpaaren ein Gedicht.

Hier das Ergebnis unseres »Klubs der lebendigen Gedichte.«

Ich beginn mit meinen Wohlfühlwörtern und meinem Gedicht, weil ich das beste, Claudias Beitrag, für den Schluss aufheben möchte: -)

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Und nun kommt die Krönung, Claudias Beitrag unserer heutigen Club-Sitzung.

(Aufgrund des Schriftbildes könnte man mutmaßen, wer von uns beiden chaotischer ist, nur lasst euch nicht von Claudias Schönschreibkunst täuschen; -))

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Kitzelt es euch schon unter den Fingern? Wann schreib ihr euer erstes Wohlfühlgedicht?

Schreibt und lest schön!

Euer Sebastian

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Warum ich schreibe

59|Liebe Welt,

den Text aus dem YouTube-Vido, warum ich schreibe, hatte ich noch um ein paar Gedanken ergänzt, sodass ich beschloss, den vollständigen Text in meinem Blog zu veröffentlichen. Viel Spaß! 🙂

Als Mensch bin ich ein Teil der Geschichte, ein winziges Partikel auf einem endlos wirkenden Zeitstrahl mit ungewissem Ausgang.

Ebenso, wie ich einstecken muss, erhellt Lebensfreude von Zeit zu Zeit mein Inneres wie eine Lichterkette aus 1000 Laternen eine dunkle Stadt.

Schaue ich zurück, sehe ich schmerzhafte Erinnerungen wie auch grenzenlose Fröhlichkeit. Beides wird mich auch in Zukunft erwarten.

Dem zu trotz bin ich kein alterndes Opfer der Zeit, denn als Autor darf ich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beliebig wahrnehmen, sie sogar miteinander tanzen und verschmelzen lassen.

Mit einem Füller reinige und poliere ich die Oberfläche, die Hülle um meine Seele, um sie schließlich als farbprächtiger Löwenzahn zu durchdringen. Meinem Inneren verleihe ich so eine kräftige Stimme. Eine Stimme, die ich annehme und liebe. Eine Stimme, die unhörbar und leise und trotzdem mitteilsam und laut sein darf.

Eine Stimme, die manchmal kaum jemand hören darf oder will, die aber in anderen Momenten wie ein Feuerwerk leuchtender Buchstabenkleckse berühren, schockieren, irritieren und faszinieren kann.

Die Welt mag diese Vielfalt nicht immer aushalten wollen. Manchmal wird sie die Nase rümpfen, manchmal lächeln, manchmal mitfühlen – alle Reaktionen sind denkbar.

Wer mich und meine Worte immer mit gleicher Wertschätzung und unerschütterlichem Respekt annehmen wird, ist das samtige Papier, auf das ich mit dem Füller Pfade, Wege und Bäche und Flüsse zeichnen darf. Das Papier lässt jeden Gedanken und jedes Gefühl zu. Ohne Einschränkung. Ohne Bewertung. Ohne Verurteilung.

Wie bei einem Freund, dem man vertraut und schon immer gekannt hat.

Schreiben ist Ausdruck, Einsicht, Weitsicht, ein Bullauge ins Seelenleben und eine Kraftquelle, eine Kerze der Andacht und eine Einladung zu einem stillen Fest, ja sogar ein Manifest des Unsagbaren, Verlautbaren und ein Spiegel, der mehr kann als zu reflektieren, ein Spiegel, der einem nicht nur zeigt, wer man ist, sondern auch, wer man werden kann.

Und wenn ich lerne, mich zu verändern, dann lerne ich auch, die Welt zu verändern. Im Kleinen und im Großen. Mit Träumen und Taten. Wenn es nur bei den Träumen bliebe, wer sagt mir, dass die Träume weniger wichtig seien?

Wie auch immer ich in der Rückschau am Ende meines Lebens über den Sinn des Schreibens denken mag, eine Sache werde ich mit Bestimmtheit sagen können:

»Mit dem Füller und den Tasten meines Notebooks habe ich weitaus mehr geleistet als eine mechanische Tätigkeit. Ich habe Gedanken sichtbar und greifbar gemacht und dem unendlichen Strom des Lebens beigemischt.«

Darum schreibe ich.

Der Sternenjunge

Die erste Kurzgeschichte, die ich für Youtube aufgenommen habe, ist »Der Sternenjunge«. Zusammen mit der befreundeten Autorin Claudia Gogolin (www.claudiagogolin.de) arbeite ich an einem Buch mit Mutmachgeschichten und Mitmachideen.

»Der Sternenjunge« ist eine Erzählung, die ich für das Projekt geschrieben habe und mir besonders am Herzen liegt.

Viel Spaß

Euer Sebastian

Gedanken über Liebe

Liebe LeserInnen,

59|ich habe heute morgen geschrieben und über meine Glaubenssätze nachgedacht. Einer der bedeutendsten, den ich mir in den letzten Jahren zu eigen gemacht habe, beruht auf einem Zitat von George Bernhard Shaw:

“Liebe ist die Fähigkeit, den Menschen, die uns wichtig sind, die Freiheit zu lassen, die sie benötigen, um so sein zu können, wie sie sein wollen – unabhängig davon, ob wir uns damit identifizieren können oder nicht.”

Staunend den Kopf über diese Worte zu beugen und zu nicken, ist eine Sache, sie zu leben, eine andere.

Ich halte diese Erklärung von Liebe, die man auf alle Beziehungen, wie auch Freundschaften und Bekanntschaften ausweiten kann, für eine der wichtigsten Grundlagen, um friedlich miteinander auf diesem Planeten leben zu können – unter der Voraussetzung, dass die Liebsten respekt- und würdevoll mit anderen Lebewesen umgehen.

Wenn das nicht der Fall sein sollte, denke ich, darf und sollte man Einfluss nehmen.

Ich bin dankbar, mich heute an das Zitat erinnert zu haben und möchte meine Begeisterung darüber mit euch teilen.

Toleranz kann sehr befreiend sein.

Für einen selber und die Menschen, die man gern hat.

Ich wünsche euch einen Tag, an dem die Spur, die zu euren Träumen führt, magisch leuchtet und euch den Weg weist. 🙂

Schreibt und lest schön!

Euer Sebastian