Ein verdammt guter Grund zu lesen

58|Liebe LeserInnen,

immer mal wieder lese ich in »Story«, einem Buch übers Drehbuch schreiben. Für mich ist es als Romanautor interessant, weil ich von Filmszenen und -charakteren Spannendes lernen kann. Heute bin ich auf einen verdammt guten Grund gestoßen, Romane zu lesen.

Robert McKee sagt: »Eine Figur ist ein Kunstwerk, eine Metapher für die menschliche Natur. Wir sprechen von Figuren, als seien sie echt, doch sie sind der Wirklichkeit überlegen. Ihre Eigenschaften werden als klare und erkennbare entworfen; unsere Mitmenschen hingegen sind schwer zu verstehen, um nicht zu sagen rätselhaft. Wir kennen Figuren besser als unsere Freunde, denn eine Figur ist ewig und unveränderlich, während echte Menschen sich ändern – wenn wir glauben, wir verstünden sie, verstehen wir sie nicht. In der Tat glaube ich, ich kenne Rick Blain in Casablanca besser als mich selbst. Rick ist immer Rick. Ich bin ein bißchen komisch.« (McKee, Robert, STORY, die Prinzipien des Drehbuchschreibens, S. 403)

Das Verhalten von Freunden und Fremden zu deuten, um deren Persönlichkeit zu verstehen, misslingt uns öfter, als wir wahrhaben wollen. Selbst dann, wenn wir diese Menschen gut kennen. Menschen sind vielschichtig, so komplex, dass sie sich mitunter selbst nicht verstehen. Wenn wir Romane lesen oder Filme schauen, bieten wir unserem Kopf beim Tauchen in andere Welten Urlaub, umgeben von Charakteren, die wir begreifen. Das gibt Sicherheit.

Was kann man aus dem Kontrast fiktionaler und realer Figuren lernen?

Ich denke, nicht zu schnell Urteile zu fällen und Richter zu spielen, wäre ein guter Anfang.

Andere zu bewerten, egal ob es Prominente, Familienmitglieder oder Freunde sind, geschieht in unserer Gesellschaft viel zu schnell.

Kaum einer ist in seinem Wesen so klar wie der Schurke oder Held in einem Buch. In der Wirklichkeit sind wir viel facettenreicher.

Wenn wir Geschichten als Wohlfühloase nutzen und an unsere Mitmenschen nicht die gleichen Erwartungen wie an die Helden von Erzählungen richten würden, gebe es weitaus mehr Toleranz, Mitgefühl und Frieden im Miteinander.

Schreibt, lest und träumt schön!

Euer Sebastian

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.