Eine Einladung mit Folgen

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Bei diesem e-book handelt es sich um meine erste auf amazon veröffentlichte Kurzgeschichte.

Eines Tages unterhielt ich mich mit einem Freund über eine Bank. Im Laufe dieses Gesprächs fragte ich ihn scherzhaft, welche besonderen Gründe es dafür geben könnte, dass ein Bankberater einen Kunden zu einem Gespräch einlädt.
Diese Frage ging mir nicht aus dem Kopf, bis sich daraus eine Idee für eine Krimi-Kurzgeschichte entwickelte:

Timo Krase, Arzt einer Kinderklinik, erhält von seiner Hausbank eine Einladung zu einem Gespräch. Er entscheidet sich, hinzugehen. In der Folge unterbreitet ihm der Bankberater ein Anbebot, das sehr verlockend wirkt. Noch ahnt Timo nicht, in welcher Gefahr er sich befindet.

Leseprobe:

Timo Krase war 34 Jahre alt. Seit drei Jahren war er Stationsarzt in der Siegener Kinderklinik. Heute fühlten sich seine Beine an, als wäre er den ganzen Tag auf dem Ergometer gewesen. Da ein Kollege ausgefallen war, hatte er eine Doppelschicht einlegen müssen. So sehr wie heute hatte er sich schon lange nicht mehr auf einen gemütlichen Abend auf der Couch gefreut. Als er die Tür öffnete, begrüßte ihn seine Frau Daniela mit einer Umarmung und einem so leidenschaftlichen Kuss, dass er für einen Moment die Strapazen der letzten Stunden vergaß. Ihre zum Zopf gebundenen brünetten Haare, ihre Sommersprossen und ihr trägerloses Kleid waren eine Kombination, die ihn selbst an einem Tag wie diesem fast um den Verstand brachte.
„Hallo mein Held!“.
„Dein Held kann aber heute Abend nur noch essen, fernsehen und schlafen.“
„Das ist jammerschade.“
Seine Frau ging voran und lud ihn mit einer Handbewegung ein, ihr zu folgen. Als er im Esszimmer ankam, stockte ihm der Atem. Der Esstisch war mit einer von Daniela gehäkelten blütenweißen Tischdecke dekoriert, in der Mitte waren lauter Kerzen aufgestellt. Daneben stand eine Schüssel mit Nudeln und ein Topf mit Bolognese-Sauce.
„Habe ich was verpasst? Welches Jubiläum habe ich vergessen?“
„Du hast nichts vergessen, ich wollte Dir einfach nur eine Freude machen!“ Timo strahlte sie an.
„Was Dir auch gelungen ist.“
Während sie aßen, betrachtete er seine Frau. Sie wirkte heute irgendwie jünger, was wohl an der ausgelassenen Art lag, die sie an den Tag legte. Er stand auf und bedankte sich mit einem innigen Kuss. Danach schob sie ihn sanft Richtung Wohnzimmer.
„Mach du es dir schon mal auf der Couch gemütlich. Ich schmeiße die Spülmaschine an.“ Daniela studierte seit zwei Semestern Betriebswirtschaftslehre an der Fernuni Hagen. Das bisschen Hausarbeit in der Woche machte ihr nichts aus, wie sie immer wieder betonte. Außerdem kochte sie gerne. Für sie war es eine willkommene Abwechslung zu ihren Lehrbüchern. Er lümmelte sich auf die Couch und schaltete den Fernseher an.
„Gab es Post?“
„Werbung von Möbel Zimmermann und einen Brief von der Vermögenskasse.“ Timo betrachtete den Brief der Vermögenskasse neugierig. Für Kontoauszüge war er zu dünn. Sorgfältig öffnete er ihn. „Sehr geehrter Herr Krase, wir laden Sie zu einem persönlichen Gespräch in den Räumen unserer Hauptfiliale in Siegen ein. Als Dankeschön für Ihre Treue möchten wir Ihnen ein Angebot unterbreiten, das nur zu Ihrem Vorteil ist. Bitte kommen Sie am 02.10.2014 um 14:30 Uhr zu uns. Wenn Ihnen der Termin nicht passen sollte, melden Sie sich bitte unter der Nummer 0271 /145. Wir vereinbaren dann gerne mit Ihnen einen Alternativtermin. Mit freundlichen Grüßen Gerhard Schobe, Ihr Bankberater.“
„War es was wichtiges?“, fragte seine Frau interessiert.
„Ein Angebot von der Bank. Ich wurde zu einem Gespräch eingeladen.”
„Wirst du hingehen?“
„Ich schaue mal auf meinen Schichtplan.“ Wie der Zufall es wollte, war auf seinem Schichtplan am 02.10. kein Dienst verzeichnet.

Es waren diese freien Tage, die ihn ein Stück Gerechtigkeit empfinden ließen, wie bei einem Profisportler, der sich für seine Wettkämpfe abgemüht hat und die regenerativen Phasen danach als Entschädigung für seine Plackerei empfindet. Im Operationssaal zu stehen und die kleinen Körper vor sich zu haben, die alle das ganze Leben vor sich haben sollten – und von denen doch einige unter seinen Händen starben –, war für ihn an manchen Tagen eine Belastung, die ihn an seine Grenzen führte. Wenn seine Neugier nicht so groß gewesen wäre, hätte er diesen warmen Herbstnachmittag lieber mit seiner Frau und einem Picknickkorb im Freien verbracht. Timo schritt am zweiten Oktober – es war ein Donnerstag – die Treppen zur Vermögenskasse hinauf. Nervigen Werbefritzen hatte er schon oft eine Abfuhr erteilt, aber die Einladung hatte sein Interesse geweckt, zumal ein vorteilhaftes Angebot angedeutet wurde, ohne dabei ins Detail zu gehen. Und es war auch der erste persönliche Brief gewesen, den er von seiner Bank erhalten hatte.

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