Eine Schreibübung

Liebe LeserInnen,

in der letzten Zeit war ich oft kreativ, nur habe ich keine Texte veröffentlicht. Am heutigen Tag möchte ich ein Lebenszeichen von mir geben, und eine Schreibübung mit euch teilen, die mir die Augen geöffnet hat:

Der Verlag sitzt mir wie eine mit dem Schnabel hackende Krähe im Nacken, aber ich muss zum Glück nur noch das Ende meines Romans schreiben. Nach einigen Seiten, bei denen ich meine Tastatur malträtiert habe, lege ich das Papier in den Drucker. Gleich würde das Ende durch den Auswurfschacht flattern, und ich habe meine Arbeit vollbracht. Der Verlag wird zufrieden sein. Grinsend reibe ich mir die Hände.

Der Drucker spuckt das Blatt aus und ich schicke mich an, das Ende zu begutachten. Ein Ende, dass ich wie den ganzen Roman im Voraus geplant habe.

Wahre Fleißarbeit.

Ich drehe das Papier in meinen Händen. Irgendetwas stimmt nicht, und ich beginne zu lesen.

»Langweilig. das wirkt durchgeplant wie ein Betriebsausflug, und genauso langweilig. Als Leser will man unterhalten werden, aus dem durchgeplanten Alltag in eine Welt entführt werden, in der es verrückt und unvorhersehbar zugeht. Fang noch mal von vorne an zu schreiben. Und schreibe diesmal mit dem Blut deines Herzens.

Das hier … ist bestenfalls konstruiertes Material. Entführe die Leser in eine Welt, in der die Grenzen zur Realität verschwimmen. Selbst, wenn das, was du schreibst, in einer realen Welt spielt. So was gelingt dir nicht am Reißbrett.«

Ich starre regungslos auf das Blatt, dann auf meinen Bildschirm. Das habe ich doch unmöglich gerade geschrieben.

Das Romanmanuskript, alle geschriebenen Seiten sind leer.

Irgendetwas hatte es gelöscht.

Schreibt und lest schön!

Euer Sebastian

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