Gefühle

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Liebe LeserInnen,

heute möchte ich etwas zitieren, was mich schwer beeindruckt hat:

»… Gefühle sind wie Wasser, sie passen sich stets der jeweiligen Umgebung an. Selbst die größte Trauer hinterlässt keine Spuren, und wenn man sie als überwältigend empfindet und sie so lange anhält, liegt dies nicht daran, dass die Gefühle erstarrt sind, denn das können Sie nicht, sondern dass sie stehen wie das Wasser in einem Waldsee.« («Sterben«, Knausgard, Karl-Ove, 2013, 14.Auflage, S. 340, Luchterhand Literaturverlag)

Ich liebe diesen Vergleich, weil ich ihn poetisch und auf geniale und zugleich schlichte Weise treffend finde.

Ich bin davon überzeugt, dass Knausgard damit Recht hat.

Manchmal, wenn das Wasser im Waldsee steht, kann ich es alleine dadurch abfließen lassen, dass ich eine Buchstabenpipeline lege und anfange zu schreiben. Es gibt Studien darüber, dass Schreiben Gefühlen jeglicher Art die Intensität nimmt und stabilisierend wirkt. Auch daran glaube ich. Um das Wasser aus dem Waldsee abfließen zu lassen, lassen sich auch andere Pipelines bauen. Musikpipelines. Bilderpipelines. Oder Gespräche-mit lieben-Menschen-Pipelines. Ist man gläubig, hilft es, die Rohre aus Gebeten zu bauen.

Rein sachlich betrachtet liefert Knausgards Vergleich keine bahnbrechend neue Erkenntnis. Aber jede Formulierung und jedes Sprachbild, und mag der Sachverhalt noch so einfach sein, kann durch die Melodie der Worte eine neue Perspektive zeigen.

Mich haben diese Worte sehr inspiriert, und ich finde sie wunderschön.

Schreibt, träumt und lest schön!

Euer Sebastian

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