Schreibnacht meiner Romanfigur

Liebe LeserInnen,58|

heute möchte ich mit euch wieder einen kleinen Auszug aus meinem dystopischen Schreibprojekt teilen.

 

 

Ich schaltete die Nachttischlampe ein. Die Scharniere ächzten, als ich die Tür darunter öffnete, und ich nahm den Briefblock aus Leinenpapier heraus. Seit zwei Jahren lag er dort und hatte auf mich gewartet.

Ich setzte mich auf die Kante des Feldbettes und glitt mit den Händen über die feinen Fasern des Papiers. Wie viele Tränen waren schon auf Blätter wie diese getropft und hatten sich mit blauschwarzer Tinte vermischt?

Sorgfältig legte ich das Leinenpapier auf das Schränkchen.

Energie erfasste meine Muskeln und ich griff nach dem eckigen Füllfederhalter, der sich wie ein sechster Finger in meine Hand einfügte. Und das nach so langer Zeit.

Gewöhnlich saß ich nicht lange auf dieser Seite des Bettes, weil durch die undichten Fenster in Wohn- und Schlafzimmer Zugluft hereinwehte, aber in dieser Nacht störte es mich nicht. Mein Blick fiel auf die grießigen Staubkörner, die wild im Lichtkegel des Lampenschirms tanzten. In mir fühlte es sich an, als folgten meine Blutkörperchen ihrem Beispiel und schickten sich an, in meiner Blutumlaufbahn ungehemmt zu kreisen, so, als spürten sie, dass in mir etwas erwacht war.

Aus Sekunden wurden Minuten, aus Minuten Stunden. Ich schrieb, zerknüllte die Seiten, schrieb erneut, bis ich schließlich zufrieden war.

Schreibt, träumt, und lest schön!

Euer Sebastian

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