Sind Träume nur was für Verrückte?

Liebe LeserInnen,

heute traue ich mich was. Ich glaube nämlich, Persönliches von euch zu wissen: Ihr alle hattet in eurem Leben Träume, etwas Außergewöhnliches zu erleben oder lernen zu wollen, und heute blitzten diese Träume immer noch wie die Erinnerungen an unerfüllte Liebe im Bewusstsein auf.

58|

Nun die nächste gewagte These: Mehr als die Hälfte von euch hat die Träume nicht gelebt.

Ich erzähle Unfug? Dann beweist mir das Gegenteil, und schildert mir per Mail von euren verwirklichten Träumen (sebastian.domke@tintenkuenstler.de).

In diesem Beitrag gehe ich davon aus, dass ich recht habe, und die meisten ihre Träume im Wohnzimmer des Geistes wie Requisiten mit sich führen.

Aber woran liegt das, dass wir wertvolle Jahre ins Land ziehen lassen, ohne uns zu trauen, unseren Sehnsüchten nach zu gehen?

Ich glaube, das hängt mit unserer Komfortzone zusammen.

Wenn wir Neues versuchen, ist das zunächst mal anstrengend und verursacht ein Gefühl der Unsicherheit.

Das trifft wohl auf alles zu, was unsere gewohnten Routinen durchbricht.

Wenn wir z. B. ein Fahrrad gekauft haben und uns schöne Orte in der Natur erschließen, sammeln wir nicht nur inspirierende Eindrücke, wir helfen uns sogar zu einer besseren Physis und Gesundheit. Wir müssen nicht gleich eine Fahrradtour durch Europa machen, um das zu erleben.

Unser Gehirn weigert sich oft überzeugend, bis wir zu solchen Erfahrungen gelangen.

Die gute Nachricht ist: Wenn wir uns darauf einlassen, neue Erfahrungen zu sammeln, erweitern wir unser Spielfeld und werden reicher an Sinneseindrücken, Impulsen und Glück. Denn frischer Wind führt oft zu einem größeren Glücksempfinden.

Warum schreibe ich über die Komfortzone, wenn es doch um Träume geht? Ich denke, um Träume zu verwirklichen, muss man seine Komfortzone verlassen.

Das ist schön und gut, mag der kritische Leser einwenden, aber funktioniert das auch so einfach bei Projekten und Lernvorhaben?

Hierbei gibt es ein Problem, und das betrifft den Scheinwerfer, der hinter uns Erfahrungen beleuchtet.

Das hat schon Konfuzius erkannt:

»Die Erfahrung ist wie eine Laterne im Rücken; sie beleuchtet stets nur das Stück Weg, das wir bereits hinter uns haben.«

58|

Daraus kann sich ein Beschwernis ergeben, auf das ich eingehen möchte.

Wie sahen eure Klassenarbeiten aus, wenn ihr sie zurückbekommen habt?

Richtig, voller Anmerkungen mit Rotstift.

In unserem Schulsystem wurde zu meiner Zeit, heute ist es wohl immer noch so, der Scheinwerfer auf Fehler gerichtet und sehr selten Lob für Fortschritte und Gelungenes verteilt.

Was war und ist die Folge?

Genau, wir haben daraus gelernt, den Scheinwerfer auf unsere Defizite, unsere Fehler zu lenken. Ein Problem in unserer Gesellschaft, das zur Folge hat, dass zwanghaft Perfektion gesucht wird, begleitet mit der Angst zu versagen.

Wer von uns spürt nicht den Druck zu scheitern oder die Angst vor Fehlern?

Der Strahler, der einen Großteil unseres bisherigen Lebens beleuchtet hat, ist in der Verankerung etwas eingerostet. Deswegen möchte ich euch einladen, Hände, Füße und wenn nötig Zähne einzusetzen, ihn in eine andere Richtung zu schwenken. Hin zu euren Stärken, euren Erfolgen und zu eurer Freude über das, was ihr könnt und gemeistert habt.

Je länger der Scheinwerfer die Sonnenseite eurer Projekte und eures Lebens beleuchtet, desto mehr Inspiration werdet ihr geschenkt bekommen. Wahrnehmung vermögt ihr zu lenken, Wahrnehmung könnt ihr trainieren.

Bei mir hat es eine Weile gedauert, bis ich den Scheinwerfer drehen konnte. Seither schaffe ich es erstmals, an einem Projekt wie meinem Roman zu arbeiten – lange ein Lebenstraum von mir.

Natürlich fallen mir immer wieder Unzulänglichkeiten auf, aber sie sind verschleiert und belasten mich nicht besonders. Meine Fortschritte hingegen erstrahlen im Licht.

Welche Konsequenz hat das für meine Arbeit?

Ich genieße den Schaffensprozess regelrecht. Ich genieße es, Schöpfer einer Welt mit Figuren zu sein, mit denen ich hasse, liebe, leide und träume – mit dem angenehmen Nebeneffekt, mich als Mensch dabei weiterzuentwickeln.

Der Scheinwerferschwenk hat mir Schaffensfreude geschenkt, ohne die Gier zu verspüren, die Massen begeistern zu müssen. Natürlich freue ich mich, wenn ich Leser im Herzen erreiche, aber ob das 5 oder 5000 Sind, ist für mich nicht das, worauf es ankommt.

Da ich manchmal erschöpft bin, gibt es Phasen, in denen mein Roman sehr langsam wächst. Ein Autor, den ich schätze, sagte zu mir: »Wachstum ist immer gut«, egal, wie langsam oder schnell man vorankommt. Sicherlich auch eine ungewohnte Sichtweise in unserer Leistungsgesellschaft. Natürlich gibt es Lebenssituationen und Beschäftigungsverhältnisse, in denen man unter Druck funktionieren muss. Allen Betroffenen möchte ich raten, als Konsequenz die Freizeit angenehmer zu gestalten.

Aber wie konkret könnt ihr einen Scheinwerfer in eine andere Richtung lenken?

Z. B., indem ihr ein Erfolgstagebuch führt, das stichpunktartig Meilensteine und kleine Fortschritte festhält.

58| Oder ihr redet über eure Entwicklung mit Familie und Freunden und erzählt Gott davon.

Fallen euch wirksamere Methoden ein? Schreibt mir davon, wenn ihr mögt.

Wem das zu weit geht, möchte ich eine weitere Variante empfehlen:

Am Ende des Tages dürft ihr innehalten und bewusst über das fünf Minuten resümieren, was ihr gut hinbekommen und welche positiven Sinneseindrücke ihr erfahren habt. Ich schlage vor, dass ihr in dieser Zeit äußere Reize wie Geräusche und Licht abschaltet und euch von den Medien entkoppelt.

Was meint ihr: Sind Träume nur was für Verrückte?

Ich glaube, Träume sind für uns alle wichtig, und manchmal muss man ein wenig verrückt sein, um sie umzusetzen.

Hierzu fällt mir ein Zitat von Vincent van Gogh ein:

Die Normalität ist eine gepflasterte Straße, man kann gut darauf gehen – doch es wachsen keine Blumen auf ihr.

58|

Träumt und lebt schön!

Euer Sebastian Domke

One thought on “Sind Träume nur was für Verrückte?”

  1. Gut geschrieben. Und sind wir mal ganz ehrlich, die meisten von uns träumten bis dato immer nur von ihren Träumen. Es wird Zeit Sie zu leben. Also lasst uns den Hintern hoch bringen und unsere Träume leben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.