Unveröffentlichter Schnipsel aus “Die Urlaubs-App”

Liebe LeserInnen,

die Urlaubs-App ist eine Novelle, die ich vor eineinhalb Jahren geschrieben habe. Die Idee für die Erzählung gefällt mir noch heute, aber je mehr ich das Manuskirpt überarbeitete, desto mehr zweifelte daran, dass die Story funktioniert.

Wer weiß, vielleicht bekommt »Die Urlaubs-App« eines Tages (nach meinem Roman) eine Generalüberholung und erblickt doch noch das Licht der Öffentlichkeit. 🙂

Es wäre schade, wenn die Novelle nie zu Lesern findet, nicht nur weil die Grundidee interessant ist, sondern auch, weil das professionelle Cover (Bilderquellen: Freepic) wirklich gelungen ist.

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Hier ein Schnipsel:

Thomas hatte Geralds Arbeit an Apps – nun ja – in der Vergangenheit etwas missbilligend betrachtet. Er hatte sich auch bei Familiengesprächen die eine oder andere spöttische Bemerkung über Geralds bisherige Versuche, Apps zu programmieren, vom Stapel gelassen. Vorausgegangen war allerdings auch, dass Gerald die zum Abbruch seines Studiums führenden Schwierigkeiten nicht zu würdigen gewusst und ihm mehr als einmal zu verstehen gegeben hatte, dass Programmierung logisch aufgebaut und einfach zu verstehen sei. Eines Tages, als Gerald ihm diese Erkenntnis offenbart hatte, fügte dieser hinzu:

»Na ja, das logische Denken fällt einigen Menschen leicht … andere haben Probleme damit.«

Dabei schaute Gerald nach oben, als würden lauter gescheiterte Studienabbrecher unter der Decke hängen, er hätte aber ebenso gut die Nasenspitze an seine pressen und ihm vernichtend in die Augen starren können. Thomas hatte bei seinem Informatikstudium versagt und hielt sich seitdem von allen programmierenden Tätigkeiten – außer der Einstellung seines Fernsehprogramms an seinem neuen HD-Receiver – fern. Der Gedanke, dass ein Hobbyprogrammierer, der nicht einmal Abitur hat, möglicherweise geistreichere Apps ausarbeiten könnte, als er selber, stieß ihm übel auf. Es war so, als ob Thomas daran gescheitert wäre, als Koch ein Drei-Sterne-Menu in einem feinen Restaurant vorzubereiten, und Gerald eine Fertig-Lasagne für drei Minuten in die Mikrowelle geschoben hätte und sagen würde: »Siehst du? Ist doch ganz einfach.«

Euer Sebastian

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