Warum ich schreibe

59|Liebe Welt,

den Text aus dem YouTube-Vido, warum ich schreibe, hatte ich noch um ein paar Gedanken ergänzt, sodass ich beschloss, den vollständigen Text in meinem Blog zu veröffentlichen. Viel Spaß! 🙂

Als Mensch bin ich ein Teil der Geschichte, ein winziges Partikel auf einem endlos wirkenden Zeitstrahl mit ungewissem Ausgang.

Ebenso, wie ich einstecken muss, erhellt Lebensfreude von Zeit zu Zeit mein Inneres wie eine Lichterkette aus 1000 Laternen eine dunkle Stadt.

Schaue ich zurück, sehe ich schmerzhafte Erinnerungen wie auch grenzenlose Fröhlichkeit. Beides wird mich auch in Zukunft erwarten.

Dem zu trotz bin ich kein alterndes Opfer der Zeit, denn als Autor darf ich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beliebig wahrnehmen, sie sogar miteinander tanzen und verschmelzen lassen.

Mit einem Füller reinige und poliere ich die Oberfläche, die Hülle um meine Seele, um sie schließlich als farbprächtiger Löwenzahn zu durchdringen. Meinem Inneren verleihe ich so eine kräftige Stimme. Eine Stimme, die ich annehme und liebe. Eine Stimme, die unhörbar und leise und trotzdem mitteilsam und laut sein darf.

Eine Stimme, die manchmal kaum jemand hören darf oder will, die aber in anderen Momenten wie ein Feuerwerk leuchtender Buchstabenkleckse berühren, schockieren, irritieren und faszinieren kann.

Die Welt mag diese Vielfalt nicht immer aushalten wollen. Manchmal wird sie die Nase rümpfen, manchmal lächeln, manchmal mitfühlen – alle Reaktionen sind denkbar.

Wer mich und meine Worte immer mit gleicher Wertschätzung und unerschütterlichem Respekt annehmen wird, ist das samtige Papier, auf das ich mit dem Füller Pfade, Wege und Bäche und Flüsse zeichnen darf. Das Papier lässt jeden Gedanken und jedes Gefühl zu. Ohne Einschränkung. Ohne Bewertung. Ohne Verurteilung.

Wie bei einem Freund, dem man vertraut und schon immer gekannt hat.

Schreiben ist Ausdruck, Einsicht, Weitsicht, ein Bullauge ins Seelenleben und eine Kraftquelle, eine Kerze der Andacht und eine Einladung zu einem stillen Fest, ja sogar ein Manifest des Unsagbaren, Verlautbaren und ein Spiegel, der mehr kann als zu reflektieren, ein Spiegel, der einem nicht nur zeigt, wer man ist, sondern auch, wer man werden kann.

Und wenn ich lerne, mich zu verändern, dann lerne ich auch, die Welt zu verändern. Im Kleinen und im Großen. Mit Träumen und Taten. Wenn es nur bei den Träumen bliebe, wer sagt mir, dass die Träume weniger wichtig seien?

Wie auch immer ich in der Rückschau am Ende meines Lebens über den Sinn des Schreibens denken mag, eine Sache werde ich mit Bestimmtheit sagen können:

»Mit dem Füller und den Tasten meines Notebooks habe ich weitaus mehr geleistet als eine mechanische Tätigkeit. Ich habe Gedanken sichtbar und greifbar gemacht und dem unendlichen Strom des Lebens beigemischt.«

Darum schreibe ich.

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