Wie mir gestern der Bus davonfuhr und ich deswegen zunahm

Gestern Nachmittag wollte ich noch schnell was einkaufen, um anschließend mit dem Bus nach Hause zu fahren.

Bei so einem herrlichen Wetter wäre es doch schön, ein Eis zu essen, dachte ich. Ich kaufe mir eine große Packung, esse ein Eis, den Rest nehme ich nach Hause und friere es wieder ein. Der Bus kommt ja in fünf Minuten.

Gesagt getan, etwas langsamer als es notwendig gewesen wäre, schlenderte ich zum Supermarkt und kaufte mir das Eis.

Soweit zu Teil 1 meines grandiosen Planes. 59|

Leider hatte ich zu viel getrödelt; die Schlange an der Kasse war zudem zu lang. Als ich mit meiner Eispackung das Geschäft verließ und ich an der Bushaltestelle ankam, stellte ich fest, das Teil 2 meines Vorhabens zum Scheitern verurteilt war, da der Bus seit fünf Minuten abgefahren war.

Mist, bei dem Frühlingswetter schmilzt das Eis in den nächsten 30 Minuten, fuhr es mir durch den Kopf.

Bevor Sie, liebe Leserinnen, liebe Leser, die nun folgende Handlung nachvollziehen, eine Erklärung vorweg:

Bitte wiederholen Sie das, was gleich folgt, nicht, ohne vorher Ihren Arzt konsultiert zu haben, und erzählen Sie bitte Ihren Kindern nichts davon.

Ich setzte mich also gemütlich auf eine Bank in der Nähe eines Brunnens, sog die angenehme Atmosphäre mit fröhlichen Menschen auf Sitzplätzen, spielenden Kindern und gurrenden Tauben, die Krümeln von Eiswaffeln hinterher eilten, in mich auf.

Ich liebe Eis – und ich genoss es, in dieser angenehmen Umgebung eins zu essen.

Da ich auf den nächsten Bus noch eine halbe Stunde warten musste und kein Gefrierfach in der Nähe war, aß ich ein Eis nach dem anderen, darunter auch eine Packung mit zehn Eis-Konfekt-Würfeln.

Auf der Bank schräg gegenüber saßen eine Frau und ein Mann, die ebenfalls Eis zu sich nahmen.

Der Mann betrachtete mich für einen Augenblick wie einen Wilden, der im Alleingang sämtliche Leckereien des Buffets eines Restaurants vertilgt.

Dieser Moment der Betrachtung war nur kurz, dauerte maximal zwei Sekunden, dann folgte der Beobachter dem Gesetz der Höflichkeit, und wandte seinen Blick von mir ab.

Auch wenn ich durch meine chillige Epoche gefühlte zwei Kilo zugenommen habe, hatte ich diese Zeit sehr genossen, indem ich die Eindrücke meiner Umgebung in mich aufnahm, Hörbuch hörte und beobachtete, wie die Blätter der umstehenden Bäume im Licht der Sonne leuchteten.

Wenn es nach mir ginge, könnte ich noch häufiger den Bus verpassen. Aber ich glaube, mein Hausarzt würde in diesem Fall rebellieren.

 

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