Das Netz

Liebe LeserInnen,

59|nachdem ich gestern meine Wohnung verlassen hatte, durch die Einfahrt marschiert war und rechts abbog, um den Bürgersteig hinaufzulaufen, wurde ich jäh gestoppt.

Ein Mann mittleren Alters aus der entfernten Nachbarschaft hob die Hand und blieb vor mir stehen.

„Stehen bleiben! Das hast du noch nicht gesehen!“ Wild gestikulierte er mit den Händen und zog von einem Straßenschild ausgehend eine Linie durch die Luft.

Ich konnte nur raten und sagte:

„Sehen Sie etwas Spinnenweben?“

Sein Blick wirkte zugleich euphorisch und entrückt.

„Ja, aber es ist seltsam.“ Erneut deutete er eine unsichtbare Spur an und ließ seine Handkante mitten in der Bewegung hinabsausen.

„Der Faden hört in der Mitte der Straße auf.“

„Ah“, sagte ich, „Ist nur merkwürdig, weil der Faden dort ja keinen Halt hat.“

Der Mann riss seinen Zeigefinger nach oben.

„Nicht jeder kann diesen Faden sehen.“

Ich gab ihm recht, der Mann zeigte sich über unser Gespräch erfreut und erklärte mir noch, wie wertvoll es sei, im 21. Jahrhundert so ein Gespräch mit jemandem zu führen, der Knöpfe in den Ohren trägt (Bevor ich das Haus verließ, hatte ich sie mir in die Ohren gesteckt, um Musik hören zu können).

Schuldbewusst zupfte ich an den Kopfhörern und versicherte ihm, dass ich die Musik noch nicht abspielen ließ. Ich verabschiedete mich, ging weiter und schmunzelte.

Erst heute denke ich darüber nach, dass er wohl mehr begriffen hatte als ich.

Hätten auch in seinen Ohren Kopfhörer gesteckt, wäre er vielleicht nicht aufmerksam für seine Entdeckung gewesen.

Zugegeben: Ich bin mir immer noch sicher, dass es keine zu sehen gab, aber ich werde nicht das Gefühl los, dass dieser Herr mir in puncto Achtsamkeit sehr viel beibringen könnte.

Ich erinnere mich, vor einigen Wochen, im Sommer, war ich ihm schon mal begegnet. Er hatte mich auf ein Phänomen hingewiesen, dass ihm bei einigen Sternen aufgefallen war.

Tja, manchmal sind es die verrückten Menschen, von denen wir das meiste lernen können.

Wobei verrückt nichts anderes bedeutet, als eine ver-rückte Perspektive einzunehmen. Wie ich bei dem Aufeinandertreffen festgestellt habe, kann so was sehr erfrischend sein.

Schreibt, träumt und lest schön!

Euer Sebastian

Gefühle

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Liebe LeserInnen,

heute möchte ich etwas zitieren, was mich schwer beeindruckt hat:

»… Gefühle sind wie Wasser, sie passen sich stets der jeweiligen Umgebung an. Selbst die größte Trauer hinterlässt keine Spuren, und wenn man sie als überwältigend empfindet und sie so lange anhält, liegt dies nicht daran, dass die Gefühle erstarrt sind, denn das können Sie nicht, sondern dass sie stehen wie das Wasser in einem Waldsee.« («Sterben«, Knausgard, Karl-Ove, 2013, 14.Auflage, S. 340, Luchterhand Literaturverlag)

Ich liebe diesen Vergleich, weil ich ihn poetisch und auf geniale und zugleich schlichte Weise treffend finde.

Ich bin davon überzeugt, dass Knausgard damit Recht hat.

Manchmal, wenn das Wasser im Waldsee steht, kann ich es alleine dadurch abfließen lassen, dass ich eine Buchstabenpipeline lege und anfange zu schreiben. Es gibt Studien darüber, dass Schreiben Gefühlen jeglicher Art die Intensität nimmt und stabilisierend wirkt. Auch daran glaube ich. Um das Wasser aus dem Waldsee abfließen zu lassen, lassen sich auch andere Pipelines bauen. Musikpipelines. Bilderpipelines. Oder Gespräche-mit lieben-Menschen-Pipelines. Ist man gläubig, hilft es, die Rohre aus Gebeten zu bauen.

Rein sachlich betrachtet liefert Knausgards Vergleich keine bahnbrechend neue Erkenntnis. Aber jede Formulierung und jedes Sprachbild, und mag der Sachverhalt noch so einfach sein, kann durch die Melodie der Worte eine neue Perspektive zeigen.

Mich haben diese Worte sehr inspiriert, und ich finde sie wunderschön.

Schreibt, träumt und lest schön!

Euer Sebastian

Weichenstellungen

Liebe LeserInnen,

ich weiß nicht warum, aber irgendwie kam es gerade dazu, dass ich über das Thema »Entscheidungen« nachdachte, meine verqueren Gedanken; -) möchte ich gern mit euch teilen.

Im Nachhinein ist es leicht zu sagen: »Diese oder jene Entscheidung war die falsche« und man könnte bereuen, dass es so gekommen ist. Ich glaube aber, dass falsche Entscheidungen so bedeutsam werden können wie die vermeintlich hundertprozentig richtigen. Klingt verrückt und paradox, nicht wahr?

Aber so lange man anderen Lebewesen und der Umwelt würdevoll begegnet, darf man auch Fehler machen, die sich so richtig scheiße anfühlen.

Viel wichtiger als die Bewertung von Entscheidungsmöglichkeiten ist, wie man mit den Konsequenzen seiner Weichenstellungen umgeht. Wenn man mit Lebenslust und Entdeckergeist vorangeht, dann kann sich sogar die verkehrte Wahl als die richtige entpuppen.

Und am Ende waren es vielleicht die steinigen Wege, auf denen wir das meiste über das Leben gelernt haben. Denn besonders diese haben uns zu den Menschen gemacht, die wir heute sind.

59|Schreibt, träumt und lest schön!

Euer Sebastian

Meine liebsten Schreibratgeber

Liebe LeserInnen, liebe KollegInnen,

59|heute möchte ich euch meine liebsten Schreibratgeber vorstellen: „Heute schon geschrieben“ (Bd. 1 und Bd. 2 von Diana Hillebrand).

Auch wenn ich vieles aus den Ratgebern schon mal woanders aufgeschnappt hatte, inspiriert mich die kreative Art der Autorin jedes Mal aufs Neue.

Was mir besonders gefällt:

Die Autorin drängt sich nicht auf, erhebt nicht den Zeigefinger und begegnet dem Leser mit Respekt gegenüber den individuellen Interessen und Stärken.

Ob Gärtner oder Plotter, ob Strukturliebhaber oder Chaot, jeder kann von den Büchern profitieren. Auch als Nachschlagewerk sind sie geeignet.

Das allerwichtigste ist aber, dass „Heute schon geschrieben“ Spaß und Motivation vermittelt. Manchmal blättere ich darin, lese ein paar Zeilen, träume vor mich hin und fühle mich inspiriert.

Ich habe gespürt, dass die Autorin das Buch mit Hingabe und Freude geschrieben hat.

Manch einem mag diese Lobeshymne zu überschwänglich erscheinen, aber ich schreibe das gerade so, wie ich es wirklich empfinde.

Schreibt, träumt und lest schön!

Euer Sebastian

Textschnipsel aus einer Schreibnacht

Liebe LeserInnen,

folgenden Textschnipsel aus meinem Romanprojekt möchte ich gerne mit euch teilen:

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Ich schreibe meist am Abend und in der Nacht, weil ich dann am kreativsten bin.

Ich wünsche euch einen achtsamen Tag mit ausreichend Ruheoasen!

Schreibt, lest und träumt schön!

Euer Sebastian

Die Katze

Liebe LeserInnen,58|

seht ihr die Lücke unterhalb des Zauns? Entspannt hatte ich mit Füllfederhalter und Tintenfass, zweieinhalb Meter entfernt, an einem Tisch im Garten gesessen und meinen Roman weitergeschrieben.

Anschließend diktierte ich den Text der Szene in eine Spracherkennungssoftware. Soweit so gut.

Aus meiner Romanszene sprach ich eine Zeile mit Dialog auf und sagte: »Hey Biker!«

In dem Moment schoss eine braun getigerte Katze durch die Lücke im Zaun auf mich zu, starrte mich an und rannte davon.

Für mich wird die Katze für immer »Biker« heißen!

Die lustigsten Geschichten schreibt manchmal das Leben selbst.

Lest, schreibt und träumt schön!

Euer Sebastian