Sternenschnuppen am Schreibhimmel

Liebe LeserInnen,

74|Worte zünden Sterne. Und je leidenschaftlicher ich schreibe, desto heller beleuchten sie den Pfad, auf dem ich wandele.

Manche nennen es Morgenseiten, ich nenne es Seelenblick. Weil ich finde, dass man diese Seiten zu jeder Tageszeit schreiben kann. Mit dem Zweck, den Kopf zu entleeren und für den Tag zu erfrischen. Ich meditiere gerne, bevor ich meinen Seelenblick ins Innere wandern lasse – um entspannt und träumerisch bunte Worte in die Sterne zu schreiben. Wie ihr auf dem Bild seht, habe ich das heute wörtlich genommen. Ich habe meine Schreibsoftware so eingestellt, dass auf dem Hintergrund und Schreibfenster Sterne glänzen.

Besonders habe ich mich über Tippfehler gefreut. In den Sternen, wie ihr auf dem Bild erkennen könnt, leuchten Linien, die eher an Sternschnuppen erinnern, als an die eigene Fehlbarkeit.

Denn nur die Zeile, in der ich schreibe, ist weiß hinterlegt, der Rest des Textes verschmilzt mit dem Sternenhimmel. So lenken mich keine Worte ab, die ich vor Minuten geschrieben habe, nur eine Zeile ist wichtig. Beinahe so wie im Leben. Was besonders kostbar und zerbrechlich ist, ist dieser Moment. Das Jetzt. Das Besondere eines jeden Moments teilt Menschen nicht auf zwischen Arm und Reich, Versager und Erfolgreiche oder Kranke und Gesunde. Besondere Momente sind jedem zugänglich und wichtiger als Geld und Ruhm.

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Figurenpost

Liebe LeserInnen,59|

in der gestrigen Nacht schrieb ich bei Kerzenschein, und es war nicht nur so, dass ich in meinem Element war. Am Ende meines Schreibakts las ich auf meiner magischen Kerze die Worte »Diener und Hüter der Elemente«. Was hatte das nu wieder zu bedeuten?

Es bestand kein Zweifel: Ich war eins mit dem Feuer geworden, und auch, wenn mein Protagonist auf sehr porösem Eis steht, werde ich weiter für ihn und mit ihm brennen und allen Gefahren entgegentreten.

Nun habe ich ihn in etwas auswegloser Situation zurückgelassen. Aber solange Feuer vorhanden ist, werden auch die Wege ausgeleuchtet sein.

Noch ein kleiner Funfact am Rande: ich habe Gott gespielt um und meinem Prota einen neuen Namen gegeben. Dank der genialen Idee einer lieben Freundin heißt er nicht mehr John Stark, sondern Milo S. Harper. Der Buchstabe S. hat eine besondere Bedeutung, die sich erst am Ende auflöst.

Nun werde ich einen Brief schreiben, adressiert an Milo S. Harper. Ich werde ihm erzählen, dass ich ihn sehr schätze, was ich mir von ihm wünsche, und ich werde ihm ein paar Fragen stellen. Den Brief werde ich mir selbst, gerichtet an den Untermieter Milo im Jahr 2146, wohnhaft bei Sebastian Domke, zuschicken und gespannt die Reaktion der Postbotin beobachten, wenn sie mir das nächste Paket zustellt.

Falls eine Furche auf ihrer Stirn entsteht und einen immer tieferen Graben bildet, werde ich das Ganze wohl auflösen. Nicht etwa aus ernsthafter Sorge, Ärger mit dem Einwohnermeldeamt zu bekommen, weil ich illegal jemand bei mir wohnen lasse, sondern eher, weil die Zustellerin immer so freundlich ist, dass ich sie nicht verstören will.

Schreibt, träumt und lest schön!

Euer Sebastian

Textschnipsel

Liebe LeserInnen,

die letzte Zeit ist es etwas still in meinem Blog geworden. Das liegt z. B. daran, dass ich an meinem Roman arbeite, für den ich viel Energie und Aufmerksamkeit benötige.

Er spielt in einer Stadt der Zukunft, in die Kranke eingeschlossen werden, weil sie die gesellschaftliche Ordnung stören würden.

Der Text ist nur oberflächlich bearbeitet und ich poste einen kleinen Auszug aus der Romanszene dieser Schreibnacht:

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Die Klänge der Geige drangen in mein Bewusstsein.

Ein Jugendlicher mit blondem Flaum über den Lippen stand neben dem Brunnen und führte den Geigenbogen flink über die Saiten.

Seine Augen versteckten sich hinter einer dick umrandeten Brille, aber als ich sein Gesicht musterte, hielt ich inne. Wie alt mochte er sein? Zwölf? Vierzehn? Sein eitel gekämmter Scheitel machte ihn älter, das Kindliche an ihm war jedoch unübersehbar. Es steckte nicht nur in seinen jungen Gesichtszügen, sonder auch in der Art, wie er spielte.

Sämtliche Töne harmonierten, und obwohl ich das klassisch klingende Stück nicht kannte, war ich mir sicher, dass er keinen Fehler machte. Ich fühlte, dass die Musik stimmig war. Was ganz anderes, als die drögen Stücke, die ich zu Hause gehört hatte.

Das Kindhafte drückte sich in seiner Impulsivität und Verspieltheit aus, die den Tönen etwas Lebendiges und Fröhliches verliehen.

Ich lehnte mich an die Mauer des Rathauses und lauschte der Musik, die sich heilend in meine Gedankenwelt grub. Nun sah ich wieder die Unverfrorenen, die Tanzenden und die Lustigen, die den Markt nutzten, um ausgelassen feiern zu können.

Behäbig schlenderte ich zu dem Jungen, presste den Chip in meiner Hand gegen den Kontakt auf dem Display des Geigenkastens und überwies ihm zehn Lodores. Das war genug, um den Kühlschrank vollzumachen. Schon möglich, dass es etwas viel war. Seine Darbietung berauschte mich aber, und ich tat es aus tiefster Überzeugung. Was bedeutete schon Geld, wenn das Glück sich unsichtbar in der Luft ausbreitete, in meine Ohren strömte und sich heilend auf das stressige Geplätscher meines Hirns legte?

Bei meinem Roman liegen knapp siebzig Seiten Rohfassung hinter mir, bis zum Berggipfel ist es noch weit. Ich bin sehr glücklich darüber, wie sehr mich das Schreiben ausfüllt, wie sehr ich es genieße, in eine andere Welt zu schlüpfen.

Hemingway sagte mal, dass die Rohfassung immer scheiße sei. Das werde ich vielleicht bei der Überarbeitung auch anmerken, aber bis dahin genieße ich jede schwitzige Tintenbahn, die ich zurücklege.

Schreibt, träumt und lest schön!

Euer Sebastian