Sternenschnuppen am Schreibhimmel

Liebe LeserInnen,

74|Worte zünden Sterne. Und je leidenschaftlicher ich schreibe, desto heller beleuchten sie den Pfad, auf dem ich wandele.

Manche nennen es Morgenseiten, ich nenne es Seelenblick. Weil ich finde, dass man diese Seiten zu jeder Tageszeit schreiben kann. Mit dem Zweck, den Kopf zu entleeren und für den Tag zu erfrischen. Ich meditiere gerne, bevor ich meinen Seelenblick ins Innere wandern lasse – um entspannt und träumerisch bunte Worte in die Sterne zu schreiben. Wie ihr auf dem Bild seht, habe ich das heute wörtlich genommen. Ich habe meine Schreibsoftware so eingestellt, dass auf dem Hintergrund und Schreibfenster Sterne glänzen.

Besonders habe ich mich über Tippfehler gefreut. In den Sternen, wie ihr auf dem Bild erkennen könnt, leuchten Linien, die eher an Sternschnuppen erinnern, als an die eigene Fehlbarkeit.

Denn nur die Zeile, in der ich schreibe, ist weiß hinterlegt, der Rest des Textes verschmilzt mit dem Sternenhimmel. So lenken mich keine Worte ab, die ich vor Minuten geschrieben habe, nur eine Zeile ist wichtig. Beinahe so wie im Leben. Was besonders kostbar und zerbrechlich ist, ist dieser Moment. Das Jetzt. Das Besondere eines jeden Moments teilt Menschen nicht auf zwischen Arm und Reich, Versager und Erfolgreiche oder Kranke und Gesunde. Besondere Momente sind jedem zugänglich und wichtiger als Geld und Ruhm.

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Schwäche

Liebe LeserInnen,

ein spannender Romananfang Stephen Kings inspirierte mich zu einer Schreibübung:

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»Ich war nie das, was man eine Heulsuse nennt. Meine Ex-Frau gab meinen »nicht vorhandenen emotionalen Gradienten« als Hauptgrund dafür an, dass sie mich verließ (als ob der Kerl, den sie bei den Anonymen Alkoholikern kennengelernt hatte, ganz nebensächlich wäre).« («Der Anschlag«, Stephen King, Wilhelm Heyne Verlag, München, S. 9).

Ich finde diesen Anfang aus Kings Roman genial. Gleich zu Beginn erfahre ich, dass die Hauptfigur unter der Schwäche leidet, schwer Gefühle zeigen zu können.

Wie Jake sich auf den ersten Seiten über seine Schwäche reflektiert, macht ihn für mich sehr sympathisch. Ich fühle seine Verletzung, verlassen worden zu sein und möchte mehr über ihn wissen. Wird es ihm sogar möglich, sich besser zu öffnen, oder wird er jemanden finden, der ihn so annimmt, wie er ist? Diese Figur zieht mich in den Bann. Wäre er einfach nur ein Typ, den seiner Frau sitzen gelassen hat und als aalglatter Charakter durch die Handlung stolpert, fände ich ihn langweilig und unnahbar.

Als ich das Buch aufgeschlagen und die ersten Seiten verschlungen hatte, fragte ich mich: Was ist meine größte Schwäche? Wie würde eine Erzählung verlaufen, in der ich mit Problemen der Außenwelt konfrontiert werde, um am Ende festzustellen, dass ich die Schwierigkeiten nur löse, wenn ich meine Archillisverse bezwinge?

Womöglich würde ich mich mehr trauen als in der Wirklichkeit, aber ich käme auf so manche überraschende Idee, in Lebensbereichen Fortschritte zu erzielen. Und wenn ich Wege im Kopfkino erkennen würde, gelänge es mir leichter, sie in der Realität zu zementieren.

Wagt ihr euch, eure Geschichte zu Papier zu bringen? Möglich, dass wir selbst der Protagonist sind, der unseren Makel überwindet.

Wenn ihr mehr Abstand braucht, versucht euch doch an einem Märchen oder einer Fantasy-Story mit euch als Prota. Diese Übung ist etwas sehr Persönliches, aber ich finde: Da jeder von uns der Mensch ist, der als Einziger ohne Unterlass mit sich sein Leben verbringt, dürfen wir uns das wert sein und die Story für uns selbst schreiben.

Schreibt, träumt und lest schön!

Euer Sebastian

Der Baum in mir

58|Liebe LeserInnen,

viele gute Gedanken kommen mir bei Spaziergängen:

Wenn ich schwach bin, bin ich schwach. Wenn ich stark bin, bin ich stark. Ich darf so sein, wie ich gerade bin. Das macht mich glücklich.

Ein weiser Mann sagte mal zu mir: »Ich habe den Eindruck, dass das Schreiben wie ein Baum in Ihnen gewachsen ist, der immer weitere Äste schlägt, und Sie selbst dann stabilisiert, wenn tragende Säulen wegbrechen.« Es ist lange her, dass ich diese Worte hörte. Aber erst jetzt wird mir deren Bedeutung und Ausmaß bewusst. Oft habe ich das Gefühl, dass mir das Schreiben geholfen hat, mich selbst besser anzunehmen. In mir pulsiert das Gefühl, dass ich erst am Anfang stehe. Bezaubernde Textschätze liegen vor mir und warten darauf, gehoben zu werden. Um diese Erfahrung zu machen, muss man nicht viele Bücher lesen. Füller und Briefpapier reichen.

Lest, schreibt und träumt schön!

Euer Sebastian

Katharsis

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Liebe LeserInnen,

in der Psychologie bedeutet Katharsis »psychische Reinigung«.

Wer kennt das nicht?

Momente im Leben, in denen man ordentlich durchgeschüttelt wird. Innere Konflikte und verdrängte Gefühle legen den Turboschleudergang ein, man gerät in einen Sog und verliert sich darin. Erneutes Verdrängen ist eine Möglichkeit. Die andere ist Ausleben und Loslassen. Damit meine ich nicht das Zerkleinern der Wohnungseinrichtung. Nein. Die wilde und zugleich sanfte Methode, die ich bevorzuge, ist, die ganze Scheiße ungehemmt aufzuschreiben, sodass die Seele zu beben beginnt.

Ich habe es einige Male probiert. Manchmal schrieb ich dreißig Minuten, manchmal bis zu einer Stunde. Mit der Zeit brach der Ballast auseinander und löste sich auf – wie schäumende Wellen an einem Strand. Dann hielt ich inne und konzentrierte mich für eine Weile auf die Atmung. Meine Gedanken waren ruhiger geworden, kamen und gingen wie sanfte Strömungen. Schließlich schloss ich den Text mit einem Resümee ab. Oft war es der wertvollste Gedanke, der aus der Reinigung hervorging. Nun las ich den Text zum ersten Mal und markierte mir die Passagen, die mir besonders guttaten.

Nach einigen Tagen ist es spannend, die niedergeschriebenen Gefühlsexplosionen nochmals zu lesen, in einer Situation, in der man zu den Problemen Abstand hergestellt hat. Diese Erfahrung steigert das Selbstwertgefühl, weil man einen Sturm überstanden und Selbstvertrauen für die kommenden Turbulenzen gewonnen hat.

Diese Inspiration für das reinigende Schreiben habe ich aus dem Buch »Federleicht« von Barbara Pachl-Eberhart übernommen. Das Buch schlägt eine Brücke zwischen therapeutischem und literarischem Schreiben. Es ist eines meiner Lieblingsbücher und ich empfehle es jedem Schreibbegeisterten und jenen, die es werden wollen.

Träumt, lest und schreibt schön!

Euer Seastian

Bestimmung

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Liebe LeserInnen,

anbei ein Schneeball:

Bestimmung?
Keine Ahnung.
Oder Vielleicht doch?
Code meiner Seele entschlüsseln?
Damit ich zu mir passe?
Damit ich ein inneres Team werde!
Welche Vision übersteigt mein kleines, eigenes Dasein?
Füllt mich aus bis in meine dunkelsten Ecken?
Meine Dunkelheit für andere in Licht verwandeln.
Dazu brauche ich Selbsterkenntnis und Leidenschaft.
Angefacht vom Feuer meiner Lebensfreude!
Geschmiedet mit liebevoller Fantasie.
Mut zur Veränderung!
Kraftvoller Geist!
Erwache!

Ein Schneeball beginnt mit einem Satz, bestehend aus einem Wort, steigert sich zu zwei Wörtern, zu drei Wörtern, bis schließlich ein Satz acht Wörter lang ist. Mein genutzter Schneeball schrumpft danach wieder um ein Wort, bis ein Satz-Wort am Ende steht.

Wer macht mit? Teilt bitte eure Kreativität mit mir!

Träumt, lest und schreibt schön!

Euer Sebastian

Das alte Ich

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Liebe LeserInnen,

die spannendste Form des Tagebuchschreibens ist für mich der Brief des alten Ichs aus der Zukunft an mich, dem Ich aus der Gegenwart. So manches Mal hat dieses alte Ich genau verstanden, was zu tun ist und was ich gerade brauche.

Habt ihr euch auch schon einmal auf so ein Experiment eingelassen?

Träumt, lest und schreibt schön!

Euer Sebastian

Freddy

58|Liebe stillen Romanciers und Dichter,

in dieser Rubrik möchte ich euch zum Schreiben ermutigen. Die weltweit verbreiteteste Form, sich frei auf dem Papier auszubreiten, ist wohl das Tagebuchschreiben. Bald möchte ich ein paar Anregungen anbieten, die euch inspirieren die Tinte fließen zu lassen. Für heute biete ich euch eine Kurzgeschichte an (Personen und Handlung sind frei erfunden).

Wer weiß? Vielleicht verspürt der eine oder andere danach Lust, das verstaubte Tagebuch hervorzukramen und Gedanken und Gefühle festzuhalten.

Nun meine Geschichte:

Mit zitternden Händen sitze ich auf der Terrasse meines Lieblingscafés und suche in der Geldbörse nach Scheinen.

Lange werde ich mir hier die Getränke nicht mehr leisten können.

Gedankenverloren betrachte ich die Vase mit Löwenzähnen, die den kleinen Nussbaumtisch vor mir verziert.

Ich richte meinen Blick auf die Altbauten der Oberstadt und beobachte Passanten, die das Café passieren. Ein Kind schiebt ein BMX-Rad an, immer wieder den Blick auf die Eltern gerichtet, die gut gelaunt über das beste Eis der Stadt reden.

Vor einem Jahr gehörte ich selbst zu diesen glücklichen Menschen.

Seufzend drücke ich mir die Fingerkuppen auf die Augenlider.

»Möchtest du schon etwas bestellen?« Verhalten tritt eine Kellnerin an den Tisch. Ihr Haar leuchtet rot wie die Blätter eines Ahornbaumes.

»Ja«, entgegne ich. »Ich hätte gern Respekt, und zwar den doppelten!« Verwegen ziehe ich den linken Mundwinkel nach oben und zwinker ihr zu.

»Geht es dir nicht gut?« Die junge Frau mit der eng anliegenden Bluse runzelt die Stirn. Der Anflug eines Lächelns bleibt in ihrem Gesicht zurück, aber wohl eher aus Höflichkeit als aus Sympathie.

»T’schuldige, ist nicht mein bester Tag. Bring mir bitte ein Pils!«

»Gern.« Sie wendet sich ab und wechselt zum nächsten Tisch, um weitere Bestellungen aufzunehmen.

»Hey Jonas, fast hätte ich dich nicht wiedererkannt.« Ein Mann mit Hornbrille, Bürstenhaarschnitt und Drei-Tage-Bart nimmt mir gegenüber Platz.

»Kennen wir uns?«

»Oh ja! Wir waren auf der gleichen Schule.«

»Komisch. Ich kann mich nicht erinnern. Gewöhnlich merke ich mir Gesichter sehr gut.«

Der Fremde steht auf, beugt sich über den Tisch und rüttelt an meinen Schultern.

»Kein Wunder, Alter! Ich war schon immer der mit dem besseren Gedächtnis von uns!«

Behäbig kratze ich mich am Kopf.

»Das ist mir gerade peinlich. Ich habe wirklich keine Ahnung, wer du bist.«

Eine unangenehme Stille entsteht. Es mögen nur Minuten sein, aber sie kommen mir vor wie Stunden.

Die Kellnerin kehrt mit einem Tablett zurück.

»Kaffee und ein Pils«, sagt sie und stellt uns etwas hastig die Getränke auf den Tisch.

»Ich war so frei und habe mir einen Kaffee bestellt, Kumpel. Und was meinen Namen angeht: Vielleicht findest du ihn noch heraus, Royal Flush.«

»Woher kennst du diesen Spitznamen, den benutzten nur wenige Leute.«

»Du warst wie ein offenes Buch, Jonas.« Pfeilschnell wirft er ein Päckchen Zucker auf mein Gesicht zu.

Meine Reflexe sind nicht mehr so herausragend wie früher, aber immer noch beeindruckend. Wenige Millimeter vor meinem Auge fang ich das Päckchen und lese den Aufdruck:

»Jede Nacht stirbst du, aber jeden Morgen wirst du wiedergeboren und mit Kaffee getauft.«

Die Worte auf dem Zuckerpäckchen lassen mich unwillkürlich auflachen. Mein Lachen tilge ich wie eine fehlerhafte Variable einer Formel. Ich taxiere den Gast.

»Was soll das?«

»Ich wusste, dass du den Zucker fängst. Du fragst dich wohl, was mir das Recht gibt, mich so unverschämt zu verhalten?« Feixend hebt er die Tasse, als wolle er mir zuprosten.

»Ja. Das frage ich mich tatsächlich.« Mit Daumen und Zeigefinger drehe ich das Päckchen und lasse es auf den Tisch fallen.

»Du bist seit Jahren unverschämt zu dir.« Der Fremde schnuppert mit aufgeblähten Nasenflügeln am Kaffee, als habe er dessen Duft noch nie gerochen. »Also kann ich auch unverschämt zu dir sein«, fügte er hinzu.

Der Spinner leert die große Kaffeetasse, ohne einmal abzusetzen. Er lässt seinen Blick abschweifen und richtet ihn nach oben. Vielleicht, um den zerfallenen Wolken am Himmel nachzublicken.

»Du hattest sehr oft einen Royal Flush, du warst der beste Pokerspieler deiner Clique.«

»Spielten wir gegeneinander?« Ich durchforste in Gedanken die Gesichter meiner ehemaligen Freunde, aber keines ähnelt diesem Typen.

»Du hast oft betrogen«, sagt er.

Noch das Bierglas an den Lippen, verschlucke ich mich, huste und spucke Bier auf den Tisch. Meine Kehle fühlt sich an, als würde eine Faust sie umschließen, die langsam zudrückt.

»Ist alles in Ordnung?« Die Kellnerin betrachtet mich wie einen Idioten, den man nur mit Mitleid besänftigen kann.

Ich kriege wieder Luft und tupfe mir mit der Serviette Schweiß von der Stirn.

»Blöde Frage!«, motz ich die Frau an, die sich achselzuckend einem anderen Tisch zuwendet.

»Woher?« Ich zische das Wort mehr, als dass ich es spreche.

Mr. X glättet sein Sakko.

»Ich kenne dich schon lange, mein Freund!. Außerdem hast du es mir erzählt.«

»Ich habe so etwas nie wieder …«

»Ich weiß.«

»Aber ich denke, du kennst mich nur von der Schule.« Ich wische mir mit der Serviette nun über die Lippen.

»Ich kenne dich schon ewig.« Der Gast lächelt. »Du bist ein guter Junge. Als Unternehmer magst du eine Bruchlandung hingelegt haben, nicht jedoch als Mensch. Der Schlüssel zur Heilung deiner Seele liegt tief in dir verborgen.«

Was kommt als Nächstes? Die Frage, ob ich meine Seele verkaufe? Sitzt etwa der Leibhaftige vor mir?

Die Erinnerungen an den Niedergang meiner Werbeagentur schmerzen wie Giftpfeile in mir.

Wie ein Sturm, der massenhaft Bäume umknickte, so hatte der Markt das Vertrauen der Kunden in mich zum Einsturz gebracht.

Der letzte Baumstamm, der brach, war das Vertrauen in mich selbst.

Erneut vergrabe ich das Gesicht in meinen Händen. Ich wische mir über die Augen und lasse langsam die Hände sinken, um die Schläge einzustecken, die noch kommen mögen.

Aber Mr. X ist verschwunden. Vor mir stehen mein Bierkrug und die Tasse, aus der er getrunken hat. Erstaunt stelle ich fest, dass sie bis kurz unter der Oberkante gefüllt ist.

Was liegt denn da. Wo kommt das denn her?

Vor mir im Wind flattern die aufgeschlagenen Seiten eines Buches. Ich erkenne es sofort wieder: Mein altes Tagebuch mit allen Aufzeichnungen. Wie das? Ich war sicher, es verbrannt zu haben. Behutsam blättere ich darin und stutze. Die Betrügerei beim Pokern. Unzählige Worte, wie schlau ich war – ohne Gewissen, aber je mehr ich schrieb, desto mehr entdecke ich Mitgefühl für Freunde, denen ich Geld abgeluchst hatte. Ich zeigte Reue, verurteilte mich, bis ich mich mit Briefen an mein Tagebuch, das ich schon immer Freddy genannt hatte, die Schuld von der Seele wusch. Josh nahm ich damals verdammt viel Geld ab. Tränen bilden sich in meinen Augen, als ich lese, wie befreit ich mich fühlte, nachdem ich einen Großteil des zu Unrecht erworbenen Geldes ein Jahr nach Verlassen der Schule in Josh’s Briefkasten gelegt hatte.

Den Betrug behielt ich für mich. Nur das Tagebuch wusste davon. Ich schlage den letzten Eintrag auf. Unverkennbar meine Schrift, aber ich kann mich nicht daran erinnern, sie aufs Papier gebracht zu haben.

Fang an zu schreiben, wo du gerade bist. Du verbindest dich nicht nur mit dir selbst, sondern mit einer höheren, spirituellen Ebene. Jeder Satz ist ein Gebet. Tu es. Fühle es. Lebe es. Deine geschriebenen Worte werden dich lehren, deine Gefühle mit all ihrem Schmerz anzunehmen, um dich dann sanft von ihm zu befreien. Zu schreiben wird dir helfen, deinen Weg zu zementieren und zu gehen.

Das heutige Datum betitelt die Seite. Oh Mein Gott. Ich bin irre. Wie kam es hierher? Ich muss verrückt sein.

Zärtlich streichel ich den Ledereinband des Buchs, wiege es in den Händen und lege es sorgfältig vor mir nieder. Neben dem Buch liegt mein alter Lamy-Füller.

Ohne nachzudenken ziehe ich die Kappe ab und beginne, ein Wort vor das andere zu setzen.

Wenn, jetzt, wo ich versagt habe, mich Angst übermannt, wieder zu versagen, und ich mich aufgebe, wird mein Geist verkümmern. Nur mein Körper wird sich im Hamsterrad weiter drehen. Bis ich eines Tages sterbe, ohne je gelebt zu haben.

Alles, wovor ich Angst habe, wird ohnehin eintreffen. Ich werde eines Tages krank werden, ich werde Verluste erleiden und ich werde sterben. Wenn das die Wahrheit ist, warum fange ich dann nicht jetzt an zu leben?‹

»Möchtest du zahlen?« Eine Stimme, weit weg.

Verträumt betrachte ich den Himmel. Die Wolken lösen sich auf.

Ich nicke.

»8,30 Euro bitte.« In meinem Geldbeutel befindet sich noch ein 20-Euro-Schein. Ich gebe ihn ihr.

»Behalte den Rest.«

Die Kellnerin schüttelt mit dem Kopf.

»Das ist zu viel.«

»Nein. Diese Stunde hier war so wertvoll, die könnte ich gar nicht mit Geld aufwiegen. Leg einen Teil des Geldes zurück, wenn du willst. Falls jemand hier vorbeischaut, der arm ist und einen Kaffee trinken möchte, bezahle ihm diesen bitte von dem Geld.«

»Gute Idee«. Nun lächelt sie offenherzig.

»Der Mann, der mir gegenüber saß, konntest du ihn sehen?«

Sie lacht auf.

»Er sagte mir schon, dass du mich das fragst.«

»Was hat er noch gesagt?«

»Ich sollte dir schöne Grüße von Freddy bestellen.«

Schreibt, lest und träumt schön!

Euer Sebastian

Schmetterlingsphilosophie

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Liebe LeserInnen,

ein Schneeballtext beginnt mit einem Satz, bestehend aus einem Wort. Jeder Satz wird um ein Wort länger, bis er acht Wörter umfasst. Danach wird der Schneeball wieder kleiner, es folgt ein Satz mit sieben Wörtern, einer mit sechs, bis zum letzten Satz, der wieder ein Wort lang ist. Grammatik spielt dabei keine Rolle. Auch Zeilenumbrüche sind nicht erforderlich.

Ich wünsche euch einen wunderbaren Sonntag und schenke euch meinen ersten Schneeball:

Sonntag. Resümee ziehen. Seele baumeln lassen. Kopf leeren, sorgfältig auffüllen. Vorfreude, weitere Fortschritte zu machen. Als Autor, als Mensch, als Weltverbesserer. Was gibt es Neues zu entdecken, Welt? Ich will meine Komfortzone verlassen und mich entfalten. Der Kokon ist nicht Gefängnis, sondern Kraftraum. Ich baue Muskeln auf, durchdringe Wand. Kräftige Flügelschläge tragen mich empor. Den Kokon behüte ich. Für kraftraubende Gefahren. Als Rückzugsort. Schmetterlingsphilosophie.

Wollt ihr es auch mal versuchen?

Träumt, lest und schreibt schön!

Euer Sebastian