Sternenschnuppen am Schreibhimmel

Liebe LeserInnen,

74|Worte zünden Sterne. Und je leidenschaftlicher ich schreibe, desto heller beleuchten sie den Pfad, auf dem ich wandele.

Manche nennen es Morgenseiten, ich nenne es Seelenblick. Weil ich finde, dass man diese Seiten zu jeder Tageszeit schreiben kann. Mit dem Zweck, den Kopf zu entleeren und für den Tag zu erfrischen. Ich meditiere gerne, bevor ich meinen Seelenblick ins Innere wandern lasse – um entspannt und träumerisch bunte Worte in die Sterne zu schreiben. Wie ihr auf dem Bild seht, habe ich das heute wörtlich genommen. Ich habe meine Schreibsoftware so eingestellt, dass auf dem Hintergrund und Schreibfenster Sterne glänzen.

Besonders habe ich mich über Tippfehler gefreut. In den Sternen, wie ihr auf dem Bild erkennen könnt, leuchten Linien, die eher an Sternschnuppen erinnern, als an die eigene Fehlbarkeit.

Denn nur die Zeile, in der ich schreibe, ist weiß hinterlegt, der Rest des Textes verschmilzt mit dem Sternenhimmel. So lenken mich keine Worte ab, die ich vor Minuten geschrieben habe, nur eine Zeile ist wichtig. Beinahe so wie im Leben. Was besonders kostbar und zerbrechlich ist, ist dieser Moment. Das Jetzt. Das Besondere eines jeden Moments teilt Menschen nicht auf zwischen Arm und Reich, Versager und Erfolgreiche oder Kranke und Gesunde. Besondere Momente sind jedem zugänglich und wichtiger als Geld und Ruhm.

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Gefühle

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Liebe LeserInnen,

heute möchte ich etwas zitieren, was mich schwer beeindruckt hat:

»… Gefühle sind wie Wasser, sie passen sich stets der jeweiligen Umgebung an. Selbst die größte Trauer hinterlässt keine Spuren, und wenn man sie als überwältigend empfindet und sie so lange anhält, liegt dies nicht daran, dass die Gefühle erstarrt sind, denn das können Sie nicht, sondern dass sie stehen wie das Wasser in einem Waldsee.« («Sterben«, Knausgard, Karl-Ove, 2013, 14.Auflage, S. 340, Luchterhand Literaturverlag)

Ich liebe diesen Vergleich, weil ich ihn poetisch und auf geniale und zugleich schlichte Weise treffend finde.

Ich bin davon überzeugt, dass Knausgard damit Recht hat.

Manchmal, wenn das Wasser im Waldsee steht, kann ich es alleine dadurch abfließen lassen, dass ich eine Buchstabenpipeline lege und anfange zu schreiben. Es gibt Studien darüber, dass Schreiben Gefühlen jeglicher Art die Intensität nimmt und stabilisierend wirkt. Auch daran glaube ich. Um das Wasser aus dem Waldsee abfließen zu lassen, lassen sich auch andere Pipelines bauen. Musikpipelines. Bilderpipelines. Oder Gespräche-mit lieben-Menschen-Pipelines. Ist man gläubig, hilft es, die Rohre aus Gebeten zu bauen.

Rein sachlich betrachtet liefert Knausgards Vergleich keine bahnbrechend neue Erkenntnis. Aber jede Formulierung und jedes Sprachbild, und mag der Sachverhalt noch so einfach sein, kann durch die Melodie der Worte eine neue Perspektive zeigen.

Mich haben diese Worte sehr inspiriert, und ich finde sie wunderschön.

Schreibt, träumt und lest schön!

Euer Sebastian

Weichenstellungen

Liebe LeserInnen,

ich weiß nicht warum, aber irgendwie kam es gerade dazu, dass ich über das Thema »Entscheidungen« nachdachte, meine verqueren Gedanken; -) möchte ich gern mit euch teilen.

Im Nachhinein ist es leicht zu sagen: »Diese oder jene Entscheidung war die falsche« und man könnte bereuen, dass es so gekommen ist. Ich glaube aber, dass falsche Entscheidungen so bedeutsam werden können wie die vermeintlich hundertprozentig richtigen. Klingt verrückt und paradox, nicht wahr?

Aber so lange man anderen Lebewesen und der Umwelt würdevoll begegnet, darf man auch Fehler machen, die sich so richtig scheiße anfühlen.

Viel wichtiger als die Bewertung von Entscheidungsmöglichkeiten ist, wie man mit den Konsequenzen seiner Weichenstellungen umgeht. Wenn man mit Lebenslust und Entdeckergeist vorangeht, dann kann sich sogar die verkehrte Wahl als die richtige entpuppen.

Und am Ende waren es vielleicht die steinigen Wege, auf denen wir das meiste über das Leben gelernt haben. Denn besonders diese haben uns zu den Menschen gemacht, die wir heute sind.

59|Schreibt, träumt und lest schön!

Euer Sebastian

Schwäche

Liebe LeserInnen,

ein spannender Romananfang Stephen Kings inspirierte mich zu einer Schreibübung:

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»Ich war nie das, was man eine Heulsuse nennt. Meine Ex-Frau gab meinen »nicht vorhandenen emotionalen Gradienten« als Hauptgrund dafür an, dass sie mich verließ (als ob der Kerl, den sie bei den Anonymen Alkoholikern kennengelernt hatte, ganz nebensächlich wäre).« («Der Anschlag«, Stephen King, Wilhelm Heyne Verlag, München, S. 9).

Ich finde diesen Anfang aus Kings Roman genial. Gleich zu Beginn erfahre ich, dass die Hauptfigur unter der Schwäche leidet, schwer Gefühle zeigen zu können.

Wie Jake sich auf den ersten Seiten über seine Schwäche reflektiert, macht ihn für mich sehr sympathisch. Ich fühle seine Verletzung, verlassen worden zu sein und möchte mehr über ihn wissen. Wird es ihm sogar möglich, sich besser zu öffnen, oder wird er jemanden finden, der ihn so annimmt, wie er ist? Diese Figur zieht mich in den Bann. Wäre er einfach nur ein Typ, den seiner Frau sitzen gelassen hat und als aalglatter Charakter durch die Handlung stolpert, fände ich ihn langweilig und unnahbar.

Als ich das Buch aufgeschlagen und die ersten Seiten verschlungen hatte, fragte ich mich: Was ist meine größte Schwäche? Wie würde eine Erzählung verlaufen, in der ich mit Problemen der Außenwelt konfrontiert werde, um am Ende festzustellen, dass ich die Schwierigkeiten nur löse, wenn ich meine Archillisverse bezwinge?

Womöglich würde ich mich mehr trauen als in der Wirklichkeit, aber ich käme auf so manche überraschende Idee, in Lebensbereichen Fortschritte zu erzielen. Und wenn ich Wege im Kopfkino erkennen würde, gelänge es mir leichter, sie in der Realität zu zementieren.

Wagt ihr euch, eure Geschichte zu Papier zu bringen? Möglich, dass wir selbst der Protagonist sind, der unseren Makel überwindet.

Wenn ihr mehr Abstand braucht, versucht euch doch an einem Märchen oder einer Fantasy-Story mit euch als Prota. Diese Übung ist etwas sehr Persönliches, aber ich finde: Da jeder von uns der Mensch ist, der als Einziger ohne Unterlass mit sich sein Leben verbringt, dürfen wir uns das wert sein und die Story für uns selbst schreiben.

Schreibt, träumt und lest schön!

Euer Sebastian

Mit Buckelwalen geträumt

58|Liebe LeserInnen,

gut geschlafen? Plagen euch manchmal Gedanken, die euch beim Einschlafen hindern?

Habt ihr Haustiere? Beruhigen sie euch mit ihren Schlafgeräuschen? Eine Freundin sagte mir gestern, dass das Schnurren von Katzen sehr beruhigend sei und beim Einschlafen helfe.

Es gibt einen Audible-Podcast namens »Träumende Tiere«, für den eine Biologin und Fernsehjournalistin die Geräusche schlafender Tiere aufgezeichnet hat. Sie erzählt erst davon, was an den Tieren so faszinierend ist, und im zweiten Teil darf man ihnen dabei zuhören, wie sie die Traumwelt erobern.

Gestern lauschte ich dem Atem von Buckelwalen. Es dauerte keine zwei Minuten, und ich war eingeschlafen. In dem Podcast glänzen auch Labradore, Kängurus und Lippenbären mit träumenden Auftritten.

Der Schlaf ist unsere bedeutendste Quelle, Energiereserven aufzufüllen.

Was hilft euch beim Einschlafen?

Schreibt, lest und träumt schön!

Euer Sebastian

Reframing

58|
Liebe LeserInnen,
 
»Reframing« ist ein Begriff aus der Psychologie, der mich zu einem Gedicht inspiriert hat, dass ich euch als Geleit mitgeben möchte:
 
 
 
 
 
Düstere Wolken lassen es über dir regnen,
verdunkeln all das,
was du siehst.
 
Etwas Unsichbares presst dich
in eine Welt
aus Dunkelheit.
 
Du breitest deine Arme aus
und ertastest einen Rahmen,
der die Größe
deiner Welt
bestimmt.
 
Gebeugt von der
immer enger werdenden
Begrenzung
drückst du dich ihr
mit Kampfeswillen
entgegen
und plötzlich
veränderst du etwas,,
siehst Vogelschwärme
und klaren Himmel,
dort,
wo eine schwarze Umrandung
das Antlitz der Sonne
verborgen hatte.
 
Je weiter du den Rahmen nach außen schiebst,
desto vielfältiger und bunter
leuchtet dein Leben
und das,
was du darin
siehst,
denkst und
fühlst.
 
Dankbarkeit.
 
©Sebastian Domke 2018
 
Beim Reframing geht es darum, Erinnerungen an Erlebnisse zwar nicht zu verändern, aber dafür anders zu bewerten.
Ich nenne jetzt mal ein unverfängliches Beispiel:
Im letzten Sommer funktionierte plötzlich mein Notebock nicht mehr. Alle Texte, an denen ich arbeitete, waren darauf gespeichert.
Ich hätte mich stunden-, tage- oder eine Woche darüber aufregen können.
Stattdessen erkannte ich die Chance, das Schreiben mit der Hand wiederzuentdecken, so entstand unter dem Kirschbaum im Garten, angelehnt an den Baumstamm, eine Szene von »Mondscheintanz«, meinem Romanprojekt.
Mein Kopf wurde freier und ich besann mich auf das Wesentliche.
Eine durchweg positive Erfahrung.
Aber nur, weil ich meinen Rahmen mit den Blick auf positive Bewertungen eines negativen Ereignisses erweitert habe.
Natürlich gelingt mir das nicht immer, und ich weiß, dass es schlimme Ereignisse gibt, die man erstmal überhaupt nicht beschönigen kann. Oft genug war ich selbst in negativen Gedankenspiralen gefangen, um das zu wissen.
Aber allein die Möglichkeit, nach postiven Aspekten Ausschau zu halten, kann helfen, etwas zu verändern. Und ich habe das Gefühl, dass Reframing erlernbar ist (auf mich warten noch unzählige Stunden auf der Übungsmatte).
 
Lest, schreibt und träumt schön!
 
Euer Sebastian

Der Baum in mir

58|Liebe LeserInnen,

viele gute Gedanken kommen mir bei Spaziergängen:

Wenn ich schwach bin, bin ich schwach. Wenn ich stark bin, bin ich stark. Ich darf so sein, wie ich gerade bin. Das macht mich glücklich.

Ein weiser Mann sagte mal zu mir: »Ich habe den Eindruck, dass das Schreiben wie ein Baum in Ihnen gewachsen ist, der immer weitere Äste schlägt, und Sie selbst dann stabilisiert, wenn tragende Säulen wegbrechen.« Es ist lange her, dass ich diese Worte hörte. Aber erst jetzt wird mir deren Bedeutung und Ausmaß bewusst. Oft habe ich das Gefühl, dass mir das Schreiben geholfen hat, mich selbst besser anzunehmen. In mir pulsiert das Gefühl, dass ich erst am Anfang stehe. Bezaubernde Textschätze liegen vor mir und warten darauf, gehoben zu werden. Um diese Erfahrung zu machen, muss man nicht viele Bücher lesen. Füller und Briefpapier reichen.

Lest, schreibt und träumt schön!

Euer Sebastian

Abenddämmerung

Liebe LeserInnen,

ich wünsche euch zwischen den Marschbewegungen unserer schnellebigen Zeit Momente der Ruhe, zum Innehalten. Zu diesem Anlass teile ich meine Gedanken bei der gestrigen Abenddämmerung mit euch – von einem meiner Lieblingsplätze:

58|Sanftes Rauschen der Blätter im Wind. Vögel zwitschern, zwei davon verabschieden sich melodisch vom heutigen Tag. Ermutigendes Grillenzirpen. Am Horizont dreht sich stark und mächtig ein Windrad. Der Himmel schimmert golden und ich vermag meinen Blick nicht vom Windrad zu lösen. Manchmal fühle ich mich kraftlos, aber vielleicht verfüge ich über ähnliche Stärke, wie die Rotorblätter es präsentieren. Wenn die Berge umhüllt von Nebelschwaden sind, ist die Sicht zu dem Energiespender nur verschleiert, ähnlich, wie ich mitunter meine Kraftquelle nicht wahrnehme. Aber zu wissen, dass sie da ist, schenkt mir Hoffnung. Der Singsang der Vögel geschieht nun im Einklang eines Chors. Einzigartig schön und einheitlich beschwingend lausche ich einer Komposition, die nie dagewesen ist und nie wiederkehren wird. Dieser Moment ist pures Glück, in ihm steckt jener göttliche Funken, der sich offenbart, wenn man im Natürlichen das Besondere sieht. Der Horizont könnte auch Beginn eines Ozeans sein. Unten blau und darüber gelb-golden leuchtend die Himmelslinie. Ich fühle mich wie ein Wanderer am Rande der Welt, vor einem Universum, das noch niemand entdeckt hat. Ich habe das Gefühl zu verschmelzen, eins zu werden mit dem großen Ganzen, das mich umgibt, und von dem ich nur ein winziges Teilchen bin. Hin und wieder denke ich: Das große Glück ist so weit entfernt, dabei ist es is so nah, dass ich oft darüber gestolpert bin, ohne es zu bemerken.

Träumt, lest und schreibt schön!

Euer Sebastian

Einsamkeit

58|

Liebe LeserInnen,

an Maria Rilkes Briefen an einen jungen Dichter namens Kappus beeindrucken mich besonders seine tiefgründigen Gedanken über die Einsamkeit:

»(…)Aber vielleicht sind das gerade die Stunden, wo die Einsamkeit wächst; denn ihr Wachsen ist schmerzhaft wie das Wachsen der Knaben und wie der Anfang der Frühlinge. Aber das darf Sie nicht irre machen. Was not tut ist doch nur dieses: Einsamkeit, große innere Einsamkeit. Insichgehen und stundenlang niemandem begegnen, – das muss man erreichen können. (…)« [Rilke, Rainer Maria, verfasst 1903, Briefe an einen jungen Dichter, 6. Brief, Herausgegeben von Karl-Maria Guth, Berlin 2016]

Für Rilke war Einsamkeit eine Tür zur inneren Reifung. Einsamkeit kann sehr schmerzhaft sein, oh ja.

Ich genieße das freundliche Miteinander mit Menschen und erfreue mich fast täglich daran. Extravertiert wie ich bin, ist mir freundschaftliches Nehmen und Geben eine besondere Kraftquelle. Aber ich bin eben nicht immer extravertiert, auch ich brauche meine Phasen der inneren Einkehr, damit meine Seele sich organisch entfalten kann. Manchmal genügen mir dazu wenige Stunden, manchmal brauche ich Tage, an denen ich mich von der Außenwelt zurückziehe.

Ich bin Rainer Maria Rilke für seine Worte sehr dankbar. Denn sie haben mich gelehrt, in der Einsamkeit über den Schmerz hinauszugehen und zu wachsen.

Achtsamkeit ist ein Modewort.

Rainer Maria Rilke hat ihre Bedeutsamkeit im Jahr 1903 bereits voll erfasst.

Viele Menschen, die in den Neunzigern aufgewachsen sind, wissen noch, was es bedeutet, eigenen Gedanken eine bunte Wiese als Raum zu geben. Heute sind wir fast alle digital vernetzt, bereit, in Sekunden auf Nachrichten zu reagieren und in die Gedankenwelt anderer zu tauchen. Es ist so leicht, eine WhatsApp-Nachricht zu schreiben oder etwas zu posten, und der Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich aus dem Weg zu gehen. Ich werde meine Freude an Gesprächen nicht verlieren, aber vielleicht das eine oder andere Mal innehalten und fragen: Wo stehe ich gerade als Mensch? Wo will ich hin? Welche leise Stimme in mir möchte gehört werden?«

Schreibt, lest und träumt schön!

Euer Sebastian