Wie man dadurch, dass man Zeit verliert, Zeit gewinnt.

Jeder, der arbeitet, weiß, wie durchgetaktet der Alltag eines Chefs, eines Angestellten oder eines Selbstständigen ist. Termine. Termine. Termine. Zeitmanagementkurse, die helfen, möglichst viele Aktivitäten auf einem engen Raum unterzubringen, sind ebenso beliebt wie Entspannungskurse, die die Leistungen im Betrieb erhöhen, um noch mehr, um noch schneller Leistung zu erbringen.

Nach Feierabend geht es weiter. Essen kochen. Kinder versorgen. Computerspiele zur erhofften Entspannung spielen, rechtzeitig damit aufhören, um die Lieblingsfernsehsendung zu schauen, um die E-Mails zu checken, um Facebooknachrichten zu lesen und um Statusmeldungen zu posten. Ein Schrei in die Welt, eine Hoffnung, wahrgenommen zu werden, um Teil eines immer schnelleren, digitalisierteren Ganzen zu sein, ein Schrei in eine Welt, die so schnell atmet, dass die Unmengen von Buchstaben, die in ihr pulsieren, stumpf an den Computern, Handys und Tablets widerhallen und vom Sog der Zeit verschluckt werden. Vom Sog einer Zeit, die so schnell ist, dass selbst Gedanken in Vergessenheit geraten, bevor sie reif für die Ernte sind, unterbrochen von neuen, hämmernden Informationsblöcken, die uns überall begegnen. An Flachbildschirmen von U-Bahnen, Plakaten an Litfaßsäulen und lächelnden Politikern in Nachrichtensendungen. Wir bewegen uns nicht mehr selber, wir stehen still und die Zeit rast an uns vorbei. So temporeich, dass wir nicht einmal sehen, wer oder was uns über den Weg läuft. Wir atmen durch, wenn ein durchorganisierter Kalender einen Puffer von 20 Minuten übrig lässt. In der Zeit trinken wir eine Tasse Kaffee und denken schon an die nächsten Aufgaben, planen die Durchführung unserer unmittelbaren Vorhaben.

Was wäre, wenn man die Zeit anhalten könnte, nur die Zeit, sodass man sich selber einen Überblick verschaffen kann – über das, was um einen herum passiert, um zu sehen, wie es den Menschen, die man liebt und die man achtet, geht?

Was wäre, wenn alle Verpflichtungen so lange aufhören würden zu sein, bis man selber wieder merkt, was im Leben wichtig ist, und was einem selber guttut? Liefe die Zeit dann weiter, würden wir dann anders handeln?

Würden wir zu Fuß in die Stadt gehen, um zu beobachten, wie die Sonne nach wolkenverhangenen Tagen ein Tor durch die Wolkendecke brennt? Um wahrzunehmen, wie der Sommer im Kampf gegen die Kälte beginnt, wieder die Oberhand zu gewinnen?

Würden wir die Kopfhörer unserer Smartphones oder MP3-Player abnehmen, um zu lauschen, wie sich Stille anfühlt? Wie sie uns einlädt zur Verschmelzung mit unseren Werten, unseren Träumen, unserem Sein?

Von abertausenden Gedanken, die tagtäglich durch die Hochgeschwindigkeitsautobahn unseres Lebens jagen, sehen wir nur die Nuancen, die sich zu einem Bild verschmelzen, das sichtbar für andere wird und durch den Spiegel des Fremdbildes auf uns zurückgeworfen wird.

Was ist mit den anderen Gedanken, die im Hintergrund unseres Bewusstseins ihr Dasein fristen? Mit den Gedanken, die durch das Tempo unserer Umgebung verdrängt werden wie unliebsame Gäste in einem überfüllten Theater?

Nur einmal »STOP« sagen, nur einmal die Langsamkeit bejahen, nur einmal die Vielzahl unserer Gedanken einfangen, indem wir die Lautsprecher um uns ausschalten, indem wir in uns hineinhorchen wie in eine Meeresmuschel, vielleicht wissen wir dann am ehesten, warum wir hier sind, vielleicht wissen wir dann um die Tiefe unseres Daseins. Womöglich erkennen wir dann, dass, wenn wir auch mal nichts tun, wir nicht wertvolle Zeit verlieren, sondern kostbare Zeit gewinnen, die uns unser Sein am ehesten begreifen lässt.

Ähnlich, wie ein mit dicht nebeneinander gepflanzten Blumen gestaltetes Beet, in dem lauter verheißungsvolle Samen gesät werden, und in dem sich die Pflanzen das Licht, die Luft wegenehmen und sich gegenseitig behindern, untergraben wir uns in der Fülle von verheißungsvollen Plänen, wir sehen unsere zahlreichen Tagesordnungspunkte nicht mehr im Licht erstrahlen, weil die Masse untereinander ein Schattennetz bildet, in dem wir nicht mehr genug Luft bekommen, um uns von den Verzahnungen unserer Aufgaben zu erholen. Unser Selbst verendet.

Wenn wir weniger Verpflichtungen festsetzen würden, wenn wir nicht jeder neuen Information nacheifern, wenn wir uns auch mal der Stille, der inneren Ruhe hingeben würden, dann könnte unser Selbst gedeihen und prächtig erblühen, im Einklang mit unseren Mitmenschen und unseren Werten, ein Bild auf die Leinwand unseres Lebens projizierend, das uns dem Sinn und der Freude unseres Lebens näher bringt.

59|

Schreibspiele

Wie besprochen stelle ich heute einige Ideen für Schreibspiele vor, die uns z. B. bei der Lösung von Problemen helfen können.

All denjenigen, die jetzt aufstöhnen und sagen: »Schreiben ist aber nichts für mich«, kann ich mit Freude an dieser Stelle eröffnen, dass Sie die folgenden Übungen auch denkend oder sprechend (z. B. per Aufnahme mit einer Aufnahme-App 23|) durchführen können, wenn Sie sich das Endergebnis notieren.

Wenn es um die Bewältigung von Aufgaben geht, man über das Wissen verfügt, diese zu meistern, höre ich oft den Spruch: »Das ist Kopfsache.«

59|

Sie haben das bestimmt vielmals bei Sportübertragungen, Prüfungssituationen und anderen Wettbewerben jeglicher Art gehört.

Aber was nützt uns die Erkenntnis, dass es »nur Kopfsache« ist, eine künftige Herausforderung zu bewältigen?

Wie bringen wir unsere Köpfe in eine Verfassung, mit der wir unsere Ziele erreichen können?

Wenn ich hierauf eine allgemeingültige Antwort wüsste und diese verkauft hätte, würde ich mir eine Luxusvilla leisten und diesen Blogbeitrag auf einer wasserdichten Tastatur schreiben – bei 37 Grad Wassertemperatur inmitten meines Whirlpools des zum Anwesen gehörenden Parks.

Es gibt aber in der Tat Verfahren, mit denen man einen anderen Blick auf Probleme bekommen kann, um diese dann besser bezwingen zu können.

Inwieweit uns dabei das Schreiben helfen kann, darauf komme ich gleich zurück.

Zunächst möchte ich Ihnen den Camelot-Effekt vorstellen.

Der Begriff »Camelot-Effekt« begründet sich auf einer Szene des Musicals Camelot.

Merlin fragte, als ein Habicht über ihnen kreiste, seinen Schützling Arthus:

»Was sieht der Habicht, was der junge Arthus nicht sieht?«

59|

Arthus stellte sich vor, dieser Habicht zu sein, und entdeckte dabei etwas für ihn Neues.

Die Grafschaften in England waren zerstritten, aber mit dem aufgesetzten Kopf des Habichts sah er, dass – von oben betrachtet -, keine Grenzen erkennbar waren. Auf diese Weise reifte in Arthus der Wunsch, England später zu vereinen.

So die Sage, erzählt im Musical »Camelot«.

Klingt das nicht wie esoterischer Hokuspokus? Sich einfach vorzustellen, einen anderen Kopf aufzusetzen?

Ich glaube, dass dies wirklich funktionieren kann.

Als ich mich in meinem Alltag vor Jahren einer Vielzahl von Konflikten ausgesetzt war, stellte ich mir vor, wie mein Großvater damit umgegangen wäre.

Danach wurde ich ruhiger. Da ich den Charakter meines Großvaters gut kannte, habe ich durch das Einnehmen seines Blickwinkels mein Problem anders begutachtet, mit dem Ergebnis, dass ich auf zielführendere Herangehensweisen kam als zuvor.

Die 2011 verstorbene Vera Birkenbihl hatte sich dem »Camelot-Effekt« (der Link führt zu einem Youtube-Video mit Vera Birkenbihl) in einem Seminar gewidmet.

Aber, was um alles in der Welt, werden Sie vielleicht fragen, hat das mit meinen angekündigten Schreibspielen zu tun?

Ich hatte bereits in einem vorherigen Beitrag erwähnt, dass man beim Schreiben intensiver über seine Probleme nachdenkt, dass man in die Tiefe geht, während man oft beim Denken oder Reden nur an der Oberfläche kratzt.

Ein Problem, das uns allen Menschen gemein ist, ist die Sache mit den Konflikten.

Nahezu jeder Mensch gerät in seinem Alltag in Konfliktsituationen. Wer das komplett vermeidet, weil er sich schützen möchte, bei dem werden sich aller Voraussicht nach innere Konflikte verschärfen.

Für mich als Autor sind (zumindest die Konflikte in meinen Geschichten) etwas Wunderbares, weil gerade diese eine Story spannend machen.

Und es ist für mich aufregend, die Perspektive verschiedener Charaktere einzunehmen.

Auch wenn Sie keine Kurzgeschichten oder einen Roman schreiben, kann es Ihnen helfen, eine andere Perspektive einzunehmen, um z. B. zu eingefahrenden Denkmustern Abstand zu gewinnen.

Schreibübung 1:

Sie haben ein Problem, das Ihnen den Schlaf raubt? Ich schlage vor, Sie gehen ihren Familien- oder Freundeskreis durch oder denken über Künstler, Prominente oder Spitzensportler nach, von denen Sie glauben, Sie wären für die Lösung Ihres Problems prädestiniert.

Dann überlegen Sie: Wie würden Frau oder Herr XY über Ihr Problem schreiben, welche Lösungsvorschläge würden sie notieren?

Schreibübung 2:

Sie befinden sich im Konflikt mit einer Person?

Schildern Sie, wenn Sie mögen, den Streitfall aus Sicht der anderen Person.

Wenn Ihnen das unvorstellbar ist, weil Sich alleine schon beim Gedanken daran die Nackenhaare aufrichten, versuchen Sie es doch mit dem Kompromiss und führen Sie schreibend, einen imaginären Dialog mit dieser Person.

Bevor ich zu Schreibübung 3 komme, möchte ich Sie mit der 6-Hüte-Methode, erdacht von dem Autor Edward De Bono, bekannt machen:

Diese Technik wurde für die Verwendung in Gruppen entwickelt, mich brachte sie auf die Idee für

Schreibübung 3:

Der weiße Hut steht für »reine Fakten«.

Der gelbe Hut steht für »optimistisches Denken«.

Der schwarze Hut für »pessimistisches Denken«

Der grüne Hut steht für »ausgefallene Gedankenverbindungen, für Kreativität«.

Der blaue Hut steht für Struktur, Übersicht und Ordnung.

(Das ist die Aufteilung verschiedener Hüte nach De Bonos System.)

Sie haben ein komplexes Problem, Sie müssen eine schwerwiegende Entscheidung fällen?

Dann schlage ich vor, dass Sie sich eine Konferenz vorstellen, in der Sie mit sechs Profis zusammensitzen, die diese sechs Hüte tragen. Schreiben Sie nun in Dialogform auf, wie diese Experten über ihr Problem beraten.

Der Träger des blauen Hutes ordnet die verschiedenen Erkenntnisse und teilt sie Ihnen mit.

Wenn Sie dann noch eine Nacht oder zwei drüber schlafen, können Sie eine Entscheidung fällen, die Sie konstruktiv durchdacht haben.

Ich sehe es förmlich vor mir, wie Sie, liebe Leserinnen und Leser, die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sich sagen: »Ich habe gar nicht die Zeit, das alles aufzuschreiben.«  Dieser Einwand wäre sicherlich berechtigt.

Die gute Nachricht ist, dass Sie wie oben vorgeschlagen, diese Übung auch durchführen können, wenn Sie sich vorstellen, die entsprechenden Hüte aufzusetzen und nur das Ergebnis dieses Gedankenspiels notieren.

Ich möchte Sie auch nicht auffordern, jeden Tag wie ein Besessener zu schreiben.

Vielmehr möchte ich Ihnen als Anregungen ein paar Ideen vorstellen, von denen die eine oder andere für Sie funktioniert.

Selbst wenn Sie nur unregelmäßig solche Übungen absolvieren möchten, könnten Sie davon profitieren.

Mich würde das freuen.

Zum Schluss möchte ich auf eine Besonderheit hinweisen, die mir schon mehrere Male widerfahren ist:

Eine Angelegenheit raubte mir den letzten Nerv. Ich wusste, nicht, was ich unternehmen konnte, um mich von diesem Problem zu befreien. Also redete ich mit einem Freund darüber. Der Freund hörte mir zu und sagte bei der Schilderung meiner Sorgen so gut wie nichts.

»Danke, dass du mir bei der Lösung geholfen hast«, sagte ich ihm am Ende meines Monologs, worauf dieser entgegnete: »Danke, aber ich habe doch gar nichts gemacht.«

Umgekehrt, als Zuhörer, habe ich das auch schon des Öfteren erlebt, wie alleine die körperliche Anwesenheit als Zuhörer dazu führte, dass sich das Problem meines Gegenübers gelöst hat.

Oft steckt mehr Substanz in uns, als wir selbst für möglich gehalten hätten.

Was aber, wenn niemand greifbar ist, der uns zuhört?

Für diejenigen, denen Schreibspiel 3 mit der Konferenz zu umfangreich ist, schlage ich nun das folgende Spiel vor:

Schreibspiel 4:

Stellen Sie sich einfach Ihr »Alter Ego« vor, ihr zweites Selbst.

Der Begriff Alter Ego stammt von dem griechischen Philosophen Cicero (44 v. Chr.), der schrieb: »Ein wahrer Freund ist gleichsam ein zweites Selbst«.

Mein Tipp ist, dass Sie sich vorstellen, einen Dialog mit einer alten weisen Frau oder einem alten weisen Mann zu führen, der Sie als Person aus der Zukunft abbildet, und Sie besser kennt, als Sie sich selbst in der Gegenwart einschätzen können.

Ihr Alter Ego leitet Sie dann durch das Gespräch, das Sie zu Ihrer Problemlösung führt.

Falls Sie einige dieser Ideen ausprobieren sollten, freue ich mich über Feedback, ob Ihnen die Anregungen eine Hilfe waren. Vielleicht haben Sie sogar andere Vorstellungen, die für Sie besser funktionieren.

Über eine E-Mail22| an sebastian.domke@tintenkuenstler.de mit Erfahrungen oder Vorschlägen würde ich mich freuen.

Langeweile

Ich selber mag es, bei Pianoklängen zu schreiben und bei Musik, Dokumentationen oder Podcasts einzuschlafen. Nach Lesen des SPIEGEL-Artikels »Lob der Langeweile« habe ich mal für einige Stunden die Geräuschkulisse abgeschaltet. Es war spannend, was für interessante Gedanken sich aus der Stille heraus entwickelt haben, und – wie langsam die Zeit dabei vergangen ist.

Wir sind es gewohnt, immer unter Strom zu stehen. Fernseher. Radio, Smartphone, Laptop. Das alles sind Begleiter unseres Alltags, die für uns selbstverständlich geworden sind.

Vor fünfzig Jahren wäre es für die meisten Menschen noch Normalität gewesen, regelmäßig Stille mit gelegentlicher Langeweile zu erleben. Weil eben kein Handy im Wartezimmer oder an der Supermarktkasse in der Hosentasche auf seinen Einsatz gewartet hätte.

Ich genieße die Vorzüge der Technik und bin keinen Deut besser als ein Großteil unserer Gesellschaft. Gerade deswegen, und weil mit dem Fortschritt unser Maß an Verantwortung im Umgang mit Technik steigt, widme ich mich diesem Thema in meiner Thriller-Novelle »Die Urlaubs-App«, die in der Rohfassung fertig ist, und für deren Überarbeitung ich mir viel Zeit nehmen möchte, damit Sie, liebe Leserinnen und Leser, ein kurzweiliges Lesevergnügen erleben können.

Mein neuer Arbeitskittel …

Mein neuer Arbeitskittel ist heute gekommen (Der Pullover stammt aus einer limitierten Teezily-Kampagne.) … Das Kleingedruckte möchte ich an dieser Stelle nicht verschweigen:

»Ich bin Autor und lebe in einer Fantasiewelt mit unrealistischen Erwartungen. Danke für das Verständnis.«44|

So wie Postboten jeden Tag als solche gekennzeichnet zuverlässig die Post in unsere Briefkästen befördern, so bin ich von nun an als Autor erkennbar, ein Zusteller bin ich in gewisser Weise ja, und ich hoffe, dass Sie meine Geschichten und meinen künftigen Roman auch in Zukunft lesen werden, und auf ihrem Briefkasten kein fett umrandeter Aufkleber »Bitte keine Romane und Kurzgeschichten einwerfen« pappt.

So wie manche aufgeregten Besteller auf den Briefträger zulaufen, um Auskunft zu bekommen, ob das ersehnte Paket gekommen ist, so dürfen Sie mich gerne über den Haufen rennen und mich fragen, ob ich eines meiner Werke dabei habe.

Mir wird gerade bewusst, dass das mit der verrückten Fantasiewelt und den unrealistischen Erwartungen sehr gut zu mir passt. 🙂

Und noch was wird mir klar.

Selbstironie befreit, und wenn man über sich selber schmunzeln kann, lebt es sich um einiges leichter.
Um es mit den Worten des Kabarettisten und Schauspielers Joachim Teege zu sagen:
“Selbstironie ist die Kunst, sich so durch den Kakao zu ziehen, dass er noch schmeckt.”
 

38

Ich danke meinen lieben Freunden für die tolle gestrige Geburtstagsparty, bei der ich mich mindestens zehn Jahre Jünger gefühlt habe. 🙂 Ein besonderer Dank gilt Nadine für diesen wundervollen Geburtstagskuchen,

59|und Sascha für das exzellente musikalische Programm mit Gitarre und Gesang! Aber auch alle anderen haben dazu beigetragen, dass dieser Geburtstag für mich ein ganz Besonderer geworden ist.

Ihr seid die Besten!

Das schaffe ich aus dem Stand …

Heute stieß ich auf einen interessanten Artikel von Richard Norden, in dem dieser darauf aufmerksam machte, dass es viel gesünder und effektiver sei, im Stehen als im Sitzen zu arbeiten.

Als gelernter Bürokaufmann streifte ich in der Berufsschule mal das Thema »Ergonomie am Arbeitsplatz«, damals lag das Hauptaugenmerk jedoch noch darauf, welche Voraussetzungen der Bürostuhl erfüllen und welche Höhe der Tisch haben musste, damit Mitarbeiter produktiv in ihrem Betrieb arbeiten konnten.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie mein damaliger Chef gerne darauf hingewiesen hatte, dass es durchaus Sinn machte, den Drucker ein stückweit entfernt vom Schreibtisch zu platzieren, damit man am Tag oft genug von seinem komfortablen Stuhl aufstehen musste – mit dem Ergebnis, das man nicht so schnell verspannt und träge war wie nach acht Stunden ununterbrochener sitzender Tätigkeit.

Mein erster Gedanke nach dem Vorschlag von Herr Norden, Texte im Stehen zu schreiben, war: Das ist ja total verrückt!

Der zweite Gedanke war:

OK, ich bin als Autor ja auch ein wenig verrückt, dann kann ich es ja mal austesten.

Als ich mich in meinem Arbeitszimmer umsah, kam mir eine Idee: Da stand eine Kommode, auf der einige Pullover lagen. Kurzerhand befreite ich die Oberfläche und stellte zu meiner Zufriedenheit fest, dass die Höhe des Schranks optimal auf meine 1,95 m Körpergröße abgestimmt war.

Während ich diese Zeilen verfasse, stehe ich kerzengerade, als ob das Möbelstück eigens dafür gebaut worden war, dass ich in aufrechter Position Blogartikel, Kurzgeschichten und Romane ausarbeite.

27|

Ich sehe im Geiste das anerkennende Nicken meines früheren Vorgesetzten vor mir, das dieser aufsetzen würde, erzählte ich ihm von meiner zum Stehpult umfunktionierten Kommode.

Spätestens nachdem ich ihm mitteilte, dass mein Drucker von meiner Stelle nur eine Armbreite entfernt läge, würde sich auf seiner Stirn eine steile Furche bilden, und seine zustimmende Kopfbewegung würde einem vorwurfsvollen Blick weichen, der mich ernsthaft überlegen ließe, den Drucker lieber im Keller aufzustellen. Aber vielleicht würde er sagen: »Immerhin, so arbeiten Sie gesünder und erfolgreicher als zuvor.«

Ich glaube, er könnte damit recht haben; die Zeit vor meiner Kommode kommt mir außerdem weitaus spannender vor, als früher meine Wache vor dem Kasernentor, bei der meine Abwechslungen darin bestanden, diverse Truppenausweise zu kontrollieren, oder im Geiste das Lied »Vor der Kaserne, vor dem großen Tor, steht eine Laterne …« zu summen, und mich dabei immer wieder zu vergewissern, dass die Laterne immer noch ihren Platz einnimmt.

Ebenso befremdlich, wie, dass Wachsoldaten zur Erholung einen Stuhl zur Verfügung gestellt bekommen, erscheint es, dass Schüler ihre Klausuren in Zukunft stehend, und Verwaltungsangestellte ihre Geschäftsbriefe auf einer Kanzel schreiben.

Aber es gab schon verrücktere Ideen, die heute zur Selbstverständlichkeit geworden sind.

Wer hätte etwa vor 100 Jahren wohl gedacht, dass man innerhalb eines Sekundenbruchteils mit Menschen auf der ganzen Welt kommunizieren kann? Und, dass dies sogar für den Otto-Normal-Verbraucher umsetzbar ist?

In unserem Zeitalter des technischen Fortschritts haben wir uns alle gemütlich vor den Flachbildschirmen niedergelassen und dabei vergessen, dass unser Körper eben kein Computer ist, der sich passiv dank automatischer Updates neuen Begebenheiten anpasst.

Die Updates für unseren Körper können wir nur selber vornehmen, sie setzen u. a. Bewegung voraus.

Wer z. B. meine Beiträge zum Thema Selbsthilfe gelesen hat, der weiß, dass ich nicht moralisierend den Zeigefinger erheben, sondern nur Möglichkeiten vorstellen möchte, aus denen sich jeder so bedienen kann, wie er es mag.

Wer sich z. B. ausreichend sportlich betätigt und somit einen Ausgleich zum vielen Sitzen auf der Arbeit hat, der ist von den ungesunden Folgen des Bürostuhls sicherlich nicht sonderlich stark betroffen.

Ich habe darüber nachgedacht, dass ich noch einen oben drauf setzen könnte, in dem ich ein Laufband aufstelle und während des Laufens arbeite.

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass das zu viel des Guten wäre. In Momenten der Besinnung auf neue Ideen für meine Geschichten könnte ich zu laufen vergessen, mit der möglichen Konsequenz, dass mich das Band von den Füßen reißt und ich mir die Stirn auf meiner Tastatur blutig schlage.

Für Schriftsteller ist das Arbeiten im Stehen jedenfalls eine tolle Idee – sowie für den einen oder anderen, der eingefahrene Gleise verlassen möchte.

Wie mir gestern der Bus davonfuhr und ich deswegen zunahm

Gestern Nachmittag wollte ich noch schnell was einkaufen, um anschließend mit dem Bus nach Hause zu fahren.

Bei so einem herrlichen Wetter wäre es doch schön, ein Eis zu essen, dachte ich. Ich kaufe mir eine große Packung, esse ein Eis, den Rest nehme ich nach Hause und friere es wieder ein. Der Bus kommt ja in fünf Minuten.

Gesagt getan, etwas langsamer als es notwendig gewesen wäre, schlenderte ich zum Supermarkt und kaufte mir das Eis.

Soweit zu Teil 1 meines grandiosen Planes. 59|

Leider hatte ich zu viel getrödelt; die Schlange an der Kasse war zudem zu lang. Als ich mit meiner Eispackung das Geschäft verließ und ich an der Bushaltestelle ankam, stellte ich fest, das Teil 2 meines Vorhabens zum Scheitern verurteilt war, da der Bus seit fünf Minuten abgefahren war.

Mist, bei dem Frühlingswetter schmilzt das Eis in den nächsten 30 Minuten, fuhr es mir durch den Kopf.

Bevor Sie, liebe Leserinnen, liebe Leser, die nun folgende Handlung nachvollziehen, eine Erklärung vorweg:

Bitte wiederholen Sie das, was gleich folgt, nicht, ohne vorher Ihren Arzt konsultiert zu haben, und erzählen Sie bitte Ihren Kindern nichts davon.

Ich setzte mich also gemütlich auf eine Bank in der Nähe eines Brunnens, sog die angenehme Atmosphäre mit fröhlichen Menschen auf Sitzplätzen, spielenden Kindern und gurrenden Tauben, die Krümeln von Eiswaffeln hinterher eilten, in mich auf.

Ich liebe Eis – und ich genoss es, in dieser angenehmen Umgebung eins zu essen.

Da ich auf den nächsten Bus noch eine halbe Stunde warten musste und kein Gefrierfach in der Nähe war, aß ich ein Eis nach dem anderen, darunter auch eine Packung mit zehn Eis-Konfekt-Würfeln.

Auf der Bank schräg gegenüber saßen eine Frau und ein Mann, die ebenfalls Eis zu sich nahmen.

Der Mann betrachtete mich für einen Augenblick wie einen Wilden, der im Alleingang sämtliche Leckereien des Buffets eines Restaurants vertilgt.

Dieser Moment der Betrachtung war nur kurz, dauerte maximal zwei Sekunden, dann folgte der Beobachter dem Gesetz der Höflichkeit, und wandte seinen Blick von mir ab.

Auch wenn ich durch meine chillige Epoche gefühlte zwei Kilo zugenommen habe, hatte ich diese Zeit sehr genossen, indem ich die Eindrücke meiner Umgebung in mich aufnahm, Hörbuch hörte und beobachtete, wie die Blätter der umstehenden Bäume im Licht der Sonne leuchteten.

Wenn es nach mir ginge, könnte ich noch häufiger den Bus verpassen. Aber ich glaube, mein Hausarzt würde in diesem Fall rebellieren.

 

Ein kleiner Nachtrag

Gestern unterhielt ich mich mit einem Bekannten, der meine Blogserie zwar anregend fand, jedoch selber keinen Bezug zum Schreiben hat.

Er kann sich nicht dazu durchringen, sich hinzusetzen und Texte zu verfassen.

Allerdings stellt er sich Fragen, was am Tag erfreulich war, ohne das Ergebnis aufzuschreiben, redet mit Freunden darüber und nimmt Fotos von Momenten auf, die sich positiv auf ihn auswirken. Bei Bedarf schaut er sie sich an, um Erinnerungen zu reaktivieren.

Meine Selbsthilfe-Reihe wäre in Bezug auf den individuellen Nutzen ähnlich fragwürdig wie zahlreiche Ratgeber, die mit erhobenem Zeigefinger ihre Dogmen proklamieren, sollte ich diesen Einwand ignorieren.

Ein Aspekt, den ich bereits in Teil 2 dieser Reihe hinreichend beleuchtet habe.

Sie sind, wie im Beitrag von gestern, dem 11.04. herzlich eingeladen, meinen Vorschlägen zu folgen und sie für sich auszuprobieren.

Wenn Sie jedoch nichts für Sie sind, ist das kein Mangel Ihrerseits, sondern dann hängt das damit zusammen, dass Sie ein Individuum sind, für das andere Methoden besser funktionieren.

Gott sei dank ist jeder von uns einzigartig, deswegen ist es für mich wichtig, in meinen Beiträgen zur Selbsthilfe Impulse zu geben, aus denen sich jeder bitte das heraussuchen darf, was er gebrauchen kann.

Um auf die Herangehensweise des Bekannten zurückzukommen:

Es ist gut und richtig, mit andern Menschen zu reden und dabei seinen Blick auf stimmungsfrohe Details zu richten. Die Wahrnehmung für das Positive können Sie so sicherlich ähnlich fördern wie beim Schreiben eines Positiv-Tagebuchs.

Auch wenn Sie mehrfach über Belastendes mit Vertrauten sprechen können, verringert sich die Intensität des Negativen sicherlich ebenfalls, wie beim Verfassen von Zeilen für eine Art Ballast-Buch (Beitrag vom 11.04.)

Bei mir persönlich ist es so, dass ich auch viel aus Gesprächen ziehen kann, ich mich dank des Schreibens jedoch besonders tief begreifen und in mich eintauchen kann, während sich meine Gedanken ordnen.

Das ist meine eigene Erfahrung, und ich möchte Sie ermutigen, sich auf die Suche zu begeben, um die für Sie optimale Methode zu finden.

Die Idee, Fotos von wohltuenden Momenten, von der Natur zu schießen, finde ich klasse.

Ich glaube, wir brauchen positive Nuancen, die uns helfen können, Tiefs zu überwinden; und wenn sie wie ein Foto griffbereit in der Bilddatenbank des Handys liegen: Umso besser. 59|

Liebe Leserinnen, liebe Leser, wenn Sie so, wie der Bekannte von mir, Anregungen haben, mit denen Sie etwas zum Thema Selbsthilfe beitragen möchten, freue ich mich über eine E-Mail von Ihnen! Schicken Sie Ihre Anregungen bitte an sebastian.domke@tintenkuenstler.de.

Ihr Sebastian Domke

Das Tagebuch als Selbsthilfewerkzeug

Während die ersten beiden Teile meiner Blogserie eher abstrakt waren, möchte ich heute wie versprochen Methoden fürs kreative Schreiben, in diesem Fall fürs Tagebuchschreiben, anbieten.

Als ich in dieser Woche für diesen Beitrag recherchiert hatte, stieß ich auf eine Webartikel in »The Guardian«, der sich auf eine Studie der University of California bezieht, über welche der Psychologe Matthew Lieberman der Fakultät berichtete:

»‹Writing seems to help the brain regulate emotion unintentionally. Whether it’s writing things down in a diary, writing bad poetry, or making up song lyrics that should never be played on the radio, it seems to help people emotionally[ .]« – Sample, Ian, 2009, »Keeping a diary makes you happier«. In: The Guardian, 15.02.2009, zuletzt aktualisiert um 11.21 Uhr. Verfügbar unter: https://www.theguardian.com/science/2009/feb/15/psychology-usa

Nach den Worten des Psychologen reguliert das Tagebuchschreiben Gefühle, wodurch deren Intensität abnimmt.

59|

Zufällig stieß ich gestern in einem Zeitschriftenartikel auf eine Aussage, die o. g. Studie zu bestätigen scheint:

»Normalerweise wird die Intensität einer Emotion schwächer, je öfter man die entsprechende Erinnerung abruft. Negatives erscheint allmählich nicht mehr so niederschmetternd, umgekehrt verliert aber auch Positives an Glanz.« – De Brigard, F., 2016. »Was wäre wenn?«. In: Gehirn & Geist, 04/2016, S. 22.

Wie ich im Blog schon erwähnt hatte, kann man beim Schreiben tiefer zu seinem Innneren vordringen:

https://tintenkuenstler.de/tagebuchschreiben-eine-gewaltige-ressource/

Was liegt also näher, als den ganzen Ballast, der in uns steckt, mit einem hübschen Füller in ein Tagebuch zu schreiben, oder mit voller Inbrunst in die Tasten des Computers zu hauen? Als Ergebnis könnte die Heftigkeit der Gefühle ihren Schrecken verlieren und in unserem Ballast-Container verschwinden.

59|

Wie der Psychologe Matthew Lieberman erklärte, eignet sich gewöhnliches Niederschreiben dazu ebenso wie das Schreiben von Gedichten oder Song-Texten. Briefe und E-Mails können sicherlich einen ähnlichen Effekt erzielen. Dabei kommt es nicht darauf an, dabei in einem ansprechenden Stil zu schreiben. Es kommt darauf an, dass das, was wir loswerden möchten, von Herzen kommt.

Das ist ja schön und gut, mögen Sie jetzt denken, aber sollte ich dann nichts Positives in mein Tagebuch schreiben, wenn die positiven Erinnerungen an Intensität verlieren?

Meiner Ansicht nach können Sie ohne Bedenken glückliche Erlebnisse notieren, denn durch das schriftliche Reflektieren solcher Sternstunden schulen wir unsere Wahrnehmung für die schönen Augenblicke unseres Daseins, sodass wir uns an einem regnerischen Tag künftig möglicherweise nicht darüber ärgern, dass wir unseren Schirm vergessen haben, sondern uns darüber freuen, einen Cafébesuch genießen zu können, zu dem es nur gekommen ist, weil wir Schutz vor dem Niederschlag gesucht haben. 59|

Wenn wir immer wieder bewusst das Positive aus unseren Erfahrungen herausfiltern, fällt es uns auch leichter, in Zukunft aus anscheinend schlechten Ereignissen etwas Erfreuliches zu gewinnen.

Was bedeutet das fürs Tagebuchschreiben?

Wann sollten wir über positive, wann über negative Erlebnisse schreiben?

Wenn Sie eher negative Nuancen wahrnehmen, ist für Sie eine Rückschau, in der Sie positive Details reflektieren, vielleicht hilfreich, um in Zukunft aus so mancher Zitrone Zitronenlimonade machen zu können.

Beim Verarbeiten von belastenden Ereignissen, die Sie zu überwältigen drohen, könnte es für Sie ratsam sein, sich Ihren Frust von der Leber zu schreiben, damit dieser seine Intensität verliert.

Dies kann bei schweren Problemen natürlich keine Therapie ersetzen, ggf. kann das Niederschreiben diese jedoch unterstützen.

Wer das Tagebuch verwenden möchte, um innere Widerstände aufzuspüren und Fortschritte zu erzielen, der kann sich beim Schreiben einige Fragen stellen.

Da wir alle grundverschieden sind, sollten Sie sich Ihre Fragen selber überlegen. Ich unterbreite hier nur ein paar Vorschläge:

Welche Begegnungen mit Menschen waren heute besonders schön?

Welches meiner Vorhaben habe ich heute umgesetzt?

Welche Beobachtungen in der Natur haben mir gutgetan?

Am Ende des Tagebucheintrages könnte man sich Fragen stellen wie z. B.:

Was ist nicht so gut gelaufen, was kann ich aus meinen Fehlern lernen? Wie mache ich es das nächste Mal besser?

Was kann ich für mich tun, um die Stressfaktoren von heute demnächst besser bewältigen oder vermeiden zu können?

Dies alles sind nur Gedanken und Vorschläge. Ich möchte hier noch mal anmerken, dass ich in dieser »Selbsthilfe-Blog-Serie« nur Anregungen liefern möchte. Die Wahrheiten für jeden Einzelnen von Ihnen herauszufinden, das können nur Sie!

Um die positive Wirkung des Positiv-Tagebuchs zu schildern, möchte ich ein Beispiel aus meiner Ausbildung zum Bürokaufmann anbringen.

Es gab eine Phase, in der ich mit meinen praktischen Leistungen nicht zufrieden gewesen war. Also schrieb ich jeden Abend in mein Positiv-Tagebuch und erinnerte mich daran, was trotz meiner Schwierigkeiten gut gelaufen war, welche Probleme ich gut gelöst, welche Arbeiten ich mit einem guten Ergebnis abgeschlossen hatte.

Schreibend reflektierte ich mich intensiv, ich spürte Blockaden auf, die mich daran hinderten, mein Potenzial auszuschöpfen, und vermochte es, Lösungen zu entwickeln, die mir halfen, meine Arbeitsleistung und mein Wohlbefinden zu steigern. Während dieses Zeitraums war ich selbstbewusster, auch im Auftreten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten war ich souveräner.

Ich behaupte nicht, dass Sie nur leere Blätter mit Leben füllen müssen, und: Schwupps, alle Probleme seien weg.

Ich stelle hier lediglich ein Werkzeug vor, das nur eins von vielen auf unserer Baustelle des Lebens darstellt.

Wahrscheinlich funktioniert dieses Instrument auch nicht für jeden von Ihnen, von daher möchte ich Sie einladen, meine Vorschläge zum Ballast-Buch (egal ob in Form von Songs, Gedichten, Geschichten oder dem gewöhnlichen Aufschreiben von Erlebtem) und Positiv-Tagebuch mal auszutesten.

Ich persönlich bin davon überzeugt, dass wir beim Schreiben in unserem Tagebuch Schätze heben können, von denen wir vorher nichts wussten, und um die es zu schade wäre, würden Sie im Ozean unseres Unterbewusstseins brachliegen.

treasure-1238318_1920

Möglicherweise motiviert Sie – wie mich – folgende Textpassage:

»Von tausend Erfahrungen, die wir machen, bringen wir höchstens eine zur Sprache, und auch diese bloß zufällig und ohne die Sorgfalt, die sie verdiente. Unter all den stummen Erfahrungen sind diejenigen verborgen, die unserem Leben unbemerkt seine Form, seine Färbung und seine Melodie geben.« – Mercier, Pascal, 2006, Nachtzug nach Lissabon. 15. Auflage, München: Carl Hanser Verlag. S. 28

Wenn wir nur einen Teil der »stummen Erfahrungen« dank des Aufschreibens lebendig werden lassen können, dann ist das ein großer Gewinn für unser Leben und das Verständnis von uns, denke ich.

Im nächsten Beitrag möchte ich mich einigen Kniffen zuwenden, mit denen Sie sich auf spielerische Art und Weise dem Schreiben nähern können. Ich werde Spiele vorstellen, die Ihre Fantasie aktivieren werden.

Womöglich fragen Sie sich jetzt, was das dann noch mit Selbsthilfe zu tun hat?

Das Nutzen und Fördern von Kreativität kann uns – davon bin ich überzeugt – helfen, neue Talente in uns zu entdecken und noch nicht da gewesene Leidenschaften zu entfachen.

Diese Perspektiven können ein wichtiger Baustein für unsere Selbsthilfe sein.

Ich wünsche Ihnen eine sonnige Woche! Bis zum nächsten Mal!

Ihr Sebastian Domke