Das beste Buch zur Selbsthilfe

Kennen Sie das? Sie besuchen ein Seminar, lesen ein Buch, hören von einer neuen Methode, die Ihre Probleme löst und haben das Gefühl, Sie können mit dem neuen Wissen Bäume ausreißen?

Und dann, nur wenige Tage oder Wochen später, verpufft Ihre Energie und der Alltag hat Sie wieder eingeholt?

Waren die Tipps, die aus dem Anti-Raucher-Seminar stammten, nicht wirkungsvoll genug?

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Waren dir Ratschläge aus einem Buch, mit dem Sie Ihre Sorgen loszuwerden erhofften, nicht effektiv?

Waren die Hilfestellungen Ihres Freundes, der Sie erst mit den neuesten Erkenntnissen über Zeitmanagement begeistert hatte, nur halb so gut wie angepriesen?

Oft liegt es nicht einmal an den Büchern, Dozenten und Freunden, dass Anregungen nur ein Strohfeuer entfachen.

Ich glaube, dass die Problematik, die von sogenannten Ratgeber-Büchern und Seminaren ausgeht, u. a. darin besteht, dass uns Lösungen angeboten werden, die für jeden Leser, jeden Zuhörer wie am Schnürchen laufen sollen, ähnlich wie bei einer Schuhfirma, die Schuhe nur in einer Größe bereitstellt.

Die Schuhe mögen ansehnlich und widerstandsfähig sein, wenn sie nicht passen, nützen Sie uns nur leider nichts. 59|

Im Gegensatz zu zu klein oder groß geratenen Schuhen haben wir als Konsumenten von Kursen und Büchern einen Vorteil.

Die Schuhgröße können wir nicht selber verändern, wohl aber die Anwendung von Tipps auf unsere Individualität und besondere Situation.

Und das klingt einfacher, als man denkt. Denn verkündete Weisheiten betrachten wir nur zu leicht als fundierte Wahrheiten, eine Gefahr, der man schon täglich ausgesetzt ist, wenn man den Fernseher einschaltet.

Falls jemand z. B. ein Buch kaufen möchte, das helfen soll, mit dem Rauchen aufzuhören, ist es ratsam, nicht jedem Wort blind zu folgen, sondern immer wieder zu fragen: Funktioniert das für mich? Wie kann ich die vorgeschlagene Methode so für meine Persönlichkeit, für meine Bedürfnisse modifizieren, dass sie für mich zu einem nachhaltigen Ergebnis führt?

Wenn sogenannte Fachleute dozieren oder Bücher schreiben, wagt man sich manchmal nicht, deren Worte zu hinterfragen, und falls die Präsentation professionell erfolgt ist, wächst der Respekt ins Uferlose.

Vor einigen Jahren habe ich mir in einer Gemeinde eine Predigt angehört, an die ich mich zu Teilen heute noch erinnern kann.

Der Pastor berichtete u. a. von einem Restaurantbesuch mit seiner Frau während des Urlaubs, und einem Menü, dass sie dort serviert bekamen. Einiges auf dem Teller schmeckte vorzüglich, anderes war für sie nahezu ungenießbar.

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Was haben sie also getan?

Richtig, sie haben das Gute gegessen und den Rest liegengelassen.

Denn schon in der Bibel steht »Prüfet alles und behaltet das Gute.«

Über den theologischen Zusammenhang dieses Satzes will ich mich hier nicht auslassen. Das sollen Experten übernehmen, die das weitaus besser verstehen als ich.

Aber in diesem Satz steckt eine Weisheit, die für unsere informationsbeladene Zeit treffender nicht hätte sein können.

Wenn Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, den Selbsthilfemarkt ansehen, dann treffen Sie auf Unmengen von Autoren, auf Unmengen von Methoden, die uns glücklicher, gesünder und erfolgreicher machen sollen.

Wer Freude daran hat, sich aus diesem Markt zu bedienen, den bitte ich, das kritische Auge immer mitlesen zu lassen und die Rezepte für seine Wünsche anzupassen.

Meine bisherigen Ausführungen mögen ein wenig abstrakt sein.

Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass ich an dieser Stelle nicht auf bestimmte Bücher eingehe. Warum ich das nicht tue? Wer meinen bisherigen Beitrag www.tintenkuenstler.de/was-verbirgt-sich-hinter-selbsthife gelesen hat, der ahnt es vielleicht schon.

Ich glaube, dass Selbsthilfe nicht aus Büchern oder genialen Vorträgen zu uns kommt, sondern, dass Selbsthilfe unserem eigenen Inneren entspringt.

Wir alle besitzen ein großes Maß an Lebenserfahrung, haben Unglück und Glück erlebt sowie Bekanntschaft mit dutzenden Strategien gemacht, wie man das eine oder andere Problem anpacken kann. Nun sind wir an der Reihe, selbstständig Strategien anzuwenden, die für uns funktionieren, vergleichbar mit einem Konditor, der zahllose Rezepte für Kuchen kennengelernt hat, und nun, auf Basis dieses Wissens, unverkennbare, kreative, köstliche Kuchen backt. 39|

Das bedeutet auch, dass Selbsthilfe viel mit Praxis zu tun hat. Wenn wir aktiv sein müssen, um Fortschritte zu vollbringen, und dabei unser eigenes Ding machen, dann, so glaube ich, können wir auch nachhaltig Veränderungen schaffen.

Wenn man abnehmen möchte und darüber Tagebuch schreibt, seine eigenen Widerstände, Erfolge, Gedanken und Erlebnisse aufschreibt, dann weckt man z. B. seine eigenen Ressourcen. In den Tiefen unseres Unterbewusstseins schlummert so manche neuartige Idee, so manche Fähigkeit, so manche Strategie, seine persönlichen Ziele zu erreichen.

Beim Tagebuchschreiben taucht man aus meiner persönlichen Erfahrung heraus in die Tiefen seines Selbst ein, und kann dabei Schätze heben, von denen man zuvor noch gar nichts wusste.

Ein Raucher, der dank des Niederschreibens herausfindet, dass er deswegen mit dem Rauchen begonnen hatte, weil ihm langweilig war, und der entdeckt, welches Hobby und welcher ureigene Wunsch ihn dazu bewegen könnte, seine Sucht loszuwerden, hat mehr erreicht, als beim Lesen so manchen Buches.

Auf den Sinn des Tagebuchs habe ich bereits in meinem Blog verwiesen (https://tintenkuenstler.de/tagebuchschreiben-eine-gewaltige-ressource/).

Um das Potenzial dieses hervorragenden Selbsthilfewerkzeugs aufzudecken, war dieser Beitrag unzureichend.

Nur damit keine Missverständnisse aufkommen. In diesem und jedem weiteren Beitrag meiner Blogserie vermittele ich keine unumstößlichen Weisheiten, sondern nur Anregungen und persönliche Sichtweisen.

In den letzten Jahren habe ich mit Menschen gesprochen, die Tagebuch geführt und dadurch in der Therapie große Fortschritte erzielt haben.

Ich glaube, dass dieses Hilfsmittel in der Therapie noch unterschätzt wird, ich für meinen Teil bin davon überzeugt, dass das Schreiben unabhängig vom Bildungsstand oder von den sprachlichen Fähigkeiten als Selbsthilfe wertvolle Dienste leisten kann.

Dabei kommt es meiner Meinung gar nicht einmal darauf an, in welcher Form man schreibt.

Egal, ob als Gedicht, Songtext, Gebet, Kurzgeschichte, Biografie, Sudelbuch oder Positivtagebuch, jede Variante führt uns zu unseren eigenen Tiefen, und kann uns helfen, uns besser zu verstehen, innere Widerstände aufzuspüren, ja sogar, zu überwinden.

Was ich aus der Erfahrung des kreativen Schreibens bestätigen kann, ist, dass regelmäßiges Schreiben zu einem Aufräumprozess führen kann. Die Gedanken werden klarer und strukturierter, manchmal ist es für mich so, als ob Belastendes beim Tippen aus meinem Kopf verschwindet und in den Katakomben der Festplatte meines Computers archiviert wird.

Ich behaupte nicht, dass Ratgeber, egal ob Freunde, Seminarleiter oder Bücher, immer Lügen präsentieren, ich behaupte nur, dass die meisten von uns genug erlebt haben, um unser eigenes Buch mit unseren Wahrheiten füllen zu können. Erkenntnisse, die wir gefunden haben und die uns anhaltend bei unseren Zielen unterstützen können.

Das beste Buch zur Selbsthilfe ist für mich von daher das Tagebuch. 59|

Ich glaube, dass das »Kreative Schreiben« eines der wirksamsten Werkzeuge ist, die uns zur Verfügung stehen.

Im nächsten Teil möchte ich mich diesem Instrument eingehender widmen.

Bis zum nächsten Mal!

Ihr Sebastian Domke

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