“I can’t dance” – Das Nichtkönnen feiern

59|1991. Genesis. »I can’t dance« Eine meiner ersten Musikcassetten. Ich war dreizehn und hörte die MC, bis sich das Band wunscheuerte.

Wenn ich damals englischsprachige Songs hörte, konnte ich von den Wörtern kaum etwas übersetzen. Aber ich verstand, was »I can’t dance« bedeutete, und unbeschwert, wie der Hit an mein Ohr drang, brachte er mir etwas über das Leben bei: Es ist ziemlich cool, das Nichtkönnen zu feiern (Den gesamten Text zu übersetzen, um herauszufinden, in welchem Kontext der Titel zu verstehen war, kam mir nicht in den Sinn.) Ich erinnere mich noch daran, wie ich wild gestikulierend durchs Zimmer wirbelte, so, als ob mir zwei Wespen in die Sitzhöcker gestochen hätten. Ja, ich konnte nicht tanzen und feierte es bis zur Erschöpfung.

In meiner Jugend war es nur eine Idee, eigene Fehler zu akzeptieren oder gar zu feiern. Erst viel später in meinem Leben sollte ich begreifen, dass sich dahinter nicht nur ein Gedanke jenseits aller Normen, sondern eine Voraussetzung für Glück verbirgt.

In den letzten Tagen hörte ich den Song unzählige Male – mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Und auch während ich diesen Text schreibe, höre ich das Lied. Ich denke an Peinlichkeiten und Fehler, die mir im Alltag passieren, ich denke an all das, was ich nicht weiß und nicht kann und muss wieder breit grinsen. Ich denke an Wissenslücken, Fehler und Missgeschicke von Freunden und Bekannten und kriege das Grinsen nicht aus dem Gesicht.

Denn das ist es doch, was uns ausmacht und wovon wir später lachend erzählen werden, wenn wir gemütlich zusammensitzen: Von unserem einzigartigen Charme, gewürzt mit unseren liebenswürdigen Unzulänglichkeiten. Unperfekt ist perfekt. Also los: Lasst uns das Nichtkönnen feiern und darauf abtanzen!

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