Katharsis

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Liebe LeserInnen,

in der Psychologie bedeutet Katharsis »psychische Reinigung«.

Wer kennt das nicht?

Momente im Leben, in denen man ordentlich durchgeschüttelt wird. Innere Konflikte und verdrängte Gefühle legen den Turboschleudergang ein, man gerät in einen Sog und verliert sich darin. Erneutes Verdrängen ist eine Möglichkeit. Die andere ist Ausleben und Loslassen. Damit meine ich nicht das Zerkleinern der Wohnungseinrichtung. Nein. Die wilde und zugleich sanfte Methode, die ich bevorzuge, ist, die ganze Scheiße ungehemmt aufzuschreiben, sodass die Seele zu beben beginnt.

Ich habe es einige Male probiert. Manchmal schrieb ich dreißig Minuten, manchmal bis zu einer Stunde. Mit der Zeit brach der Ballast auseinander und löste sich auf – wie schäumende Wellen an einem Strand. Dann hielt ich inne und konzentrierte mich für eine Weile auf die Atmung. Meine Gedanken waren ruhiger geworden, kamen und gingen wie sanfte Strömungen. Schließlich schloss ich den Text mit einem Resümee ab. Oft war es der wertvollste Gedanke, der aus der Reinigung hervorging. Nun las ich den Text zum ersten Mal und markierte mir die Passagen, die mir besonders guttaten.

Nach einigen Tagen ist es spannend, die niedergeschriebenen Gefühlsexplosionen nochmals zu lesen, in einer Situation, in der man zu den Problemen Abstand hergestellt hat. Diese Erfahrung steigert das Selbstwertgefühl, weil man einen Sturm überstanden und Selbstvertrauen für die kommenden Turbulenzen gewonnen hat.

Diese Inspiration für das reinigende Schreiben habe ich aus dem Buch »Federleicht« von Barbara Pachl-Eberhart übernommen. Das Buch schlägt eine Brücke zwischen therapeutischem und literarischem Schreiben. Es ist eines meiner Lieblingsbücher und ich empfehle es jedem Schreibbegeisterten und jenen, die es werden wollen.

Träumt, lest und schreibt schön!

Euer Seastian

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