Mrs. Diva

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Bis es dunkel wurde, saß ich im Garten und las. Dann packte ich mein Zeug zusammen und wollte durch den Keller ins Haus gehen. Um besser sehen zu können, leuchtete ich mit der LED-Lampe meines Smartphones voraus … und verharrte. Jemand war auf die oberste Stufe getreten. Der Schein der Lampe tauchte ihren zierlichen Körper in grelles Licht. Eine Lady hatte die Bühne betreten. Als der Lichtkegel auf sie gerichtet war, zitterte sie, so, als hätte sie zu Beginn ihrer Vorstellungen noch mit Lampenfieber zu kämpfen … dann stand sie still da, bewusst, dass ich ihr Publikum war und ihr zuschauen würde. Stumm sahen wir uns an. Die Sekunden verrannen. Ich hatte den Eindruck, dass sie ein Profi des Showgeschäfts war.

Sachte trat ich einen Schritt näher an sie heran. Pfeilschnell verschwand die Maus, die kaum größer als eine Fingerkuppe war, im winzigen Loch vor der obersten Treppenstufe. Wieder blieb ich stehen. Und Mrs. Diva raste so schnell, wie sie verschwunden war, wieder zurück ins Rampenlicht. Ja. Ich war ihr Publikum und sie spielte mit mir. Das Spiel setzte sich mit jedem meiner Schritte fort. Bis ich durch die Kellertür ins Haus ging und hinter mir abschloss.

Über ihre Grazie war ich so erstaunt, dass ich ganz vergessen hatte, mich bei ihr für die Darbietung zu bedanken. Wer kann schon von sich behaupten, in der Stille der Nacht einer Diva mit Star-Appeal und Bühnenerfahrung begegnet zu sein?

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