Endlich Mensch

Seit meiner Diagnose Schizophrenie sehnte ich mich danach, mich nicht mehr als Diagnose, sondern endlich als Mensch zu verstehen, der es Wert ist, anerkannt, respektiert und geliebt zu werden. Die Reise vom Makel zur Möglichkeit ist nicht nur mein Leben, sie ist Passion, Berufung und Heilung.
Egal welche Behinderung, welche Krankheit und Krise du durchlebst, in meinem Newsletter »Endlich Mensch« lade ich dich ein, dich anzunehmen und zu lieben, deine Stärken zu entfalten, deinen persönlichen Sinn zu finden und deine persönliche Reise anzutreten: Vom Makel zur Möglichkeit, zu dem Menschen, der du sein möchtest – aber ohne die schmerzhaften Umwege, die ich gehen musste.

Der Newsletter ist für dich kostenlos, es steht dir aber frei, die Abo-Einstellungen anzupassen und meine Arbeit zu unterstützen.

Vom Makel zur Möglichkeit

Nachdem ich an akuter Schizophrenie erkrankt war und mich nach einigen Lebenskrisen stabilisiert hatte, sagte ich zu einem Freund: 
»Ich bin krank, ich kann nichts Bedeutendes leisten.«
Er antwortete: »Hör auf, dich als krank zu sehen. Du bist normaler als die meisten Menschen, die ich kenne.«

Dieser Satz irritierte mich, denn bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich über meine Diagnose verstanden. Erst wehrte ich mich, mich als gesund zu sehen – krank und mich als Opfer zu betrachten, war einfacher, und es verlieh mir eine trügerische Sicherheit.

Dieser Freund legte immer wieder den Finger in die Wunde. Dabei lenkte er stets den Blick auf das, was an mir lebendig, kraftvoll und gut war.
Ich schrieb erste Kurzgeschichten, zu denen er mir Feedback gab, das mir half, mich zu verbessern. Er erkannte, dass ich beim Erzählen Talent und Spaß hatte, und bestärkte mich, weiterzumachen. Auf diese Weise unterstützte er mich darin, an mich zu glauben und meinen Wert zu erkennen. 

Meine Geschichten halfen mir, belastende Erfahrungen in Worte und Bilder zu verwandeln, dank denen ich meine Stimme fand, jene Stimme, die es mir ermöglichte, zu verstehen, wer ich war, und, wer ich sein konnte.
Das Schreiben schärfte auch die Sprache im Umgang mit anderen Menschen.
Ich lernte zu sagen, wenn mich etwas verletzte, und, für das einzustehen, was mir am Herzen lag.

Einen magischen Moment erlebte ich, als ich in der Kennenlernphase meiner Partnerin sagte »Aber ich hab doch die Diagnose Schizophrenie«, und sie antwortete: »Deine Diagnose bedeutet für mich so viel wie das kleine Muttermal an meinem kleinen Finger. Sie spielt für mich keine Rolle.« Ich wollte es genau wissen, und so suchten wir gemeinsam besagten Finger ab, um das Muttermal zu finden, doch es war mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Genau in einem solchen Raum, in dem wir uns nicht als Kranke und Gesunde, sondern endlich als Menschen erleben, bräuchte es das Wort »Inklusion« nicht mehr. In dieser Idealvorstellung eines Ortes sind gegenseitige Annahme und ein wertschätzendes Miteinander so selbstverständlich wie das Lachen eines Kindes.

Dank meiner Partnerin und wunderbaren Freunden, mit denen ich Seite an Seite durchs Leben gehe, gewann ich immer mehr Selbstvertrauen, das mich schließlich zu meiner Berufung führte: Geschichten zu schreiben, mit Leben zu füllen und zu teilen, damit Menschen ihren Wert erkennen.

Nun möchte ich mit dir darüber schreiben, was trotz oder vielleicht sogar wegen unserer Behinderungen unsere Stärken bedeuten. Jeder Mensch braucht es, mit seinen Stärken und positiven Eigenschaften gesehen zu werden und möchte sich mit diesen einbringen.

Schreibübung

Welche Fähigkeiten und positiven Eigenschaften entwickeln behinderte Menschen – vielleicht sogar wegen ihrer Erfahrungen und Einschränkungen?
Stell dir vor, welche Stärken Menschen mit Behinderungen, die du kennst, dank ihrer Erfahrungen entwickelt haben. 
Vielleicht geht es dir wie früher mir, als ich mir nicht vorstellen konnte, irgendwelche sinnvollen Fähigkeiten zu besitzen.
Dann darfst du dir gerne das Bild über diesem Text anschauen, in dem ich typische menschliche Fähigkeiten aufgelistet habe. Lass dich inspirieren und entscheiden, welche dieser Begriffe für Menschen mit Beeinträchtigungen typisch sind, die schwierige Krankheitsphasen und Lebensabschnitte gemeistert haben.
Wenn du dann überlegst, was du, seit du krank geworden bist, alles Neues gelernt hast, werden dir bestimmt jede Menge Stärken und positive Eigenschaften einfallen.
Ich lade dich ein, die Stärken, die dir in den Sinn kommen, in Stichpunkten zu sammeln und mir per E-Mail zu senden. Gerne auch in einem ausführlichem Text. Deinen Beitrag werde ich dann mit deinem Einverständnis auf dieser Seite veröffentlichen.

Schreibübung: Deine Stärken

Gedichte können mit wenigen Worten Wesentliches aussagen. Gerade ihre Kürze regt die Fantasie an und macht Gedanken sichtbar, die einem vorher vielleicht noch nicht klar waren.
Ein Elfchen ist ein Gedicht aus genau elf Wörtern. Es besteht aus fünf Zeilen: In der ersten Zeile steht ein Wort, in der zweiten zwei, in der dritten drei, in der vierten vier und in der fünften wieder ein Wort.
Schreibe ein Elfchen über eine Stärke von dir. Du kannst eine besondere Stärke beschreiben, mehrere Stärken nennen oder deinen Weg in Worte fassen, der dich zu deinen Stärken geführt hat.

Nun bist du dran! Schreib mir dein Elfchen bitte in die Kommentare unter dieser Website.

Dein Brief an die Politiker

Nun liegt es in deiner Hand, etwas zu ändern. Schaue dir die Vorschläge für verschiedene Bereiche,  in denen du dir mehr Unterstützung wünscht und schreibe: »Liebe Politiker, ….«, dann lass dein Herz sprechen und schreibe einen Brief darüber, welche Veränderungen für Menschen mit Behinderungen dir am Herzen liegen.
Selbst falls keine der hier gesammelten Forderungen umgesetzt würden, gebe ich dir die Garantie, dass sich etwas ändern wird. Denn: Schreiben ändert zwar oftmals nicht die Welt, aber immer den, der schreibt. Denn die Worte, die wir aufs Papier fließen lassen, schenken uns Identität, Ausdruck und Zugang zu unseren Stärken – um, wie Gandhi es so schön ausgedrückt hat, selbst die Veränderung zu sein, die wir uns von der Welt wünschen.
So wie mir vor zehn Jahren ein Freund geholfen hat, den Blickwinkel von den Makeln auf die Möglichkeiten zu lenken und meine Stimme zu entdecken, möchte ich dir heute der Freund sein, der dich unterstützt, deinen Wert zu erkennen und die deine zu finden.

Klicke gerne auf den Button unter den Text und schreibe mir eine E-Mail, mit all dem, was sich deiner Meinung ändern sollte. Deinen Beitrag werde ich dann auf dieser Website veröffentlichen.

Dieser Beitrag hat 9 Kommentare

  1. Flo

    Narben
    werden leise
    zu goldenen Linien
    aus Zweifel wächst plötzlich
    Stärke

    Ein tolles Projekt, lieber Sebastian!

    1. Sebastian Domke

      Vielen Dank 🙂

  2. Katrin

    Sebastian, was du mit deiner Geschichte schenkst, ist etwas sehr Kostbares: ein leiser Ruf zurück ins Menschsein und hinein in Würde, Annahme und Hoffnung. Es berührt mich zutiefst, wie aus deinem Weg so viel Trost für andere wächst. Ich spüre darin etwas von Gottes Sanftheit und von der Art, wie Jesus Menschen nicht über ihre Brüche definiert, sondern sie liebevoll in ihrer Ganzheitlichkeit sieht.
    Du bist ein großes Geschenk für diese Welt. Ein wahrer Engel, der anderen zeigt, dass kein Leben verloren ist, sondern stets gehalten von Gott.
    Möge sein Frieden dich tief umgeben und dein Herz immer wieder sanft stärken.

    1. Sebastian Domke

      Vielen Dank, du machst mich sprachlos!

  3. Uli

    Ich war am 09.05 beim Workshop in Olpe dabei und Sebastian hat es super angeleitet. Es hat mir sehr großen Spaß gemacht. Vielen Dank für das Herzblut, welches du in dieses Projekt gesteckt und mit mir geteilt hast.

    1. Sebastian Domke

      Das freut mich sehr! Vielen Dank auch für das Herzblut, das du in deine Texte gesteckt hast 🙂

  4. Nadine

    Lieber Sebastian,
    du weißt das ich nicht zu den schreibenden Menschen dieser Welt gehöre. Gib mir Kleber, Schere und Papier und ich zaubere dir etwas schönes daraus. Du aber zauberst mit Worten viele schöne Geschichten. Du gibst Workshops in denen du dein Wissen und deine Erfahrungen mit anderen teilst. Damit machst du uns Mut. Du ermutigst uns dazu laut zu werden, und unsere Meinung kund zu tun. Du ermutigst uns aber auch dazu nicht aufzugeben. Einfach mal machen! Das durfte ich auch in deinem gestrigen Workshop erleben. Es hat einfach unheimlich viel Spaß gemacht. Besonders gefallen hat mir der Brief an die Politik. Auch wenn ich weiß, das meine Wünsche nicht so einfach umgesetzt werden können. So bin ich mir sicher das sie gelesen werden und hoffentlich auch mal zum Nachdenken anregen.
    Mach so weiter Sebastian, mit viel Herzblut und Leidenschaft! Du machst damit die Welt ein wenig
    bunter und zu einem besonderen Ort. Mit dem was du machst kannst du in den anderen Menschen viel bewegen. 😊

    1. Sebastian Domke

      Liebe Nadine,

      vielen Dank dafür, dass du dich auf ein Schreibabenteuer eingelassen hast. 🙂 Mit deinen Worten bewegst du auch viel in mir, denn mit deiner Bereitschaft, etwas Neues auszuprobieren und dich daran zu erfreuen und den Worten, die du zu Papier gebracht hast, in denen du ausgedrückt hast, was dir am Herzen liegt, hast du deine kreativen Stärken und deine Stimme gefunden. Das bei den Teilnehmer:innen zu erreichen, war mein Ziel :-).

      1. Nadine

        Hier noch eine Ergänzung zu meinem vorigen Kommentar:
        Ich finde jeder hat eine Geschichte zu erzählen. Nämlich seine eigene. Durch deine Workshops gibst du viel mehr Menschen die Möglichkeit sich zu trauen dies auch zu tun. Danke dafür das du mir und den anderen Teilnehmern am Samstag diese Möglickeit geschenkt hast! 😊

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